Partenaire

Écrire un billet de blog
A propos de l'auteur

Genre

Fille

A propos de moi

----------------------------------------------------------------- patti_on_retour:****************************** Als Landpomeranze hatte ich keine Mutter-, sondern Kuhmilch im Schoppen, den bauernschlauen Mutterwitz aber hatte ich schon als kleines Pummelchen gepachtet. Das einzig Mütterliche bleibt heute mein potenziell gebärfreudiges Becken. Die Langsamkeit meiner Masse wird nur duch mein fixes Mundwerk wettgemacht. Wenn’s sein muss auch schriftlich. So habe ich mir - vom Fricktal über Baden nach Zürich - wortreich die Welt erobert. Die Welt hat davon freilich nichts gemerkt.

Billets de blog - Juillet 2008

GegenSätze VI - Gold, Weihrauch und rauschende Feste

GegenSätze VI - Gold, Weihrauch und rauschende Feste

moins de 2 ansColonnes

Ein Hoch auf den Katholizismus

Patti_on_Host:*

(*englisch für Hostie)

Katholizismus ist weder Institution, Religion noch Glaube, vielmehr ein Paradigma oder eine politisch-kulturelle Sprache, die sich grundsätzlich vom Protestantismus unterscheidet. Letzterem verdanken wir die äusserliche Bescheidenheit, das innerliche, humanististische Bildungsideal, den Arbeitsethos, Tanzverbote, den inneren Ruf zu moralischem Leben und das Laienpredigertum. Dieses macht sich heute vor allem am Kindergärtnerinnenseminar bemerkbar, wo junge Mädchen zum Bibelkreisgespräch aufrufen und für all jene beten, welche sich nicht freiwillig in die Fussstapfen Jesu begeben.

Was lob ich mir da den Katholizismus! Das Seelenheil kann erkauft, die Absolution erbeichtet werden. Die Schäfchen brauchen weder vernünftig noch integer zu leben. In jeder katholischen Messe der Welt können die Gebete noch halbwegs mitgeschwafelt, die Aufsteh- und Niederknierituale mitgemacht und die heilsversprechenden Hostien zu richtigen Zeit geholt werden. Ein bisschen Busse tun, ein Ave Maria hier, eine Wallfahrt dort, die letzte Ölung und andere jahrhundertealte Rituale ebnen den Weg in den Himmel. Und dieser ist frei von falscher Bescheidenheit: Reich bestickt die Gewänder, bunt bebildert die Kirchen, rauschend die Feste, pompös die Manifestation der Hierarchie! Nach dem Fasten wird gefressen, was das Zeug hält! Kein Wunder, dass die Badenfahrt mehr hergibt, als das kommerzialisierte Züri-Fäscht. Die Sprache des Katholizismus ist international, traditionell, feierlich und äusserst lebensfroh. Und in Zeiten des modernen Ablasshandels (Wie war das nochmal mit der CO2-Steuer?) passt sie eigentlich wunderbar.

CerpinText:

Die gute alte Bequemlichkeit des Glaubens. Übelste Verharmlosung nenne ich das, liebe Patti. Das wäre nur dann lustig, wenn es ironisch gemeint ist – und da ich auf diesen Gegensatz antworten «darf», wird es dies wohl eher nicht sein. Den Katholizismus als nice way to live zu betrachten, finde ich höchst fahrlässig. Weißt du unter welchen Umständen diese Kirchen erbaut wurden? Die Sprache des Katholizismus war über mehrere hundert Jahre Intoleranz, Verfolgung, Ausbeutung, Bekehrung, Verheimlichung und Töten. Im Namen Gottes, wohlverstanden. Das nenne ich nicht lebensfroh, sondern menschenverachtend. Und vieles von dem schwirrt noch heute in manchen Köpfen ver(w)irrter Gläubiger herum. Ich lasse jeden Menschen glauben, was er will. Aber nicht wie er will. Es gibt Grenzen. Solange der Popstar-Papst immer noch rumrennt, wie eine massentauglichere Variante von Uriella und Kondome denjenigen Jugendlichen verbietet, welche sich sowieso in Enthaltsamkeit üben sollten, finde ich weder Jesus plötzlich so cool und trendy wie Dave Grohl, noch werde ich anfangen, mich über längst sinnfreie Traditionen und Rituale zu amüsieren. Den Freibrief für einen Himmel, den es nicht gibt, mit fadenscheinigen Busseritualen erschleichen zu wollen, ist genauso absurd, wie sich in die Luft zu sprengen, um den Rest der Ewigkeit mit ein paar Dutzend Jungfrauen zu verbringen. Nein, ich finde es nicht lustig. Humorloser Heide, der ich bin.

7 Commentaires
GegenSätze V - Tausche Seele gegen BMW

GegenSätze V - Tausche Seele gegen BMW

moins de 2 ansColonnes

Idealismus als Prinzip

CerpinText:

Die einzig richtige Idealvorstellung von dem, was gut und richtig ist, existiert nicht. Jedoch gibt es mittlerweile Gefässe, aus denen man sich bequem bedienen kann, weil da alles schon zugeschnitten und vorgekocht ist. Wie Dosenfutter. Natürlich könnte man hier Begriffe definieren, sie von einer philosophischen Seite betrachten. Für das gibt es aber Nachschlagewerke. Ich nehme mir gerne das Recht heraus, mich öffentlich zu irren oder zu scheitern. Aus Prinzip.

Auch wenn die Gefahr besteht, dass einem der Idealismus zuweilen im Weg steht oder dass Prinzipen als stur und rigide abgestempelt werden, will ich ganz bestimmt nicht damit anfangen, einfach nur älter und immer wie gleichgültiger zu werden. Sturm und Drang weicht Altersmilde und Desillusionierung. Was einst Antrieb zum Rebellieren war, sieht plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus. Früher Punk, Bier und bunte Haare – heute Klassik, Rotwein und Glatze. Die fetten Jahre sind erst noch zu erreichen und das schafft man nicht, indem man sich nicht "öffnet". Oder anders ausgedrückt: Wenn man sich nicht verkauft, verstellt und manchmal sogar ein kleines bisschen aufgibt. Ich will nicht bleiben, wie ich bin und ich bleibe mir nicht selber treu. Aber ich werde auch nicht anfangen aufzuhören und nicht aufhören anzufangen. Mein Idealismus und meine Prinzipen liefern dazu den nötigen Treibstoff. Wer seine für einen schicken BMW eintauscht, der soll damit zurück hinter den Mond "cruisen".

Patti_on_Retour:

Was soll ich dem entgegensetzen? Natürlich hat er Recht! Doch bleibt der CerpinText so allgemein und schwammig, dass ihm sogar Bill Gates zustimmen müsste. Es sei denn, er fahre BMW. Ich fahre Mercedes. Ein alte Kiste, die mich samt Kauf, Versicherung und 4 Jahren Unterhalt weniger als sfr. 5000.- kostete. Demnächst wandert das Gefährt in den Osten, damit ich zumindest noch 200 Franken als Anzahlung ans GA löse. Verkaufe ich deswegen meine Seele? Oder verkaufe ich sie, weil ich an einer Privatschule unterrichte, wo ich natürlich weniger verdiene als an der öffentlichen, dafür auch weniger Schüler habe? Schüler, die in der öffentlichen Schule litten oder nicht mehr tragbar waren, weil eine Lehrperson mit 26 Kindern schlicht nicht die Ressourcen hat, sich um "Kinder mit speziellen Bedürfnissen" zu kümmern. Bin ich altersmilde, weil ich tatsächlich viel toleranter geworden bin, im Gegensatz zu früher, als ich in meinen jugendlichen Idealismus Toleranz gross schrieb, sie sich aber auf Randgruppen beschränkte?

Natürlich soll man sich etwas Idealismus bewahren. Dass man älter und dadurch gesetzter wird, lässt sich jedoch nicht vermeiden. Es sei denn, man wolle sich der Illusion hingeben, ewig 20 zu sein. Auf die Gefahr hin, dass sich die eigenen Kinder dereinst schämen für ihre ach so jungegbliebenen Eltern mit dem flippigen Haarschnitt und den peinlichen Klamotten.

15 Commentaires
GegenSätze IV - Glück im Spiel...

GegenSätze IV - Glück im Spiel...

moins de 2 ansColonnes

Stöck, Wyys, Stich: Scharf auf scharfes Jassen

Patti_on_Trumpf:

"Schreibe über etwas, das du kennst" – was dem Autor recht ist, ist der Kolumnistin nicht billig. Ich bin bekennende Jasserin. Einer der prägendsten Initiationsriten meiner Kindheit war wohl das Erlernen dieses Schweizer Volkssports. Wie bei jedem Spiel galt es zuerst die Grundregeln kennenzulernen: Farben, Werte, Spielmodus. Ein einfacher Trumpf, bei dem jeder gegen jeden antritt. Wie litt da meine zarte Kinderseele, wenn es trotz guten Karten nicht zum Sieg reichte. Als ich genügend alt war, um in der Frage "machen wir einen Schieber zu viert?" nichts Vulgäres mehr zu entdecken, weihte man mich in die Geheimnisse der Spielstrategien ein. Jassen war plötzlich kein egoistisches Tschau-Sepp-Spielchen mehr, sondern ein Mannschaftsspiel mit Taktik, Spielwitz, Risiken, Herausforderungen und Ehrgeiz zum Sieg. Aus dem Grümpelturnier wurde mit viel Übung die Champions-League. Der Aufstieg lohnte sich. Auftrumpfen kann man mit einem guten Jasspartner, nicht mit einem glücklich gemischten Blatt. Denn das Glück ist relativ. Nach einigen Runden, spätestens aber nach einigen durchzechten Jassabenden gleicht sich die Bilanz von Weisen und Kartenglück wieder aus, der Wahrscheinlichekit sei Dank. Bei einer Einladung zu einem Light-Jass winke ich dankend ab: Wer will schon am Grümpleturnier den Fuss verstauchen, wenn er Champions-League-Qualitäten hat?

CerpinText:

Ich jasse gerne. Wirklich. Doch gibt es kaum ein Spiel, dass stupidere Spielweisen kennt, als der "Schweizer Volkssport". Wo für mich Taktik und Können aufhören ist dort, wo man weist und gewisse Spielarten plötzlich mehrfach zählen. Hat man also vier Asse und kann locker ein "Obenabe" riskieren, schenkt der Faktor Glück gleich doppelt ein. Man kann ähnlich gut jassen wie der Gegner, verliert aber trotzdem, nur weil die anderen permanent irgendeinen Mist weisen können und ihnen das Kartenglück immer die höher zählbaren Trümpfe zuspielt. Das gleicht sich ganz bestimmt nicht einfach so aus und hat auch nichts mit Leistung am Hut. Die Wahrscheinlichkeit wird ausgetrickst, wenn vier Bauern mehr Punkte ergeben, als vier Damen. Wieso das Glück noch zusätzlich ins Spiel bringen? Taktik ist wichtig beim Jassen, klar. Aber eine gute Taktik ist wertlos ohne Kartenglück. Und das allerschlimmste ist das Prinzip des Wegwerfens bzw. Anzeigens: Hier wird die Taktik je nach Situation zum Eigentor. Dann doch lieber hinten dicht machen und hoffen, dass vorne einer reinkullert. Nur sture Traditionalisten beharren auf Regeln, welche dem Zufall mehr dienen, als dem Geschick.

22 Commentaires