The Audacity of Hope
25.10.2008 à 11:50
Bei allen positiven Umfragen für Obama: Ich sehe überall nur schockierende Abgründe menschlicher Verrohung, ich sehe überall Amis, die unvorstellbar ungebildet, dumm, rücksichtlos, scheinheilig oder verblendet und vor allem: voller Hass sind.
Sarah Palin, die derzeit prominenteste Verkörperung dieses gar nicht so seltenen Typs Amerikaner, stellt nur die Spitze des Eisbergs dar. Der Skandal ist nicht sie selbst, sondern dass sie typisch amerikanisch ist. Da muss es Millionen von Menschen geben, die glauben, Gott sei ein weisser, heterosexueller Amerikaner. Dieser Gott ist das Leben und die Liebe, aber er weiss zu unterscheiden. Er lässt nur Menschen in seine Himmelspforte ein, die exakt so sind wie er und die ihr ganzes Leben lang nie vom rechten Weg abgekommen sind: die also fleissig andersartige niedergeschrieen, verprügelt, erschossen oder ganz legal zum Tod verurteilt haben. Es sind Menschen, die nicht glauben, sondern WISSEN, dass Hitler nicht etwa rechtsextrem, sondern ein böser Sozi war, dass die Erde etwa 6000 Jahre alt ist und dass es keinen Unterschied gibt zwischen Demokraten, Kommunisten, Terroristen, Arabern und Obama. Diesen Leuten musst du nicht mit Argumenten kommen. Gottes Krieger, wie sie sich selbst nennen, haben nie Zweifel. Weil sie sich nicht informieren müssen, um sich eine Meinung zu bilden, haben sie viel mehr Zeit und Energie, ihre Meinung zu vertreten. Sie wissen immer schon alles, während die anderen noch am nachdenken sind. Manche lesen auch gar keine Nachrichten, wie z.B. Sarah Palin. Folglich spielt es auch keine Rolle, ob nun die New York Times Obama favorisiert oder nicht. Wenn sie doch mal einen Andersdenkenden anhören, dann nur, um daraus einzelne Aussagen aus dem Zusammenhang zu ziehen und lächerlich zu machen.
Für diese Leute ist alles Neue, Unbekannte des Teufels. McCain hat die selben mittelalterlichen Ansichten wie Bush und die überwältigende Mehrheit aller Republikaner, also nichts Neues. Er wird das Land weiter in den Abgrund treiben. Und er vermittelt den dümmsten unter den dümmsten jederzeit das angenehme Gefühl (wie schon vor ihm Bush), er sei einer der Ihren. Das ist für Obama nicht möglich.
Diese Leute sind nicht nur resistent gegen jegliche Argumentation. Sie sind auch gefährlich. Die aggressive Wortwahl der Antidemokraten sollte man nicht für blosse Rhetorik nehmen. Sie ist Ausdruck von purem Hass auf alles, was andersartig ist und/oder ihren Interessen in die Quere kommt. Die Verbindung von Rechtsextremismus und Christentum ist in den USA tief verwurzelt, Stichwort Ku-Klux-Klan. Gefährlich für uns ist vor allem die aussenpolitische Einstellung der Republikaner-Mafia. Es ist die selbe wie Europa im 19. Jahrhundert hatte. Unter dem Deckmantel der Missionierung wird der Rest der Welt als blosser Speicher von Resourcen betrachtet, aus dem es möglichst viel herauszuquetschen gilt.
Obama möchte, dass die Leute, insbesondere die Politiker, wieder miteinander reden und diskutieren. Er glaubt an die Kraft des besseren Arguments. Bis jetzt ist er damit erstaunlich weit gekommen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.