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04.12.1985Habite à
Zürich
Das Christentum – ein Ärgernis
moins de 2 ans
So lautete zumindest der Titel der Veranstaltung, welche ich heute besucht habe. Ein Ex-Pfarrer und Ex-Religionsgeschichtsprofessor sollte im Rahmen dieser Veranstaltung die Ansicht vertreten, dass das Christentum ein Ärgerniss sei, besonders wenn es in einer starken Form gelebt werde. Bis zu einem gewissen (allerdings enttäuschend niedrigen!) Grad hat er das auch getan, aber eigentlich nur, um seine selbstgebastelte Vorstellung von Christentum zu propagieren. Diese Version des Christentums beruht in erster Linie auf subjektiver Erfahrung, auf dem „sich einlassen“, auf dem Zusammenpflücken von Bestandteilen aus anderen Religionen und Kulturen, und - gemäss eigener Aussage – einer Priese Wahnsinn (Wie war das nochmal mit der Selbsterkenntnis...?). Die Bibel habe Christen zu begleiten, habe aber nicht die Grundlage für ihren Glauben zu sein. Schön und gut. Subjektives Erleben kann man schlecht kritisieren. Das subjektive Erleben des Glaubens wird von Christen aber erst dermassen betont, seid sie die objektiven Behauptungen über die Welt ganz einfach nicht mehr halten können, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Wenn sie die Basis oder Deutung ihres subjektiven spirituellen Erlebens aber in der gleichen Bibel suchen, deren überprüfbare objektive Aussagen über unsere Welt falsch sind – wie können sie sich dann darauf verlassen, dass die schlechter messbaren Aussagen irgend einen Wahrheitsgehalt haben? Auch moralisch und ethisch ist die Bibel ja kein besonders vorbildliches Buch. Wenn jemand sich einfach die Passagen aus einem Text heraussucht, die ihm gut und wahr erscheinen, dann hat das mehr mit Philosophie als mit Religion zu tun. Die typische pick&choose-Problematik.
Wenn schon, dann schon! Wer A sagt, muss auch B sagen, oder umgekehrt: Wer NT sagt, muss auch AT sagen! Und wer „Jesus, das moralische Vorbild, dass (wie Philisophen Jahrtausende vor ihm überigens auch) die goldene Regel propagierte und ein charismatischer Meister war“ sagt, muss auch „Jesus, der Astralzombie, welcher sein eigener Vater ist und dir ewiges Leben schenken kann, wenn du symbolisch sein Fleisch isst und ihm thelepatisch mitteilst, dass du ihn als deinen Herrn und Meister akzeptierst, damit er eine böse Kraft von deiner Seele entfernen kann, welche die Menschheit mit sich herumträgt seit eine Rippenfrau von einer sprechenden Schlange überzeugt wurde von einem magischen Baum zu essen“, sagen. Wer Himmel sagt, muss auch Hölle sagen. Der Meinung des Theologen nach sind Fundamentalistische Christen ein Ärgerniss, weil sie das Christentum falsch verstehen. Ich sehe das anders. Fundamentalistische Christen sind wenigstens konsequent. Und so sind Fundamentalisten dann auch viel leichter mit ihren Fehlern konfrontierbar. Ein wischi-waschi-Christentum das mal so mal so ist, das keine Konturen hat und doch irgendwie die Gesellschaft durchdringen will, das ist mir persönlich ein noch viel grösseres Ärgernis. Vor allem, weil auch wischi-waschi-fühl-dich-selbst-Christen bei konkreten gesellschaftlichen oder ethischen Fragestellungen dann doch meist wieder auf das zurückgreifen, was halt wirklich unbestreitbar Grundlage ihrer Religion ist: Das schrecklich unethische und mit rationalen gesellschaftlichen Werten unvereinbare Buch namens Bibel. Oder sich zumindest nicht davon ausdrücklich distanzieren, wenn die Fundamentalisten dies tun, und damit sehr direkt deren politische Agenda fördern.
Das Christentum ist ein Ärgernis, allerdings in viel umfassenderer Form als der nette alte Theologe es sich vorstellen kann.
Den Anspruch der Welt einen Sinn zu geben KANN nur erfüllen, wer dieser Sinngebung auch die Realität zu grunde legt. Was Religionen nicht tun. Deswegen ist religiöser Lebensinn immer zwangsläufig falsch.
Philosophie ist für die Sinngebung besser geeignet.
Wozu Menschen Religion brauchen kann ich als nicht Betroffener nicht abschliessend klären. Meines Empfindens nach war es ursprünglich ein Versuch, die Welt zu erklären (der sich inzwischen als falsch herausgestellt hat, aber für die damalige Zeit soweit ok war). Mit dem Bewusstsein kam wohl auch das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit, welches aber mit dem Überlebensinstinkt in Dauerkonflikt stand und steht. Die Furcht vor dem Tod dürfte also auch eine Rolle gespielt haben. Ausserdem ist Religion wohl auch ein grandioses Mittel, um die Massen zu beeinflussen.
Ein Mensch braucht keinen "radikalen Atheismus". Ich selbst habe einfach Spass daran. Und ich denke, dass die GESELLSCHAFT ihn braucht, und zwar ganz einfach als Antwort an eine immer radikalere religiöse Welt - die Kreationismus/Evolutions-Debatte schwappt langsam auch nach Europa über, und da muss man gewappnet sein.
Gegooglet hab ich das jetzt gerade zum ersten mal, und ich finde da ca. 20 Treffer und den Rest sortiert schon google selbst als Wiederholung aus.
Nein, ich bin kein Einzelkind, ich habe eine zwei Jahre jüngere Schwester.
@hunzikerr
Eine rationale Moral ist wohl auch nicht in jeder Frage objektiv, da hast du schon recht. Aber im Gegensatz zu religiöser Moral steht sie der Diskussion offen und am Ende obsiegt die Variante mit den besseren Argumenten. Bei "gottgegebener" Moral wäre ein in Frage stellen nichts anderes als Ketzerei.
Tiere aufzuschneiden ist ev. nicht die beste Methode, sie zu verstehen.
Ich denke da mehr an Verhaltensforschung. Überigens sind wir ja auch Tiere, und unsere nächsten Verwandten sind uns ziemlich ähnlich in Verhalten und empfinden. Wie weit muss man deiner Meinung nach von der Spezies Homo Sapiens weg gehen, damit wir die Tiere nicht mehr verstehen? Wahrscheinlich hast du recht, wenn du sagst, dass "wir" dumm sind, wenn du mit "wir" den Durchschnittlichen Menschen meinst. Die meisten Menschen sind wohl ziemlich dumm. Aber es zwingt uns ja keiner, durchschnittlich zu sein.
und nun wieder ernsthafter: ich habe fragen, brennende. da ich nicht jus studiere, sondern päd. psychologie, pädagogik und soziologie, interessiere ich mich weniger für recht und gesetz, sondern für einzelne menschen und die gesellschaft. daher stellen sich für mich fragen wie
- wozu brauchen menschen religion, weshalb sind religionen erfunden worden?
- wozu brauchen andere menschen einen radikalen antitheismus, den sie mit genau derselben passion vertreten, wie andere ihre religion?
- warum erscheinen tausende von treffern wenn man "Atheismus"&"gwendolan" googelt?
- ist gwendolan ein einzelkind?
gwendolan, mit dem missbrauchpotential etc. gehe ich mit dir natürlich einer meinung. auch mit der verlogenheit. doch: rationale moral ist genauso beliebig wie religiöse moral. du bist der ansicht, es ist moralisch nicht vertretbar, kinder zu schlagen. ich könnte das anders sehen und trotzdem für vernünftig halten. die begriffe "moral" und "vernunft" haben leider gottes auch ein grosses missbrauchpotential. und wieder kommen wir zum schluss, dass bloss auf seine ratio zu hören, auch mit religiosität verwandt ist. du glaubst doch auch, was du denkst, sei die einzige wahrheit...
und: einen mexikaner verstehts du doch bloss, weil du gelernt hast, ihn zu verstehen. müsstest du ihn verstehen, ohne etwas von ihm zu wissen (wie bei gott), wärst du doch komplett aufgeschmissen.
ja, wir verstehen es gut, dingen einen sinn zu geben. ob das die wahrheit ist, können wir nie mit sicherheit sagen. wir haben tiere aufgeschlitzt und gesehen, dass sie hirne haben - wie wir, nur kleiner. also denken sie. was sie denken, davon haben wir keine ahnung. ich würde deshalb nicht sagen, dass wir die tiere verstehen. wir wissen ein paar dinge über tiere, die wahrscheinlich zutreffen: wenn man einem hund den knochen wegnimmt, knurrt er. heureka! das nenne ich nicht verstehen. weil ich glaube, dass mehr hinter jedem ding ist, als wir verstehen. und ich meine das jetzt in keiner hinsicht religiös. ich bin nur davon überzeugt, dass wir dumm sind.

Ich bin hier ja nicht derjenige, der sich für den Mittelpunkt des Universums hält. Zumindest nicht mehr.

Was ich noch sagen wollte: Selbstverständlich behaupte ich nicht, alle Antworten zu kennen. Gewisse Fragen wird die Wissenschaft vielleicht nie klären können. Was aber sicher ist: Die Religion kann diese Fragen auch nicht klären, und die Behauptungen, welche die Religionen über unser Universum aufstellen sind sogar noch schlechter, als keine Erklärung zu haben. Nicht nur weil sie offensichtlich falsch sind, nicht nur, weil es sehr unelegante Hypothesen sind, sondern auch, weil sie sehr negative Implikationen für das menschliche Zusammenleben mit sich bringen.

Irgendwann habe ich dann leider gemerkt, dass ich konsequenterweise als Atheist auch meine eigene Göttlichkeit in Frage stellen muss.In diesem Sinne war ich Gott, bis ich merkte, dass ich Atheist bin.
