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----------------------------------------------------------------- patti_on_retour:****************************** Als Landpomeranze hatte ich keine Mutter-, sondern Kuhmilch im Schoppen, den bauernschlauen Mutterwitz aber hatte ich schon als kleines Pummelchen gepachtet. Das einzig Mütterliche bleibt heute mein potenziell gebärfreudiges Becken. Die Langsamkeit meiner Masse wird nur duch mein fixes Mundwerk wettgemacht. Wenn’s sein muss auch schriftlich. So habe ich mir - vom Fricktal über Baden nach Zürich - wortreich die Welt erobert. Die Welt hat davon freilich nichts gemerkt.

Billets de blog

GegenSätze XI - Quo vadis, Students.ch?

GegenSätze XI - Quo vadis, Students.ch?

moins de 2 ansColonnes

CerpinText
Der Marcyboy war Europa- und Saunameister, die Happysibel langweilt sich stellvertretend für viele ob des zu hohen Anspruchs und der gute hunzikerr will und kann sich nicht entscheiden, was er will. Die «Community» wird angeführt von Nonsens-Puppen wie Stardream – die offenbar zu viele von Mamis Pillen geschluckt hat (was man aber hätte müssen kommen sehen) - oder Vodkaprinz, welche ihre Nonsens-Beiträge unter «Blog» veröffentlichen, was eine Beleidigung für und Missbrauch des Begriffes ist. «Leben und leben lassen», wurde mir einst an dieser Stelle geraten – diskutieren will ich es trotzdem: Students.ch leidet an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung, weil es nicht weiss, was es sein will. Und doch, es klärt sich immer mehr. Aber man nenne es, wie man will, es hat mit Studieren oder mit Studenten nix mehr zu tun. Im Gegenteil, es ist eine schön aufgemachte Singlebörse geworden, mit Softpornoshows sowie billigen Anlach- und Anmachkommentaren. Jeder hat sich lieb und die interessanten Menschen werden durch Belanglosigkeiten ersetzt, weil die schneller klicken können als denken – und so wirft man das Gehaltvolle langsam ab, weil es zuviel wiegt, so dass der bunte Ballon mit lauter heisser Luft weiter stetig steigen kann.

Patti_on_Retour:
Die Qualität auf students.ch ist genauso bedenklich wie Botellóns, Komatrinker und die heutige Jugend überhaupt. Nämlich gar nicht! Oder anders ausgedrückt: Wie jede beliebige andere Online-Plattform ist sie ein Abbild der Gesellschaft. Die meisten Students-User arbeiten hart. Sei dies nun für’s Studium oder als Kosmetikerin, als Automechaniker oder als Fitness-Trainer. Sie haben am Feierabend kein Lust auf Gehaltvolles. Das Credo ist Hedonismus, der Tenor ist Fun pur. Soweit meine (unprofessionelle) Diagnose.
Fälschlicherweise bezog ich letzthin den Adelstitel „Köingin der Trivialität“ auf mich und sah mich gezwungen, darauf zu reagieren (Betrachte dies als Teil meiner Antwort). Soviel zum Thema heisse Luft. Auch Softpornos sind offenbar nicht jederstudents Sache.
Natürlich würde man sich wünschen, dass die wahren Perlen nicht mit soviel Mist zugedeckt werden. Das haben wir bereits in der ersten Kolumne abgehandelt. Natürlich gibt es User, die schon beinahe schizoid nur noch für Credits und heisse Prozente leben (Siehe: Ein Tag im Leben ... ). Natürlich gibt es Blog-Diarrhoe.
Darauf haben die Macher von students.ch herzlich wenig Einfluss. Es sei denn, sie würden all die hübschen Tools wieder abschaffen oder etliche Member sperren. Was sicherlich dem Geschäftsinteresse und somit dem Weiterbestehen der Plattform nicht nicht dienlich wäre.
Schliesslich gibt es dann noch die Leute wie dich und mich. Ob ich nun - bloss weil auch mein Blog zu den meistgelesenen gehört - eine niveaulose Creditsschlampe, ein aufgeblasener Ballon oder eine billige Anmacherin bin, sei den geneigten LeserInnen überlassen.
Tobt euch ruhig aus: Es ist eure letzte Möglichkeit in diesem Blog, die GegenSätzlichkeiten des Lebens zu kommentieren.
Und noch was: Wie wärs mit einem Chat oder Diskussionsforum für die reinen Spassbeiträge? (Siehe hier)

Gegensätze verabschiedet sich hiermit und wünscht euch allen einen gelungenen Semesterstart und weiterhin gute Unterhaltung auf students.ch. Wenn auch grundsätzlich gegensätzlich.

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GegenSätze X - Wer hat’s erfunden?

GegenSätze X - Wer hat’s erfunden?

moins de 2 ansColonnes

Der tell’sche Minderwertigkeitskomplex


Patti_on_Tour de Suisse:
Ich geb’s zu: Ich mag die Schweiz. Jenseits von Albisgüetli-Rethorik und Heidi-Heimweh-Kitsch kann ich ihr immer wieder gute Seiten abgewinnen. Dreieinhalb Sprachen und zwei grosse Konfessionen sind auf kleinstem Raum vereint, ohne in den letzten Jahren nennenswerte Konflikte provoziert zu haben. Um gegenteilige Beispiele zu finden, müssen wir nicht nach Südossetien und Osttimor schielen. Ein Blick nach Belgien oder Irland reicht schon.
Gemütlich nerven wir uns über Skandälchen und Kataströphchen, streiten uns freundeidgenössisch und können jahrelang über die Einführung der Standardsprache im Kindergarten feilschen. Wir schaufeln den Röstigraben bisweilen etwas tiefer, als er wirklich ist, und freuen uns heimlich über Mörgeli-Sörgeli, die er hervorcouchepinntisiern kann.
Sogar die viel gerügte schweizerische Unterkühltheit birgt durchaus ihre eigene Nestwärme. Dringt man einmal durch den gletschergeschwängerten Eispanzer hindurch, findet man oft wahre Freunschaft. Meine eigenen Erfahrungen, sei es in ewig fröhlicher südlicher Siesta oder in den easy-peacy ehemaligen englischen Kolonien haben gezeigt: Das Misstrauen, überspielt mit entwaffnender Herzlichkeit, sitzt allerorten tief. Mit der heimatlichen Vertrautheit kehrt an der Schweizergrenze jeweils auch das Vertrauen(-können) zurück. Ein wichtiges Gut. Gestützt auf das Wissen, dass direkte Demokratie und Föderalismus, Institutionen, EO, IV, AHV und die träge Verwaltung in Bern einigermassen gut funktionieren, muss ich nicht jede Banknote und jedes Freundschaftsangebot auf ihre Echtheit prüfen. Schweiz, Suisse, Svizzera: Es geht uns gut.

CerpinText:
La Suisse: zéro points. Man hat sich daran gewöhnt. Der Schweizer Fussball ist höchstens Mittelmass und die Schweizer Musikszene ist im Gegensatz zu anderen Ländern (wie z.B. Belgien oder Irland) ein Trauerspiel.
Natürlich bin ich froh um den Frieden in unserem Land, dafür aber fehlt uns die Leidenschaft. Da muss man nicht mit einem Iren vor dem «Gap of Dunloe» diskutiert haben, um den Unterschied zu erkennen. Wir sind ein Land voller Verhinderer. Trotz des Friedens ziehen wir uns in ein Réduit zurück, dass nur dem hirnverblödenden Schwachsinn aus Amiland (via dem grossen Bruder Deutschland) Einlass gewährt. Die Kopierer der Kopierer, sozusagen. Und kaum gelingt uns dann trotzdem zufällig etwas, nerven wir jeden mit einem: «Wer hat’s erfunden?». Das genügt dann aber auch schon, weil die Genügsamkeit ist unsere «Tugend». Und genau hier liegt der Hund begraben. Das verwesende alte Düngemittel für die meterlange Wurzel allen Übels.
Denn wichtige Dinge, wie unseren vermeintlichen Nationalhelden, haben nicht wir, sondern hat ein Deutscher erfunden. Da gehen wir Wohlstandskrücken glatt mal kacken! Und der Wohlstand wiederum tötet uns das Feuer, murkst den Antrieb ab und lässt uns zu einer Nation voller Rosinenpicker werden. Es geht uns zu gut.

P.S.: «Dreieinhalb Sprachen»? Ist dies das «Quäntchen» städtischer Arroganz?

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GegenSätze IX - Gesimste Binsenwahrheiten

GegenSätze IX - Gesimste Binsenwahrheiten

moins de 2 ansColonnesInfos de l'équipe Students

Die Geister, die wir (an)riefen

CerpinText:
Das «moderne» Kommunikationsfunkloch heisst: Handy. Jungs machen per SMS mit ihren Mädchen Schluss und Jugendliche müssen mit ihrem Handydaumen zum Arzt. Dazu kommen die zum Teil horrenden Rechnungen, welche die Jugendlichen nach Hause bringen.

Früher jedoch fluchte und schimpfte man gleichermassen über Walkman und Discman. Es wären Kommunikationsbarrieren und die Jugendlichen würden sich von der Aussenwelt abschotten. Jede neue Technologie hat ihre Konsequenzen und damit auch ihre Nachteile. Es hilft aber nichts, sie zu verteufeln und sich zu wundern. Auch wenn Jugendliche Rechnungen von über 100 Franken oder mehr nach Hause bringen. Ist das denn primär ein Problem neuer Kommunikationsmittel und Technologien? Jugendliche mussten auch früher lernen, mit Geld umzugehen. Und Jungs machten früher zwar nicht per SMS mit ihren Mädchen Schluss, aber per Briefchen, welche man ihnen ins Pult legte. Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen ist das Handy eine Erfindung, welche sich tatsächlich noch etwas Zeit gelassen hat, so dass heute (fast) jeder einigermassen damit umgehen kann. Zumal es eine Weiterentwicklung von etwas Bestehendem war. Und das ist für mich das Wesentliche: Neue Technologien dieses Formats zu akzeptieren und zu lernen, wie man damit für sich am besten umgeht. Wir laufen ja schliesslich auch nicht mehr mit der Keule und einem Pelzkleid durch die Gegend.

Patti_on_Retour:
Statt ein Zuwenig herrscht heute ein Zuviel an Kommunikation. Ein 12-jähriges Mädchen berichtet, sie könne doch nicht schlafen gehen, ohne noch all ihren Freundinnen gute Nacht gewünscht zu haben. Ihre Gotte bezahle ihr das Abo, statt das Geld auf einem Sperrkonto anzulegen, und es sei nicht unmässig, sondern mit einer monatlichen Sperre auf 999 Franken beschränkt. Ihre Freundin habe nicht so viel Glück. Deren Eltern würden nur 500 Franken bezahlen, sonst müssten sie beim Essen sparen.
Solche Auswüchse sind leider nicht die Ausnahme. Ich nehme mir das pädagogische Recht heraus, dies bedenklich zu finden. Habe ich noch vor wenigen Jahren einen damals recht lustigen Sketch einstudiert, wo sich zwei Freunde per Handy verabreden, obwohl sie sich in Rufnähe befinden, so ist dies heute die bittere Realität.
Die mobile Kommunikation wird bald so billig werden wird wie Internet und Fernsehen. Nur sind wir noch nicht so weit. Und bis dahin sollten sich die Eltern überlegen, ob das übersteigerte Kommunikationbedürfnis oder gesunde Ernährung und Bildung ihrer Sprösslinge wichtiger seien.
Derselbe CerpinTaxt übrigens, welcher in der ersten Kolumne die grössere Quantität und damit einhergehende schlechtere Qualität von Blogs bedaurte, dürfte sich über eine solch geartete Kommunikation nicht eben freuen:


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GegenSätze VIII - Stadt, Land, (Ein-)Fluss

GegenSätze VIII - Stadt, Land, (Ein-)Fluss

moins de 2 ansColonnes

Kuhglockengebimmel oder Menschengewimmel


Patti_on_Town:
Das Landleben ist schön. 23 Jahre meines Lebens verbrachte ich auf einem Bauernhof, fern vom schädlichen Einfluss der Stadt, fern von Kultur- und Bildungsstätten, fern von der Möglichkeit, den Horizont über den Homberg und die Ibergerfluh hinaus zu erweitern. In Freizeit und Ferien arbeitete ich auf dem Hof und kam so nicht auf dumme Gedanken. Dass ich als Streberin gemobbt wurde, weil ich eine gewisse Bildungsaspiration in mir trug, nahm ich hin. Meine ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht - die Auswahl war eher bescheiden - musste ich nicht nur mit dem Dorf, sondern dem ganzen Tal teilen. Seit es Internet und einen Autobahnanschluss gibt, ziehen zunehmend arrivierte Städter in mein Heimatdorf. In ihren zu Villen umgebauten Bauernhäusern mit Swimmingpool versuchen sie, ihre Sehnsucht nach dem intakten Landleben zu stillen. Um sich dann lauthals darüber zu beschweren, dass ihre Lieblings-Diät-Produkte im Volg nicht angeboten werden, dass Nachbarn, Schulpflege und Gemeinderat tratschen, dass am Samstag Gülle ausgebracht wird, dass der Schnee morgens um 7 genau vor ihrem Haus noch nicht weggeräumt ist oder dass der Ortsbus nur bis 19 Uhr verkehrt.
Ja, wenn ein Städter mir erzählt - mit diesem Quäntchen an Arroganz und Überheblichkeit - es gäbe nichts Schöneres, als das Landleben, dann lächle ich milde. Ich wohne in der Stadt und das ist gut so.

CerpinText:
Stadtneurosen. Ich will ja gar nicht erst mit Woody Allen kommen. Im 21. Jahrhundert verneint kaum ein Landleben in der Schweiz die Möglichkeit, den Horizont zu erweitern. Die Frage ist auch, welchen Horizont man weiten möchte. Wenn ich durch die Städte unserer Leidgenossenschaft trample, finde ich nicht, dass man hier gross etwas erweitern kann. Alle haben den gleichen Fummel um die abgemagerten Hüften gewickelt, sprechen von den angesagtesten Clubs in der «Szene» und fragen sich, ob ihre Pseudo-Emo- oder Pesudo-Indie-Frisur denn auch wirklich hipp ist – oder ob sie überhaupt und sowieso sitzt. Stadt ist nicht gleich Stadt und Land ist nicht gleich Land. Die meisten Menschen haben eh permanent Angst, etwas zu verpassen. Im Schutze der Anonymität lassen sich so auch die dümmsten Gedanken verwirklichen. Und überhaupt geht deine Darstellung nicht ganz auf, liebe Patti. Du schreibst: «Ja, wenn ein Städter mir erzählt - mit diesem Quäntchen an Arroganz und Überheblichkeit - es gäbe nichts Schöneres, als das Landleben, dann lächle ich milde». Du darfst nicht vergessen, dass du vom Land in die Stadt gezogen bist. Doch wohl auch nicht mit einem «Quäntchen» an Sturheit und bäuerischer Art? Wenn du der Stadt einen solchen Einfluss zuschreibst, dann kann es dort nicht schön sein. Ich wohne nicht (mehr) in der Stadt – und das ist besser so.

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GegenSätze VII - Kopfgeburten des Geschlechterkampfs

GegenSätze VII - Kopfgeburten des Geschlechterkampfs

moins de 2 ansColonnes

Was Mann nicht schwanger schafft

CerpinText:
„Ihr Männer solltet froh sein, dass ihr nicht schwanger werden könnt. Ihr würdet sterben vor Schmerzen!“ Wenn ich jedes Mal ein Kind bekommen würde, sobald ich diesen Satz höre, wäre ich 167-facher Vater. Der Exklusivclub der kinderkriegenden Besserwisser (womit also explizit betont wäre, dass es sich hier nur um eine bestimmte Randgruppe handelt) gibt solche Parolen sogar schon dann heraus, wenn die jeweiligen Protagonistinnen selbst noch gar nie schwanger waren.
Ich gebe es gerne zu: Ich bin wehleidig. Mit jeder Faser meines empfindlichen Körpers. Da kann Häuptling zwickender Fuss auch mal alle Indianer entehren und kennt tatsächlich Schmerzen. Und das wird mitgeteilt. Mehrfach. Frauen wollen jedoch keine Weichlinge, sie suchen richtige Männer. Nur halt dann nicht, wenn man kuscheln und schmusen will. Da muss er sensibel sein. Und Fussball geht natürlich gar nicht.
Ja, wir können keine Kinder kriegen. Und dies ist wohl das blödeste Argument in der Geschichte des Geschlechterkampfes. Es wäre zu vergleichen mit: „Ihr Frauen solltet froh sein, dass ihr keinen Bart habt. Ihr würdet sterben beim Schminken!“ Das ist lächerlich. Gleichberechtigung in Ehren, aber anatomische Unterschiede als Selbstbestätigung zu verwenden ist Mumpitz.

Patti_on_Retour:
Du übersiehst, dass es sowol Frauen mit Bart gibt, als auch Männer, die sich schminken. Das Kinder kriegen allerdings müssen die Frauen alleine übernehmen. Dazu gehört einiges. Nicht nur, dass sich der Körper der Mädchen in der Pubertät dramatischer verädert als derjenige der Jungs, und das erst noch zu ihren Ungunsten. Jungs werden grösser und stärker, Mädchen werden rundlicher. Es ist kein Zufall, dass das weibliche Geschlecht mit einer zehnmal höheren Prävalenz zu Essstörungen neigt. Dass wir Frauen ab etwa dem 11. Lebensjahr monatlich - oft begleitet von starken Schmerzen und Stimmungsschwankungen - einige Deziliter Blut verlieren, haben wir gefälligst zu kaschieren. Ein schmieriger Blutfleck auf der Hose ist weniger locker mit einem Spruch wettzumachen als ein Dreitagebart. „Die hat wohl ihre Tage!“ wird uns vom anderen Geschlecht nicht mit dem Unterton von Bewunderung und Dankbarkeit entgegengebracht. Im Gegenteil: Ich müsste mich wohl noch entschuldigen dafür, dass ich diesen Scheiss zur Erhaltung des Menschengeschlechts durchmache.

Weißt du eigentlich, was uns unsere weibliche Anatomie an Energie, an Zeit und an Geld kostet? Das rechnet sich über so ein Leben, sogar wenn wir nie gebären. Man denke nur einmal an all die Monatshygiene-Artikel und Schmerzmedikamete. Darauf ist die immer noch durch und durch männlich geprägte Gesellschaft zwar ein-, aber nicht ausgerichtet. Grosszügige Mutterschaftsurlaube gehen nur zu oft einher mit geringen Karrierechancen.

Meine besten Freundinnen, welche bereits geboren haben, erzählen: „Weißt du, der Dammschnitt, der tut nicht weh, das spürst du gar nicht mehr, weil die Presswehen so extrem stark sind.“ Danke. Ein Dammschnitt, das heisst von der Vagina bis zum After aufgeschlitzt zu werden, ohne Anästhesie. Kannst du dir das vorstellen, lieber CerpinTaxt? Ja, du würdest vielleicht sterben vor Schmerzen und ich sterbe beinahe vor Angst, wenn ich mir dies als mögliches Zukunftssszenario vorstelle.

Vergiss deshalb einmal das „Argument“, welches du dahinter vermutest. Du hast recht, es ist keines. Vielleicht könnte man es am ehesten als eine kleine Kompensation für die Ungerechtigkeit dieser Welt sehen. In einer Gesellschaft, welche nach wie vor von Männern dirigiert wird, wo Menstruation, Schwangerschaft und Stillzeit als Einstellungsrisiko und als wirtschaftshemmend gelten, solltest du den Frauen zumindest ihre physische Überlegenheit beim Geburtsvorgang zugestehen. Wenn du also das 168ste Mal mit dieser Aussage konfrontiert wirst, dann reagiere nicht als wehleidiger Mann, sondern als sensibler Psychologe und antworte: „Ja, ich würde vermutlich sterben. Ich bin froh und voller Bewunderung und Dankbarkeit, dass ihr Frauen diesen Job übernehmt.“

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GegenSätze VI - Gold, Weihrauch und rauschende Feste

GegenSätze VI - Gold, Weihrauch und rauschende Feste

moins de 2 ansColonnes

Ein Hoch auf den Katholizismus

Patti_on_Host:*

(*englisch für Hostie)

Katholizismus ist weder Institution, Religion noch Glaube, vielmehr ein Paradigma oder eine politisch-kulturelle Sprache, die sich grundsätzlich vom Protestantismus unterscheidet. Letzterem verdanken wir die äusserliche Bescheidenheit, das innerliche, humanististische Bildungsideal, den Arbeitsethos, Tanzverbote, den inneren Ruf zu moralischem Leben und das Laienpredigertum. Dieses macht sich heute vor allem am Kindergärtnerinnenseminar bemerkbar, wo junge Mädchen zum Bibelkreisgespräch aufrufen und für all jene beten, welche sich nicht freiwillig in die Fussstapfen Jesu begeben.

Was lob ich mir da den Katholizismus! Das Seelenheil kann erkauft, die Absolution erbeichtet werden. Die Schäfchen brauchen weder vernünftig noch integer zu leben. In jeder katholischen Messe der Welt können die Gebete noch halbwegs mitgeschwafelt, die Aufsteh- und Niederknierituale mitgemacht und die heilsversprechenden Hostien zu richtigen Zeit geholt werden. Ein bisschen Busse tun, ein Ave Maria hier, eine Wallfahrt dort, die letzte Ölung und andere jahrhundertealte Rituale ebnen den Weg in den Himmel. Und dieser ist frei von falscher Bescheidenheit: Reich bestickt die Gewänder, bunt bebildert die Kirchen, rauschend die Feste, pompös die Manifestation der Hierarchie! Nach dem Fasten wird gefressen, was das Zeug hält! Kein Wunder, dass die Badenfahrt mehr hergibt, als das kommerzialisierte Züri-Fäscht. Die Sprache des Katholizismus ist international, traditionell, feierlich und äusserst lebensfroh. Und in Zeiten des modernen Ablasshandels (Wie war das nochmal mit der CO2-Steuer?) passt sie eigentlich wunderbar.

CerpinText:

Die gute alte Bequemlichkeit des Glaubens. Übelste Verharmlosung nenne ich das, liebe Patti. Das wäre nur dann lustig, wenn es ironisch gemeint ist – und da ich auf diesen Gegensatz antworten «darf», wird es dies wohl eher nicht sein. Den Katholizismus als nice way to live zu betrachten, finde ich höchst fahrlässig. Weißt du unter welchen Umständen diese Kirchen erbaut wurden? Die Sprache des Katholizismus war über mehrere hundert Jahre Intoleranz, Verfolgung, Ausbeutung, Bekehrung, Verheimlichung und Töten. Im Namen Gottes, wohlverstanden. Das nenne ich nicht lebensfroh, sondern menschenverachtend. Und vieles von dem schwirrt noch heute in manchen Köpfen ver(w)irrter Gläubiger herum. Ich lasse jeden Menschen glauben, was er will. Aber nicht wie er will. Es gibt Grenzen. Solange der Popstar-Papst immer noch rumrennt, wie eine massentauglichere Variante von Uriella und Kondome denjenigen Jugendlichen verbietet, welche sich sowieso in Enthaltsamkeit üben sollten, finde ich weder Jesus plötzlich so cool und trendy wie Dave Grohl, noch werde ich anfangen, mich über längst sinnfreie Traditionen und Rituale zu amüsieren. Den Freibrief für einen Himmel, den es nicht gibt, mit fadenscheinigen Busseritualen erschleichen zu wollen, ist genauso absurd, wie sich in die Luft zu sprengen, um den Rest der Ewigkeit mit ein paar Dutzend Jungfrauen zu verbringen. Nein, ich finde es nicht lustig. Humorloser Heide, der ich bin.

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GegenSätze V - Tausche Seele gegen BMW

GegenSätze V - Tausche Seele gegen BMW

moins de 2 ansColonnes

Idealismus als Prinzip

CerpinText:

Die einzig richtige Idealvorstellung von dem, was gut und richtig ist, existiert nicht. Jedoch gibt es mittlerweile Gefässe, aus denen man sich bequem bedienen kann, weil da alles schon zugeschnitten und vorgekocht ist. Wie Dosenfutter. Natürlich könnte man hier Begriffe definieren, sie von einer philosophischen Seite betrachten. Für das gibt es aber Nachschlagewerke. Ich nehme mir gerne das Recht heraus, mich öffentlich zu irren oder zu scheitern. Aus Prinzip.

Auch wenn die Gefahr besteht, dass einem der Idealismus zuweilen im Weg steht oder dass Prinzipen als stur und rigide abgestempelt werden, will ich ganz bestimmt nicht damit anfangen, einfach nur älter und immer wie gleichgültiger zu werden. Sturm und Drang weicht Altersmilde und Desillusionierung. Was einst Antrieb zum Rebellieren war, sieht plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus. Früher Punk, Bier und bunte Haare – heute Klassik, Rotwein und Glatze. Die fetten Jahre sind erst noch zu erreichen und das schafft man nicht, indem man sich nicht "öffnet". Oder anders ausgedrückt: Wenn man sich nicht verkauft, verstellt und manchmal sogar ein kleines bisschen aufgibt. Ich will nicht bleiben, wie ich bin und ich bleibe mir nicht selber treu. Aber ich werde auch nicht anfangen aufzuhören und nicht aufhören anzufangen. Mein Idealismus und meine Prinzipen liefern dazu den nötigen Treibstoff. Wer seine für einen schicken BMW eintauscht, der soll damit zurück hinter den Mond "cruisen".

Patti_on_Retour:

Was soll ich dem entgegensetzen? Natürlich hat er Recht! Doch bleibt der CerpinText so allgemein und schwammig, dass ihm sogar Bill Gates zustimmen müsste. Es sei denn, er fahre BMW. Ich fahre Mercedes. Ein alte Kiste, die mich samt Kauf, Versicherung und 4 Jahren Unterhalt weniger als sfr. 5000.- kostete. Demnächst wandert das Gefährt in den Osten, damit ich zumindest noch 200 Franken als Anzahlung ans GA löse. Verkaufe ich deswegen meine Seele? Oder verkaufe ich sie, weil ich an einer Privatschule unterrichte, wo ich natürlich weniger verdiene als an der öffentlichen, dafür auch weniger Schüler habe? Schüler, die in der öffentlichen Schule litten oder nicht mehr tragbar waren, weil eine Lehrperson mit 26 Kindern schlicht nicht die Ressourcen hat, sich um "Kinder mit speziellen Bedürfnissen" zu kümmern. Bin ich altersmilde, weil ich tatsächlich viel toleranter geworden bin, im Gegensatz zu früher, als ich in meinen jugendlichen Idealismus Toleranz gross schrieb, sie sich aber auf Randgruppen beschränkte?

Natürlich soll man sich etwas Idealismus bewahren. Dass man älter und dadurch gesetzter wird, lässt sich jedoch nicht vermeiden. Es sei denn, man wolle sich der Illusion hingeben, ewig 20 zu sein. Auf die Gefahr hin, dass sich die eigenen Kinder dereinst schämen für ihre ach so jungegbliebenen Eltern mit dem flippigen Haarschnitt und den peinlichen Klamotten.

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GegenSätze IV - Glück im Spiel...

GegenSätze IV - Glück im Spiel...

moins de 2 ansColonnes

Stöck, Wyys, Stich: Scharf auf scharfes Jassen

Patti_on_Trumpf:

"Schreibe über etwas, das du kennst" – was dem Autor recht ist, ist der Kolumnistin nicht billig. Ich bin bekennende Jasserin. Einer der prägendsten Initiationsriten meiner Kindheit war wohl das Erlernen dieses Schweizer Volkssports. Wie bei jedem Spiel galt es zuerst die Grundregeln kennenzulernen: Farben, Werte, Spielmodus. Ein einfacher Trumpf, bei dem jeder gegen jeden antritt. Wie litt da meine zarte Kinderseele, wenn es trotz guten Karten nicht zum Sieg reichte. Als ich genügend alt war, um in der Frage "machen wir einen Schieber zu viert?" nichts Vulgäres mehr zu entdecken, weihte man mich in die Geheimnisse der Spielstrategien ein. Jassen war plötzlich kein egoistisches Tschau-Sepp-Spielchen mehr, sondern ein Mannschaftsspiel mit Taktik, Spielwitz, Risiken, Herausforderungen und Ehrgeiz zum Sieg. Aus dem Grümpelturnier wurde mit viel Übung die Champions-League. Der Aufstieg lohnte sich. Auftrumpfen kann man mit einem guten Jasspartner, nicht mit einem glücklich gemischten Blatt. Denn das Glück ist relativ. Nach einigen Runden, spätestens aber nach einigen durchzechten Jassabenden gleicht sich die Bilanz von Weisen und Kartenglück wieder aus, der Wahrscheinlichekit sei Dank. Bei einer Einladung zu einem Light-Jass winke ich dankend ab: Wer will schon am Grümpleturnier den Fuss verstauchen, wenn er Champions-League-Qualitäten hat?

CerpinText:

Ich jasse gerne. Wirklich. Doch gibt es kaum ein Spiel, dass stupidere Spielweisen kennt, als der "Schweizer Volkssport". Wo für mich Taktik und Können aufhören ist dort, wo man weist und gewisse Spielarten plötzlich mehrfach zählen. Hat man also vier Asse und kann locker ein "Obenabe" riskieren, schenkt der Faktor Glück gleich doppelt ein. Man kann ähnlich gut jassen wie der Gegner, verliert aber trotzdem, nur weil die anderen permanent irgendeinen Mist weisen können und ihnen das Kartenglück immer die höher zählbaren Trümpfe zuspielt. Das gleicht sich ganz bestimmt nicht einfach so aus und hat auch nichts mit Leistung am Hut. Die Wahrscheinlichkeit wird ausgetrickst, wenn vier Bauern mehr Punkte ergeben, als vier Damen. Wieso das Glück noch zusätzlich ins Spiel bringen? Taktik ist wichtig beim Jassen, klar. Aber eine gute Taktik ist wertlos ohne Kartenglück. Und das allerschlimmste ist das Prinzip des Wegwerfens bzw. Anzeigens: Hier wird die Taktik je nach Situation zum Eigentor. Dann doch lieber hinten dicht machen und hoffen, dass vorne einer reinkullert. Nur sture Traditionalisten beharren auf Regeln, welche dem Zufall mehr dienen, als dem Geschick.

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GegenSätze III - Der Fadenschein im Fadenkreuz

GegenSätze III - Der Fadenschein im Fadenkreuz

moins de 2 ansColonnes

"Im Spiel wird sauber getötet"

CerpinText:

Was machen Schweizer Politiker, wenn es ihnen langweilig wird? Genau, sie verklagen willkürlich einen Geschäftsführer wegen eines willkürlich herausgegriffenen "Killergames". Weil ihnen die Jungs am Montag morgen zu nervös in die Schule kommen. Die haben nämlich am Wochenende Konsolenspiele gezockt und man hat ja schliesslich pädagogische Psychologie studiert. Man weiss also gleich, von wo das kommt, das nervöse Zucken. Jetzt wurde die Justiz bemüht und man hat wieder eine tolle Schlagzeile. Während der gute Herr Roland Näf selbstlos seinen persönlichen Heldenkampf gegen alles Böse in der Spielewelt kämpft – und sich natürlich keineswegs vor seinen Wählern profilieren will –, sollen sich andere um die weniger wichtigeren Dinge des politischen Alltags im Lande kümmern. Leider beantwortet aber kein Rechtsstreit um kulturelle Werte in Ballerspielen oder um die Sauberkeit des Tötens die Gretchenfrage nach dem Huhn oder dem Ei: Spielen aggressive Kinder häufiger bzw. lieber aggressive Spiele oder werden Kinder erst aggressiv, weil sie solche Spiele häufig spielen? Es gibt einen Dachstock voll mit Studien zu diesem Thema. Es gibt ebenfalls einen Dachstock voll mit ungeklärten Fragen. Der einzige Effekt solcher Aktionen ist aber nur eine Übersättigung und Abstumpfung gegenüber dem Thema. Wie die Attentatsmeldungen aus dem Irak. Die zeigt man übrigens in der Tagesschau zur besten Sendezeit. Das nennt man dann wohl aber "Realität".

Patti_on_Retour:

Schweizer Politikern dürfte es kaum langweilig werden. Wie wohl in keinem anderen Land müssen sie sich in der Stube und im Kinderzimmer von Familie Schweizer auskennen. Weniger weil sie es wollen, sondern mehr weil sie durch die basisdemokratischen Institutionen zur offenen Haustür hereingezerrt werden. Das Kernthema ist hier allerdings ein anderes: Wie soll mit gesellschaftlichen Umbrüchen politisch umgegangen werden? Die Pädagogische Psychologie hat (noch) keine Lösungen, aber sie liefert gute Ansätze. Einen ganzen Dachstock voll. Statt dies nur beiläufig zu erwähnen, täte man gut daran, die Dachstockstiege auch einmal zu erklimmen. Dort findet sich nämlich tatsächlich zumindest EINE Antwort: Killerspiele machen einen Unterschied. Zwar mutieren sozial und emotional stabile Kinder durch exzessives Spielen nicht zu empathielosen Monstern. Doch hier kommt der Interaktionseffekt zum Tragen, wie übrigens auch bei anderen potenziell süchtig machenden Verlockungen der schönen neuen Welt. Sind junge Menschen bereits psychisch vorbelastet, können genannte Games sie negativ beeinträchtigen. Das mag im Extremfall so weit gehen wie bei den jungen Tessinern, die "aus Langeweile" einen Jugendlichen zu Tode geprügelt haben.

Dass sich Politiker gerne mit brennenden Gesellschaftsfragen profilieren wollen, und dass Repression allein wenig Wirkung zeigt, ist hinlänglich bekannt. Erreicht wird hiermit bestenfalls, dass ein nötiger und keinesfall abstumpfender Diskurs lanciert wird. Vielleicht begeben sich dadurch die Eltern mitsamt ihrem Wertepaket wieder einmal selbst ins Kinderzimmer, damit nicht Pädagoginnen, Politiker und Richter bemüht werden müssen. Diese können inzwischen getrost im Dachstock wühlen. Von allzu exzessivem Gamen rät indes jeder Experte ab. Das nennt man dann nämlich Realitätsverlust.

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GegenSätze II - Gorillas im Nebel

GegenSätze II - Gorillas im Nebel

moins de 2 ansInfos de l'équipe StudentsColonnes

Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Patti_on_Fire:

Es gibt kaum vernünftige Argumente für das Rauchen. Persönliche Freiheit lassen wir nicht gelten, die endet bekanntlich da, wo der geteilte Luftraum des anderen beginnt. Natürlich gibt es auch kaum vernünftige Argumente für motorisierten Individualverkehr auf gut ausgebauten ÖV-Strecken. Ausser der persönlichen Freiheit vielleicht? Unzählige andere Beispiele könnten die Beweisführung der prohibitionistischen Verbotsbemühungen dekonstruieren. Solcherlei destruktiv-dekonstruktionistische Argumentation sei jedoch kindisch und unerwachsen, werde ich eines Besseren belehrt. Unerwachsen? Unvernünftig? In breiten Kreisen ist sexistische Gegenemanzipation hipp, Ausländerfeindlichkeit wird wieder salonfähig, Luftbelastung durch Vielfliegerei und Offroader gilt als wirtschaftsfördernd. Das Rauchen aber, welches tendenziell vor allem dem Akteur selbst schadet, wird plötzlich zur moralischen Kategorie erhoben. Nichtraucher sind die Guten, Raucher sind die Bösen. Das, was unsere Kinder nicht sehen und schon gar nicht werden sollen.

Schützt die Kinder und die Nichtraucher! Diese Parole der Stunde heisst für mich: Lasst es nicht zu, dass man wie in Kalifornien nur noch im Auto und in der geschlossenen Wohnung rauchen darf, wo die Kinder und Familienangehörigen die ganze Ladung bekommen. Macht gemeinschaftlich genützte Räume rauchfrei, lasst aber um Himmels Willen den nikotinsüchtigen oder gelegenheitsrauchenden Prostituierten, Professorinnen, Landwirten, Künstlerinnen, Krankenschwestern, Bankern oder Büezern ihre Raucherräume, ihre offenen Bahnperrons, ihre Fumoirs, ihre Raucherbars und ihre Trottoirs. Vor allem aber lasst ihnen ihre Daseinsberechtigung, ihre Würde und ihre moralische Integrität.

CerpinText:

Natürlich gibt es keine vernünftige Argumente für das Rauchen. Es kostet viel Geld, schadet der Gesundheit und stinkt furchtbar. Punkt. Süchtige sind ja auch sonst nicht diejenigen, denen man ihre Ammenmärchen abkauft. "Unzählige andere Beispiele könnten die Beweisführung der prohibitionistischen Verbotsbemühungen dekonstruieren." Ich finde das immer so niedlich, wenn man grundeinfache Debatten – wie die über Sinn und Unsinn des Rauchens – verzweifelt versucht, mit künstlichen Abstraktionen zu verintellektualisieren. Dazu mischt man gerne noch die persönliche Freiheit mit in die Suppe und dann krieg’ ich das schiefe Lachen. Ich will euch mal was (nichtraucher)husten, von wegen Freiheit und Individualität: IKEA-Möbel im Wohnzimmer, H&M-Kleidung am Hintern, iPod in den Löffeln, McDonalds-Speckröllchen am Ranzen usw...

Natürlich hat Rauchen auch nichts mit Moral zu tun. Dieser Begriff ist so dermassen ausgelutscht, wie eine bis zum Filter abgerauchte Zigarette. Wenn für den Menschen Rauchen etwas mit Würde und moralischer Integrität zu tun haben soll, ist das (1) völlig lächerlich und (2) wird hier der Begriff der moralischen Integrität fehlverwendet (bzw. gar nicht erst verstanden). Eine weitere unklare Abstraktion ohne Fundament. Ihr könnt rauchen soviel ihr wollt, nur eines lasst doch bitte sein: Erhebt es weder zur Philosophie noch zum Lebensstil. Denn es ist schlicht und einfach eine dämliche Angewohnheit.

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