Derniers visiteurs de Gwendolan
Les amis de Gwendolan
Destinations
Gwendolan a marqué 75 villes dans 12 pays

Gwendolan (26)

Gwendolan

Visiteurs

24331 visiteurs depuis 04.11.2004

Etudes

Rechtswissenschaften
Universität Zürich

Vie amoureuse

Je ne le dévoile pas

Die Befürworter der Komplementärmedizin beim Wort nehmen

17.05.2009 à 14:10

Unsere Demokratie stösst einmal mehr an ihre Grenzen. In seinem neusten Streich hat der Souverän mit 67% Aufklärung und Moderne den Bach runter geschickt.

Um dem neuen Verfassungsartikel eine bessere Wirkung zu verschaffen schlage ich allerdings eine komplementärjuristische Implementierung vor: Die Druckerschwärze für die Buchstaben dieses Artikels würde nach homöopathischen Grundsätzen "potenziert" bzw. "dynamisiert" (bzw. x-milliardenfach verdünnt). Das bewirkt dann ein nach homöopathischer Lehre ein klareres Schriftbild und eine bessere Wirkung in der Rechtswirklichkeit, während der Artikel sich nach naturwissenschaftlicher Logik in nichts auflösen würde. Alle wären zufrieden.

Die Befürworter haben im Abstimmungskampf betont, dass nur komplementärmedizinische Methoden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen sei, "berücksichtigt" werden sollten. Darauf sind sie nun zu behaften. Das Bundesgericht mag in seinem viel zitierten Entscheid (BGE 123 V 65) gesagt haben, dass es nicht allein auf den naturwissenschaftlichen Nachweis des Wirkungsmechanismus‘ ankommen solle. Es hat im selben Entscheid aber auch betont, dass der Nachweis der Wirksamkeit "mit anderen wissenschaftlichen Methoden (z.B. Statistik)" zu erbringen sei. "Statistik" muss in diesem Fall ganz klar „nach wissenschaftlicher Methodik korrekte Statistik“ bedeuten. Diese Eigenschaft kann im Bereich der Evaluation therapeutischer Wirksamkeit bei nicht plausibel erklärtem Wirkungsmechanismus nur Placebo-Effekte ausmerzenden Doppelblindstudien zukommen. Wenn es sich nicht nur um eine Abstimmungskampflüge handelte, das Kriterium der Wirksamkeit solle weiter fortbestehen, dann müssen wir auch jetzt nicht befürchten, dass Homöopathie, Uriellas Badewasser oder antroposophische Medizinalesoterik gefördert werden - diese Dinge sind nämlich nicht wirksam sondern im Gegenteil wissenschaftlich widerlegbar.

Wird das Kriterium der Wirksamkeit hingegen dermassen ausgeweitet, dass solche Scharlatanerie Eingang in den Grundversicherungskatalog findet, dann hätte ich in Zukunft ernsthaft Mühe, die Bezahlung meiner Krankenkassenprämien mit meiner Glaubens- und Gewissensfreiheit zu versöhnen.

Commentaires
Login