Verwirrte Profesoren...
21.02.2008 à 17:46
Ich gebe es ja zu: Rechtsphilosophie ist ein Fach, in dem man mit allem rechnen muss. Gut, mit 200 Bologna-Studenten eventuell nicht, aber die haben bloss Nebensächlichen Charakter.
Mehr oder weniger erwartungsgemäss nannte der Professor als "Ursprünge unserer Kultur" die griechische Philosophie, Judentum/Christentum, das römische Reich und das römische Recht sowie (etwas obskur...) eine "Barbarisch/Germanische Vitalkraft".Dass das Christentum einen Einfluss auf unsere Kultur hatte sei an dieser Stelle unbestritten. Eher verwirrt wirkte aber, wie der Professor dies ausführte: Dank der Idee eines Schöpfergottes welcher die Natur als von sich getrennt erschaffen habe sei Naturwissenschaft erlaubt, im Gegensatz zu einem Pantheistischen Weltbild, wo an der "göttlichen" Natur nicht "herumgedoktort" werden dürfe. Dabei war es doch das Christentum, das die Naturwissenschaften Jahrelang unterdrückt hat. Dabei war es doch das Christentum, dass Naturwissenschaftler ob der Resultate ihrer Forschungen als Ketzer verfolgte. Und nach wie vor gibt es im Christentum sehr wissenschaftskritische und Erkenntnisfeindliche Strömungen. Vor allem aber unlogisch erscheint mir, das Christentum im Gegensatz zum Pantheismus als wissenschaftsfreundlich einzustufen. Wenn ein Weltbild Gott für mit der Natur identisch hält, so muss es doch die Erforschung dieser Natur und damit die Erforschung Gottes selbst als geradezu moralische Pflicht hochalten. Die Naturwissenschaft erscheint in einem pantheistischen Licht geradezu als Äquivalent der Theologie.
Hätte eine interessante Diskussion werden können - nur: Der nette alte Professor gab leider nur etwas in der Art eines "jaja, da händ si scho rächt" von sich. Es kann natürlich auch sein, dass er seine Behauptungen nur nicht weiter substantiert hatte, weil er nicht 200 Bolognastudenten warten lassen wollte. Immerhin wollen die ja für die Prüfung alles auswendig lernen, was er zu sagen hat.