Die Pascalsche Wette
12.01.2008 à 22:30
Die Wette
Eines der dümmsten „Argumente“ welches einem gläubige Menschen ab und zu an den Kopf werfen ist die
Pascalsche Wette. Es gibt verschiedene Variationen davon, aber im Kern geht sie etwa so:
„1. Wenn es Gott nicht gibt und du hast daran geglaubt, hast du nichts verloren.
2. Wenn es Gott gibt, und du glaubst daran, kommst du in den Himmel.
3. Wenn es Gott gibt, und du glaubst nicht daran, kommst du in die Hölle.
Ergo kannst du also nur gewinnen, wenn du an Gott glaubst, aber sehr viel verlieren, wenn nicht! Es wäre also dumm, nicht an ihn zu glauben!“
Du findest, das tönt einleuchtend? Du würdest einem Nachwuchsmissionar, der dich mit diesem „Argument“ konfrontiert tatsächlich „hm, ja, das hat was… Ich werde drüber nachdenken.“ antworten?
Keine Angst, spätestens nach dem lesen dieses Blogposts (hoffentlich natürlich schon zuvor) kann dir das nicht mehr passieren. Ich erhebe keinen Anspruch auf vollständige Abhandlung aller unlogischen und falschen Elemente der Pascalschen Wette, aber werde die für mich offensichtlichsten aufzuzeigen versuchen.
Welcher Gott?
Zuerst einmal reduziert Pascal die Möglichkeiten auf zwei: Entweder gibt es einen Gott, oder es gibt keinen. Das Problem ist aber, dass nicht nur ein Gott denkbar ist, im Gegenteil. Die Menschheit hat sich schon hunderttausende von Göttern ausgedacht. Und es sind noch hunderttausende weitere denkbar. Und wenn eine dieser Gottesvorstellungen wahr wäre, der Gott, vor welchem der Tor der auf Pascals Wette hereinfällt sich zu verantworten hat aber nicht Jehova ist, aber genauso eifersüchtig, na dann adieu Himmelreich. Alle Menschen sind Atheisten bezüglich der meisten Götter, an welche die Menschheit je geglaubt hat. Die Menschen, die man als Atheisten bezeichnet, gehen nur einen einzigen Gott weiter. Pascal reduziert die unendliche Anzahl denkbarer Göttern auf einen einzigen. Damit vereinfacht er das Problem in unzulässiger Weise auf eine „entweder-oder-Situation“, wo eine solche gar nicht gegeben ist. Prämissen zwei und drei sind damit falsch.
Nichts zu verlieren?
Ausserdem reicht es einem Gott natürlich nicht, dass man nur an ihn glaubt. Er erwartet auch, dass man ihn lobpreist, ihm Opfer bringt, heilige Kriege führt und so weiter und so fort. Man kann sehr viel dadurch verlieren, dass man an Gott glaubt. Sein richtiges, einziges Leben nämlich. Jede Sekunde die ein Mensch mit der Anbetung eines nichtexistenten Superpapis verbringt ist eine weggeworfene Sekunde. Jedes religiöse Gebot schränkt den Menschen unnötig ein. Mal abgesehen davon, dass gläubige Menschen mit ihren Ideologien eine Bedrohung für die ganze Menschheit sind.
Sich dafür entscheiden zu glauben?
Desweiteren ist es ja auch nicht so, dass Menschen sich dazu entscheiden würden, etwas zu glauben. Was ich „glaube“ und was nicht hat nichts mit einer Entscheidung zu tun, sondern damit, wie mein Verstand meine Umwelt interpretiert. Es ist gar nicht möglich, sich zu entscheiden, an etwas zu glauben. Pascal kann also nur gemeint haben, man solle vorgeben an Gott zu glauben, man solle so tun als ob. Aber Moment, einen allwissenden Gott belügen? Ist das nicht ein klitzekleines Problem?
Fazit
Pascals Wette ist – wie jedes theistische „Argument“ – einfach nur dumme Bauernfängerei. Und diese Tatsache muss man den Möchtegernmissionaren auch nicht vorenthalten. ;-)