Warum ich Atheist bin
13.01.2008 à 16:16
Manche Menschen versuchen die Welt mit Gott zu erklären. Aber abgesehen davon, dass sie sich dabei immer in Widersprüche verwickeln und kläglich scheitern, braucht es ganz einfach keine übernatürlichen Mächte zur Erklärung unseres Universums. Oder um es mit den Worten des Astronomen Pierre-Simon de Laplaces auf Napoleon Bonapartes Frage, wo denn Gott in seinen astronomischen Berechnungen stecke, auszudrücken: „Diese Hypothese benötige ich nicht!“
Das naturwissenschaftliche Weltbild
Die Naturwissenschaften können die Natur nicht nur auch ohne Gott erklären; sie können sie sogar viel besser ohne einen himmlischen Dirigenten erklären, der mit seinen ganzen Zusatzproblemen nur stören würde. Die Einführung der Gotteshypothese würde unsere Welt unlogisch machen. Nachdem mal alles angefangen hatte (darauf werde ich im nächsten Abschnitt zu sprechen kommen) nahm die Natur ihren Lauf. Sterne bildeten sich und vergingen wieder, leichte Elemente wurden zu schwereren. Aus dem Sternenstaub vergangener Sterne formten sich neue Sternengenerationen. Aus den sie umgebenden Staubscheiben formten sich manchmal Planeten. Jahrmilliarden dauerten diese Prozesse. Immer komplexere Moleküle konnten entanden, bis eines Tages die simpelste Form eines replizierenden Moleküls den Ozeanen der jungen Erde entsprang. Es kopierte sich immerfort, manchmal passierten Fehler. Je mehr Replikate solche Moleküle produzieren konnten, desto weiter verbreiteten sie sich. Und die Evolution des irdischen Lebens nahm ihren Lauf. Naturwissenschaftliche Erklärungen können sich mit fortschreitender Erkenntnis (im Gegensatz zu religiösen Dogmen) verbessern. Es kann sein, dass wir uns in einigen Punkten irren. Aber im grossen und ganzen sollte das etwa hinkommen.
Die erste Ursache
Manche mögen einwenden, die Naturwissenschaft könne nie eine Antwort darauf geben, was denn die erste Ursache gewesen sei, was den Ausschlag gegeben habe für vor knapp 14 Milliarden Jahren gestartete kosmische Kausalkette. Tatsächlich ist sich die Naturwissenschaft noch nicht sicher, wie genau das passiert ist. Weshalb es etwas gibt, und nicht vielmehr nichts. Möglicherweise werden der Anfang von Raum, Materie und der Zeit selbst für immer im dunklen Bereich der Spekulation bleiben. Was allerdings jedem einleuchten muss, ist, dass die Einführung eines intelligenten, allmächtigen, allwissenden und damit Unheimlich Komplexen Gebildes, welches das uns bekannte Universum „gestartet“ hat, das Ganze nicht vereinfach sondern extrem verkompliziert. Man kann etwas (verglichen) einfaches wie einen Urknall nicht damit erklären, dass man etwas viel komplizierteres als Auslöser davor setzt. Schon gar nicht wenn unerklärt bleibt, wo dieses komplizierte Etwas denn hergekommen ist. Und wenn es nirgends hergekommen ist, sondern schon immer da war dann ist die Erklärung viel einfacher, dass das Universum nirgends hergekommen ist sondern schon immer da war.
Der Sinn des Lebens
Ein weiterer Einwand gegen ein pur materialistisches Weltbild ist, dass die Naturwissenschaft nur das „wie“, nicht aber das „warum“ erklären könne. Zuerst einmal beansprucht die Naturwissenschaft eigentlich gar nicht, den Sinn des Lebens zu klären (der ja ohnehin bekannt ist und „42“ lautet). Das liegt ganz einfach daran, dass die (meisten) Naturwissenschaftler ehrliche Kerle sind und nicht behaupten etwas erklären zu können, was sie nicht können. Die Religionen behaupten zwar diesen zu kennen, aber behaupten kann nun mal jeder was er will. Wer glaubt der Sinn seines Lebens eher durch antike und vorantike Mythen und Märchen, statt durch selbständiges Denken, Fühlen und Handeln ergründen zu können, dem sei das belassen. Erklären können sie das grosse „Warum“ auch nicht. Ich kann es verstehen, wenn manche Menschen es ein schönes Gefühl fänden, ihr Leben hätte irgendeinen höheren, universellen Sinn. Dieses Gefühl ändert aber nichts an der tatsächlichen Beschaffenheit des Universums – Dieses schuldet uns aber nun mal keinen Trost.
Beweis der Nichtexistenz Gottes?
Man könnte mir auch entgegenhalten (und hat das auch schon getan), es sei trotz den naturwissenschaftlichen Erklärungen denkbar, dass ein Gott dahinter steckt und alles so geschaffen hat, wie wir es vorfinden. Schliesslich könne man nicht beweisen, dass er nicht existiert. Es ist vollkommen richtig, dass man die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen kann. Man kann auch nicht beweisen, dass es keine unsichtbare pinkfarbene Einhorner gibt (Das Bild oben ist eine abstrahierte Darstellung dieser Figur). Man kann die Nichtexistenz von Zeus nicht beweisen. Man kann die Nichtexistenz von Drachen, Feen und des Osterhase nicht beweisen. Es ist tatsächlich so, dass für einen Sachverhalt immer unendlich verschiedene Erklärungen denkbar sind. Allerdings sind nicht alle gleich gut. Mit derselben Argumentation könnte man auch behaupten, wir lebten in der "Matrix". Oder seien vollständig Produkt einer aufwändigen Simulation. Und wenn eine einfache, natürliche Erklärung einen Sachverhalt zufriedenstellend beschreiben kann, dann besteht ganz einfach kein Bedarf eine wahnwitzig komplizierte kosmische unbekannte Variabel in das Weltbild einzuführen.
Wahrlich, es besteht kein Bedarf an solch einer Hypothese.