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Rechtswissenschaften
Universität Zürich

Vie amoureuse

Je ne le dévoile pas

Minarette, die Menschenrechte und die Demokratie: Ein Epilog

04.12.2009 à 02:29

Ist denn nun die Religionsfreiheit verletzt oder nicht? Die Diskussion darüber, ob denn nun eventuell die Religionsfreiheit gar nicht verletzt sei, weil ja die Türme für die Ausübung des Glaubens gar nicht nötig sind, ist obsolet. Es wäre nichts gegen eine Verfassungsbestimmung einzuwenden gewesen, welche ALLE religiösen Türme verboten hätte. Es wird hier aber eine Unterscheidung bezüglich der Bewilligung des Baus von Türmen getroffen allein ahnand der Religion, welcher das damit verbundene Gebäude zugerechnet wird und welcher der Gesuchsteller angehört. Die Türme aber nur einer Religion zu verbieten, ist diskriminierend. Zentral ist also nicht die Religionsfreiheit, sondern das Diskriminierungsverbot. Damit sind Art. 14 i.V.m. Art. 9 EMRK verletzt.

Leider wurden im Vorfeld der Abstimmung viele Debatten über den Islam, die Scharia, Frauenrechte und was weiss ich noch alles geführt. Von den Initiativgegnern wurde völlig falsch argumentiert – sie hätten sich nie auf die den Islam, seine Rolle und die islamischen Staaten wertende Schlammschlacht einlassen dürfen. Diese konnten sie ja nur verlieren! Sie hätten den juristischen Unsinn nicht unwidersprochen lassen dürfen, welchen die Initianten verbreiteten. Sie hätten die gezogenen (völlig falschen) Analogien zum Kruzifixentscheid des EGMR scharf widerlegen sollen. Sie hätten den Initianten nicht die Aufmerksamkeit und den Trotz ermöglichen sollen durch die Forderung, deren Plakate seien zu verbieten.

Ich bin nun ganz sicher kein Freund des Islams. Oder irgend einer Religion. Aber darum ging es bei dieser Abstimmung überhaupt nicht. Hier ging es aber einzig und allein darum, ob der Satz „Der Bau von Minaretten ist verboten“ in unsere Verfassung aufgenommen werden sollte. Also um eine Bauvorschrift, und zwar um eine diskriminierende und damit menschenrechtswidrige Bauvorschrift.

Als solche war sie abzulehnen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

… Ausser dies:Die Frage, inwiefern in einer liberalen Demokratie die Mehrheit Minderheitenrechte einschränken darf, wurde nie kritisch gestellt. Die Frage nach allfälligen materiellen Grenzen der Verfassungsrevision nicht angesprochen. Leider blieb auch das primitive Demokratieverständnis der Initianten „Demorkatie heisst: Die Mehrheit bestimmt“ unbestritten. Dass demokratische Legitimation zwar vielleicht eine notwendige, aber nie eine hinreichende Begründung für eine Norm sein kann, wurde überhaupt nicht diskutiert.

Es ist depremierend in einer Gesellschaft zu leben, in welcher 99.9 Prozent der Entscheidtäger inklusive der "Classe Politique" die wirklich zentralen Fragen im Zusammenhang mit einer solchen Abstimmung zu schwierig sind, um sie auch nur zu bemerken geschweige denn sie im Diskurs zu erörtern und dann rational abwägend zu entscheiden.

„Im Namen Gottes des Allmächtigen [...] der Bau von Minaretten ist verboten“: Es sind wirklich traurige Tage für unsere Verfassung.

Commentaires
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studifudi2
studifudi2 16.12.2009 à 21:15
Jetzt ist es zu spät! Die Schweizerinnen haben schon genug Angst. Menschenrechte? Hab ich doch mal in der Primarschule gehört.
Die SVP regiert. Ist die agilste, tüchtigste, stärkste Partei. Ein Volk von einig Brüdern, seit es die BDP gibt und die GaySVP ihr Süneli aus dem Internet gelöscht haben. Freiheit der Schweizerinnen über Alles. Muhezin noch nie gehört (live). Widersprüche gibts nicht mehr. Ausländer stören, fremdartige Türme sowieso. Das Jüngste Gericht ist nah. Und dann regiert wieder Gott und Jesus. Die die nicht glauben, müssen sich bekehren (lassen) oder "verschwinden".

Gute alte abendländische Kultur, mit deinen Werten! Nicht die fränzösischen: liberté - égalité - fraternité (auf die man in Frankreich sowieso pfeift), sondern die christlichen: ora et labora, mind. 8 Stunden am Tag/ 5 Tage die Woche.

Sündige - Beichte - Fahr in den Himmel

Donna nobis pacem, Dohonaa no o bis pa a a cem!

Sorry wegen meinem Spontano-Schreibstil...
Wiedersprüche werden gerne entgegengenommen und verarbeitet, wieder wiedersprochen oder so.

Übrigens wird das System, diese PseudoDemokratie, andauernd verändert auf Kosten von Bewohnern dieses Landes. Und dies vor Allem von der oben genannten Partei. Jaja. Und die anderen Parteien rutschen mit, weil sie nicht können oder wollen. Bin übrigens Ausländer! 8)
R-Schacher
R-Schacher 16.12.2009 à 10:42
Ich Frage mich einfach langsam ob wir Schweizer noch Schweizer sein dürfen oder nicht.
Es geht doch in all diesen Diskusionen nur darum ob wir schweizer uns eine eingene langjährige (christliche) Kultur noch erhalten wollen oder nicht.
Ich habe werde etwas gegen Moslem, Hindus noch gegen die Zeugen Jehowas oder die Mormonen. Sie sollen einfach unsere Kultur hier in Europa wo es christlich ist akzeptieren.
Denn sonst geht es weiter mit dem was ja bereits im Raum Zürich an den öffentlichen Schulen gang und gäbe ist. Aufgrund der Glaubensfreiheit werden teilweise keine Weihnachtsfeiern mehr durchgeführt, weill sich all die anderen Religionen dadurch gestört sehen. Wenn wir so weitermachen, dass werden wir früher oder Später keine Fasnacht mehr feiern dürfen und Ostern sowiso nicht. Irgendwann dann dürfen wir in der Öffentlcihkeit auch keine Weihnachtsbäume mehr aufstellen weil sich die anderen Religionen daran stören.
Das ist schlussendlcih die Zentrale Frage. Wollen wir uns unsere Chrsitliche Kultur erhalten oder sie verdrängen lassen.
(Ich habe bewusst die möglichkeit der Christen in anderen Gebieten nicht besprochen.)
Gwendolan
Gwendolan 13.12.2009 à 11:16
Daniel Binswanger bringt den unerfreulichen Verlauf des "Aftermath" auf den Punkt:
http://dasmagazin.ch/index.php/daniel-binswanger-22/
flyme
flyme 12.12.2009 à 15:57
schau, es gibt Fakten, und solche scheinst Du gefliessentlich zu übersehen. Aber das ist hier nicht das Thema, darum nur soviel dazu:

Ein Volk, dass die Demokratie über den Rechststaat stellt, wird beides verlieren. Denn es ist der Rechtsstaat und seine Verfassung, welche die Demokratie erst ermöglichen.
flyme
flyme 12.12.2009 à 09:35
@Gwendolan: sehr guter Beitrag.

@Unsichtbarde:
"Also, irgendwie hast du Sinn und Zweck der Volksinitiative nicht verstanden. Sie ist dazu da, dass das Volk sich mit seinem Entscheid über die Politiker und Richter setzen kann. Deshalb braucht sie auch das Stimmen- und Ständemehr und greift eben direkt in die Verfassung.

Aus diesem Grund kann es auch mit dem EMRK nicht ausgehebelt werden. Die Verfassung steht über diesem Gesetz. Die Gründerväter der Schweiz haben scih das schon schlau ausgedacht. Damit dieses Volksrecht erhalten bleibt, haben sie dem Wehrmann auch noch die persönliche Waffe gegeben.
Dieses Volksrecht steht über allem. Das ist mir jedenfalls heiliger als jede Religion und ganz sicher hat es mehr Wert als die Befindlichkeit von Einwanderern.

Aber diese Abstimmung ist ein Lehrstück, für alle diejenigen, die sich eben über den Souverän stellen wollen."

Das Du's mit der Wahrheit nicht so genau nimmst wissen wir ja. Die Volksinitiative ist kein Werk der Gründerväter, sondern kam erst 33 Jahre später in die Verfassung (um die Katholiken ruhig zu stellen). Die persönliche Waffe gab es auch erst 26 Jahre nach der Gründung, und Munition dazu gar erst 1952.

Und als kleiner Einstieg ins Thema, damit Du Dich mit dem hier angesprochenen Thema auseinandersetzen kannst: http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsstaat

P.S: "Sie ist dazu da, dass das Volk sich mit seinem Entscheid über die Politiker und Richter setzen kann."
Danke für die Rechtfertigung jeglicher Lynchmorde (ja, auch ein Mob ist "das Volk")
Gwendolan
Gwendolan 08.12.2009 à 22:47
@Sperling: Vor allem, wenn sie im Gegensatz zu Minaretten so super ins Landschaftsbild passen wie diese Prachtbaute abendländischer Kultur in meinem Quartier: http://www.saatlen.ch/070624%20Kirche%2005.JPG
Gwendolan
Gwendolan 07.12.2009 à 18:56
>> Die Gefahr, dass sich ein ganzes Volk täuscht, ist wesentlich kleiner, als dass sich eine Elite irrt.

>Alles deutet auf das Gegenteil hin. Wirklich, alles.

Allerdings!
studifudi2
studifudi2 06.12.2009 à 13:44
Sehr schön verfasster Blog. Habe nichts einzuwänden!

Interessant die Statistik des bfs:

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/17/03/blank/key/2009/05.html

Etwas beruhigend dann doch dass die Städte Zürich, Lausanne, Bern, Basel und Genf mehrheitlich Nein sagten zum Minaretverbot.

Unglaublich deprimierend auch die Resultate zu den Kriegsmaterialexporten... Wie um himmelswillen kann man hier dagegen sein??? In Uri etc. muss es wohl richtige Kriegsfanatiker geben, da ist wohl die Hälfte noch in der Fremdenlegion oder bei der Garde vom Papst. HAHAHA

Zusammenhänge drängen sich auf, sehr zu empfehlen Volker Pispers:

http://www.youtube.com/watch?v=n4H_E8b-qmo&feature=related

-> 5-teilig und bitte etwas Geduld, denn die Zusammenhänge zur Minarettinitiave kommen schon.
Janamaria
Janamaria 06.12.2009 à 13:05
wow, super text! da hab ich rein gar nichts zu ergänzen
Gwendolan
Gwendolan 05.12.2009 à 13:14
Unsichtbarde: Ich glaube du hast die Frage immer noch nicht beantwortet, wie dass in deinem System der Demokratie mit absoluter Macht der Mehrheit, eine Entwicklung verhindert wird wie ich hier (http://www.students.ch/community/blog/post/31979/Die-Mehrheit-hat-entschieden) beschrieben habe.
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