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NEIN zur Minarettverbotsinitiative - Ja zu den Grundwerten unserer Gesellschaft

NEIN zur Minarettverbotsinitiative - Ja zu den Grundwerten unserer Gesellschaft

29.10.2009 à 01:16

Was übermässige Sympathien für den Islam oder Gotteshäuser im allgemeinen betrifft, schätze ich mich als ziemlich unverdächtigen Zeitgenossen ein.

Aber:

Die Initiative ist offensichtlich ein inszeniertes Schattenboxen rechtschristlicher und nationalistischer Kreise, um sich bei ihren gläubigen Wählern als heilige Krieger im Kampf um die "national-christlichen Werte" und gegen den "teuflischen, ausländischen Islam" inszenieren zu können.

Baurechtliche Vorschriften haben in der Verfassung nichts verloren. Ausserdem sind baurechtliche Vorschriften diskriminierungsfrei und willkürfrei auszugestalten und haben auf Grundrechte, wie zum Beispiel die Religionsfreiheit und das Rechtsgleichheitsgebot, Rücksicht zu nehmen.

Das einzige Argument der Befürworter ist, dass man das Minaret verbieten KANN. Der Grund, dass wir so ein Verbot in die Verfassung schreiben könnten, liegt nicht darin, dass dadurch die Religionsfreiheit, das Willkürverbot, das Rechtsgleichheitsgebot und das Diskriminierungsverbot nicht verletzt werden - das werden sie ganz klar. Der Grund liegt allein darin, dass diese Grundrechte und rechtsstaatlichen Grundsätze eben auch "nur" in der Verfassung stehen.

Bis auf den ganz kleinen Kern zwingenden Völkerrechts sind wir frei in die Verfassung zu schreiben, was immer wir lustig sind.

Der Geist unserer Verfassung, der Gedanke eines modernen, liberalen Rechtsstaates, würde durch das Verbot verfälscht. Und das sollten wir - erst recht im Hinblick auf eine mögliche, zukünftige, demographische Partikularisierung - vermeiden.

Ein Argument, warum man die Türmchen muslimischer Sakralbauten in diskriminierender Weise verbieten SOLL, habe ich bis heute nicht gehört.

Jeder von uns gehört in irgendeiner Beziehung einer Minderheit an. Die Frage, die sich Zweifler und Ja-Stimmer stellen müssen, ist die folgende: Will ich in einer Gesellschaft leben, in welcher die Mehrheiten die Minderheiten einfach völlig willkürlich diskriminieren, nur weil sie es können?

Die Initiative ist klar abzulehnen.

Commentaires
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Gwendolan
Gwendolan 16.11.2009 à 13:55
Das (aufgeklärte) Christentum mag gegenüber dem (unaufgeklärten) Islam das kleinere Übel sein - aber eine Verfassung, die religiös motivierte Diskriminierungen enthält ist ganz gewiss ein grosses Übel.

Der nächste Streich in dieser Hinsicht befindet sich überigens bereits in Planung: Die EVP möchte das Christentum als Leitkultur in der Bundesverfassung verankern!

( http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Folgt-schon-bald-die-naechste-eidgenoessische-Abstimmung-zum-Islam/story/17868559 )

Das bläst ins genau gleiche Horn.

Jeder von uns ist in der einen oder anderen Hinsicht in einer Minderheit. Deshalb sollten wir achtgeben, in einer Gesellschaft zu leben, in welcher die Mehrheiten die Minderheiten nicht unterdrücken, sondern schützen.
Gwendolan
Gwendolan 16.11.2009 à 03:38
Wenn du meine staatsrechtlichen Bedenken wirklich verstehen würdest, dann würdest du Nein stimmen.

Ich finde der Sachverhalt wurde in der NZZaS vom 11.10.09 ziemlich treffend erfasst:

"Seit der Wahl von Caligulas Pferd «Incitatus» in den Senat von Rom wurde keine dümmere politische Initiative gestartet als das Minarett-Verbot."
Gwendolan
Gwendolan 15.11.2009 à 21:19
Mitbestimmungsrecht bringt Mitverantwortung mit sich. Nimm deine Verantwortung wahr und sag Nein zum nutzlosen, diskriminierenden Türmchenverbot.
Guapa
Guapa 10.11.2009 à 01:23
Danke Dir für den Blog, besser kann man es nicht schreiben. Ich gehöre der Minderheit an, die die Initiative klar ABLEHNT.

Ich bin der Meinung, wenn man schon gegen was ist, was einem fremd ist, sollte man seine Meinung auf Gründe bauen die Sinn machen und nicht aufgrund irgendwelche Vorurteile.
mib81
mib81 04.11.2009 à 14:52
AchdieseMinarette. Mittlerweile ists mir sowas von schnuppe, ob die gebaut werden oder nicht. Meinetwegen könnte man auch sämtliche Religionen und Religionsbauten verbieten. Dennoch, rein vom landschaftlich-kulturellen-Skyline Ästhetikbewusstsein her: Kirchtürme gibts hier schon seit Urzeiten, gehören zum Landschaftsbild, zur Kultur, egal, ob man nun gläubig ist oder nicht. Und da passen Minarette für mich nur bedingt rein. Ein Alphorn gehört ja auch nicht in die Wüste.
vonguchr
vonguchr 31.10.2009 à 16:56
Schon ein bisschen ein verdrehtes und gespässiges Argument, dass der Islam dort bleiben soll, wo er seine Wurzeln hat. Bedenkt man hierbei, dass der Islam, das Judentum und das Christentum die gleichen Wurzeln hat!
Die Initiative ist eine reines Signal zur Verweigerung des interkulturellen Dialog! Ich bin durchaus für eine kritische Debatte rund um die Religionen in der Schweiz, aber nicht auf diese Art und Weise wie diese Stimmungsmacherei-Kampangnie rund um SVP und Sympathisanten! Die aufklärerische Arbeit muss verstärkt werden. In gewissen Gemeinden wird dies schon mit grossen Erfolg gemacht, jedoch leider noch zu wenig!! Es muss unbedingt mehr Transparenz in die Gotteshäuser (Kirchen und Moscheen). In der Schweiz haben wir kein Problem mit dem Islam, aber verbessern kann man eine Beziehung immer und dies sollten wir auch anstreben im gegenseitigen Interesse beider Kulturen!
elmarteau
elmarteau 31.10.2009 à 11:57
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Ishanil
Ishanil 30.10.2009 à 17:22
Da kann ich mich ulumulu nur anschliessen! Vielen Dank für einen Blog, der endlich mal wieder der Stimme der Vernunft Gehör verschafft!
ulumulu
ulumulu 30.10.2009 à 17:12
endlich mal jemand, der noch bei verstand ist. danke für den blog.
Gwendolan
Gwendolan 30.10.2009 à 10:06
Auch wenn es in der Initiative nicht um den Islam sondern nur um ein paar Türmchen geht: Verstehe ich das richtig, dass für dich alle Schweizer - ja gar alle Bewohner der Schweiz - Christen zu sein haben? Ich weiss ja nicht, in welchem Jahrhundert du lebst, aber die Scheiterhaufen sind schon längere Zeit erloschen... Überigens: Ich bezweifle stark dass wir je vom Christentum gehört hätten, wenn es dort geblieben wäre, wo es seine Wurzeln hat. Lol.
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