Derniers visiteurs de Gwendolan
Les amis de Gwendolan
Destinations
Gwendolan a marqué 75 villes dans 12 pays

Gwendolan (26)

Gwendolan

Visiteurs

24331 visiteurs depuis 04.11.2004

Etudes

Rechtswissenschaften
Universität Zürich

Vie amoureuse

Je ne le dévoile pas

Warum Beda Stadler und Christian Waber in Sachen Komplementärmedizinsabstimmung einer Meinung sind

25.04.2009 à 13:54

Auch wenn dieses geflügelte Wort nicht gefallen ist, hätten die Befürworter wohl ironischerweise gar nicht so unrecht gehabt, wenn sie Beda Stadler (erklärter Atheist, Professor für Immunologie Uni Bern) und Christian Waber (fundamentalistischer Christ, EDU) in der Arena vom 24.4.2009 als unheilige Alianz bezeichnet hätte. Es ist auf den ersten Blick sehr erstaunlich, dass in Sachen Komplementärmedizin zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, in die gleiche politische Meinung vertreten. Auf den zweiten Blick wird aber klar, wieso das so ist, und wieso sie in der Sache recht haben.

Beda Stadler hat fundiert erklärt, warum „Komplementärmedizin“ Humbug ist: Wenn eine komplementärmedizinische Methode funktioniert, also wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist, dann geht sie in die Schulmedizin über. Kein Skeptiker hat ein Problem damit, wenn aus Pflanzen heilkräftige Stoffe gewonnen und diese medizinisch eingesetzt werden. Im Bereich der „Komplementärmedizin“ bleibt nur, was eben gerade nicht wirksam ist und deshalb nicht in die Schulmedizinische Lehre und Praxis übernommen wird. Als Beispiel soll uns die Homöophatie dienen. Auch wenn das viele nicht gerne hören, aber Homöophatie ist nichts als Voodoo, nichts als magisches Denken. Einerseits ist die Auswahl der „Wirkstoffe“ schon absurd: Der Stoff (häufig ein Gift), welcher ein ähnliches Symptom wie dasjenige des Patienten hervorruft, soll eingesetzt werden, um das Symptom zu bekämpfen. Und zwar völlig blind für die Tatsache, dass gleiche Symptome (man denke an Fieber) eben extrem unterschiedliche Ursachen haben können. Der Ansatz ist also schon recht absurd, aber der Hammer kommt ja erst noch: Da die Stoffe, welche Krankheitssymptome hervorrufen können, ja in wirksamen Mengen für die Patienten gefährlich wären, werden sie verdünnt. Und zwar jenseits des Vorstellbaren verdünnt. Die Homöophaten nennen es „Potenzieren“, weil sie ihre alchemistischen Trinkturen dabei rituell herumschwenken und schütteln, und weil sie glauben, das Zeug werde wirksamer, je mehr sie es verdünnen. Was natürlich Humbug ist. Die Präparate werden dermassen verdünnt, dass in den meisten Fällen die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur noch ein einziges Molekül des „Wirkstoffes“ (der sowieso nicht wirken würde, siehe oben) in dem Endprodukt vorhanden ist, gleich null ist. Richtig: Null. Wenn irgendwo in der Schweiz eine einzige Tollkirsche in einen Bach fällt, enthält unser ganzes Wasser eine höhere Belladonnakonzentration, als die meisten Homöophatischen angeblichen Belladonnapräparate. Deswegen glauben die Homöophaten ja auch, der „Wirkstoff“ hinterlasse durch das rituelle Schütteln einen spirituellen Abdruck in der Lösung, in welcher sie ihn verdünnen. Eigenartigerweise hinterlassen die ganzen Fäkalien, welche in Kläranlagen aus unserem Wasser herausgefiltert wird, offenbar keinen spirituellen Abdruck. Was natürlich Humbug ist. Voodoo. Magie. Wer homöophatische Produkte kauft, kauft Zucker und Wasser. Das wäre nicht so schlimm, wenn nicht der Produzent einen verdammt unfair hohen Preis für seine Zuckerkügelchen und seine Wasserfläschchen abkassieren würde. Und das, wenn man den Befürwortern des Verfassungsartikeln folgen würde, künftig auch noch die Krankenkassen berappen sollten! Wer mir das jetzt alles nicht einfach so glauben will, der soll sich doch den Wikipediaartikel über Homöophatie zu Gemüte führen, oder, etwas weniger trocken, sich das ganze von James Randi über Goggle-Video erklären lassen. Beda Stadler ist also ein Gegner der Homöophatie und anderer sogenannt „Komplementärmedizinischer“ Methoden, weil er sie für Voodoo und Magie hält.

Warum ist nun Christian Waber gegen die Komplementärmedizin? Viele der Methoden scheinen ihm unheimlich zu sein. In der erwähnten Arena-Sendung hat er angedeutet, der Anwender von Komplementärmedizin könnte seine Seele ausversehen dunklen Mächten verscherbeln. Er glaubt, so könnte man sich von Dämonen und Teufeln abhängig machen. Auch er ist der Meinung, vielen Methoden der Komplementärmedizin hafte etwas magisches, etwas übernatürliches an. Als fundamentalistischer Christ verbietet ihm sein Glauben natürlich den Umgang mit Magie, welche in nichtchristlicher Weise praktiziert wird. So geht es ja schon aus der Bibel hervor: Wenn Jesus durch Handauflegen Kranke mit der Kraft Jehovas heilt oder Besessenen Dämonen austreibt, dann ist das gut, weisse Magie sozusagen. Hexen und Zauberer hingegen, sollen nicht am Leben gelassen werden.

Was ist nun der Unterschied zwischen Christian Waber und Beda Stadler, wenn sie doch beide der Meinung sind, viele Komplementärmedizinische Methoden seien nichts als Magie und Hokuspokus? Nun, im Gegensatz zu Christian Waber glaubt Beda Stadler nicht an Magie. Und das sollte eigentlich auch sonst kein vernünftiger Mensch tun.

Darum: NEIN zur Verankerung der "Komplementärmedizin" in der Verfassung- obwohl Christian Waber auch dagegen ist.

Commentaires
Login
QuAntAs
QuAntAs 29.04.2009 à 00:07
Sehr gut geschriebener Kommentar!!
gruss
Gwendolan
Gwendolan 27.04.2009 à 11:20
Hier überigens ein mutiger Artikel des "Magazin" zur Thematik. Trifft in vielen Punkten sehr eloquent den Nagel auf den Kopf. Die Nadel in den Meridian, sozusagen - oder auch daneben.

http://dasmagazin.ch/index.php/die-wahrheit-uber-homoopathie-unverdunnt/
Gwendolan
Gwendolan 26.04.2009 à 21:08
Eben, ich denke das wichtige ist, das differenziert wird. Es entwertet Dinge wie Akupunktur oder Kräuterheilkunde, die offenbar zu funktionieren scheinen, wenn sie mit völlig unseriösen Methoden wie Handauflegen, Bioresonanz, Gesundbeten oder Homöophatie unter dem Namen "Komplementärmedizin" in einen Topf geworfen werden. Ein Grund mehr für ein klares Nein.

In der Verfassung hat das ganze sowieso nichts verloren, aber dass mir als Juristen darob die Haare zu Berg stehen, dürfte ja klar sein.
Oli_4D
Oli_4D 26.04.2009 à 20:34
Das mit der Verfassung finde ich in der Tat ebenfalls zu extrem. Das wäre echt nicht nötig.

Zum Placebo Effekt: Ich will echt nicht so tun als wüsste ich da gross Bescheid, aber ich empfinde es so als wäre der Placebo Effekt viel zu wenig erforscht. Es ist noch immer ziemlich unklar, was denn genau im Hirn und im Körper abgeht, wenn ein Patient ein Placebo kriegt.
Warum etwas wirkt, was eigentlich nicht wirken KANN, ist noch nicht klar.
Da muss erst mal mehr Licht ins Dunkel.

Gwendolan, du schreibst vielen Leuten gehe es um das Schamanenhafte, den Zauber, etc.
Das glaube ich eigentlich weniger. Leute die sowas suchen, gibts sicher, aber ich glaube eher das vielen Leuten unsere heutige Schulmedizin einfach etwas zu steril, zu unmenschlich und zu kalt rüber kommt.
Oft nimmt sich ein Homöophat einfach mehr Zeit für ein Gespräch, fühlt sich eher in den Patienten ein... und der Patient fühlt sich automatisch wohler... nicht nur wie eine Nummer.
Allein das kann "Wunder" wirken.
Vielen Leuten ist auch unsere Pharmaindustrie mittlerweile Suspekt geworden. In den letzen Jahren wurde immer deutlicher das diese Grosskonzerne in erster Linie einfach viel Geld verdienen wollen und manchmal Medikamente vorschnell auf den Markt werfen.
Ich glaube das ist vielen Menschen unheimlich und dann greift man lieber auch was pflanzliches. Nach dem Motto "Nützts nüt, so schads nüt".

Zur TCM: Ich meine natürlich die bei uns verbreitete. Also in erster Linie Akkupunktur und diese Kräuterheilkunde, von der ich den richtigen Namen grad nicht weis
Ich kann nur so viel sagen: Ich lit jahrelang unter starkem Asthma, und kein klassischer Schulmediziner konnte mir helfen. Alle Medikamte nützen absolut nichts, manche verschlimmerten es gar, und mir wurde schlussendlich gesagt, ich müsse wohl damit leben.
Muss ich allerdings nicht, denn mit Akkupunktur konnte es schliesslich zu erst gelindert, und dann ganz zum verschwinden gebracht werden.
(Die Ärztin war übrigens auch eine Dr. med, aber halt zusätzlich mit TCM Ausbildung. Jemand ohne Scheuklappen halt.)
Ich hab keine Ahnung WARUM es gewirkt hat. Aber ich bin verdammt froh, DASS es gewirkt hat.
Gwendolan
Gwendolan 26.04.2009 à 20:11
Bezüglich der Wirkung: Ja, wenn Homöophatie wirkt, dann ist es reiner Placebo-Effekt. Deswegen versagt Homöophatie in Doppelblindstudien ja auch jedes mal.

Bezüglich TCM: Welches 2000 Jahre alte Wissen aus der TCM meinst du? Zum Beispiel, dass in Schlangenblut eingelegte zermalene Tigerpenise die Potenz steigern? Das bis in die Neuzeit hinein in Europa weit verbreitete Schröpfen basierte auch auf "altem Wissen".

Bezüglich Akupunktur: Mir geht es nicht darum, das bis ins letzte Detail klar sein muss, warum etwas wirkt. Wenn es Schmerzen lindert, sich Nadeln in den Körper stecken zu lassen - go for it. Ich habe aber grosse Mühe, wenn Vertreter dieses Genres von irgendwelchen Energieflüssen ("Chi" und Konsorten) im Körper sprechen, weil es diese nun mal nicht gibt. Und ich habe Mühe damit, wenn es ihnen an richtigen anatomischen und medizinischen Kenntnissen mangelt und sie ihre Patienten durch falsch plazierte oder schlecht desinfizierte Nadeln gefährden. Wenn ein Schulmediziner statt der Wahrheit irgend eine märchenhafte Metapher über Wirkungsweisen und Risiken eines Medikaments erzählen würde, dann könnte und müsste man ihm das juristisch zum Vorwurf machen. Wieso gilt das nicht auch für esoterische Heilpraktiker?

Wenn etwas wirkt, dann kann man es mit der Schulmedizin vereinigen. Wenn nicht, dann nicht. Das grosse Problem ist aber offenbar, dass es vielen Leuten überhaupt nicht um wirksame Medizin geht. Vielmehr geht es ihnen um den Reiz des Zauberhaften, um den Schamanen, den erdverbundenen Medizinmann, der ihnen die bösen Geister austreibt. Eventuell hätten Schulmediziner einen leichteren Stand, wenn sie sich für ihre Praxiseinrichtung und für künftig am Fantasy-Genre orientieren würden.
Oli_4D
Oli_4D 26.04.2009 à 19:47
Das mag ja alles stimme, aber was isch mitem Lieblingssatz vo dä Befürworter: "Wer heilt, hat recht!"
Es isch ä Tatsach das viel Lüüt uf homöopathischi Mittel aspreched. Blos en Placebo Effekt?
Viilicht, aber falls es würkt, isch das für dä Patient nöd entscheidend. Entscheidend isch nur dass er sich besser fühlt.

Und was isch z.B. mit traditioneller chinesischer Medizin?
Homöophatie als "Vodoo" z'entlarfe isch ja eis, aber was isch mit Methode wos sit 2000 Jahr git und wo ebefalls würket?
Warum z.B. Akkupunktur würkt, isch no alles andere als klar. Aber fescht staht, es erzielt bi viele Patiente ä würkig.
Isch das au eifach "Vodoo"?