Das Christentum – ein Ärgernis
04.03.2008 à 21:12
So lautete zumindest der Titel der Veranstaltung, welche ich heute besucht habe. Ein Ex-Pfarrer und Ex-Religionsgeschichtsprofessor sollte im Rahmen dieser Veranstaltung die Ansicht vertreten, dass das Christentum ein Ärgerniss sei, besonders wenn es in einer starken Form gelebt werde. Bis zu einem gewissen (allerdings enttäuschend niedrigen!) Grad hat er das auch getan, aber eigentlich nur, um seine selbstgebastelte Vorstellung von Christentum zu propagieren. Diese Version des Christentums beruht in erster Linie auf subjektiver Erfahrung, auf dem „sich einlassen“, auf dem Zusammenpflücken von Bestandteilen aus anderen Religionen und Kulturen, und - gemäss eigener Aussage – einer Priese Wahnsinn (Wie war das nochmal mit der Selbsterkenntnis...?). Die Bibel habe Christen zu begleiten, habe aber nicht die Grundlage für ihren Glauben zu sein. Schön und gut. Subjektives Erleben kann man schlecht kritisieren. Das subjektive Erleben des Glaubens wird von Christen aber erst dermassen betont, seid sie die objektiven Behauptungen über die Welt ganz einfach nicht mehr halten können, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Wenn sie die Basis oder Deutung ihres subjektiven spirituellen Erlebens aber in der gleichen Bibel suchen, deren überprüfbare objektive Aussagen über unsere Welt falsch sind – wie können sie sich dann darauf verlassen, dass die schlechter messbaren Aussagen irgend einen Wahrheitsgehalt haben? Auch moralisch und ethisch ist die Bibel ja kein besonders vorbildliches Buch. Wenn jemand sich einfach die Passagen aus einem Text heraussucht, die ihm gut und wahr erscheinen, dann hat das mehr mit Philosophie als mit Religion zu tun. Die typische pick&choose-Problematik.
Wenn schon, dann schon! Wer A sagt, muss auch B sagen, oder umgekehrt: Wer NT sagt, muss auch AT sagen! Und wer „Jesus, das moralische Vorbild, dass (wie Philisophen Jahrtausende vor ihm überigens auch) die goldene Regel propagierte und ein charismatischer Meister war“ sagt, muss auch „Jesus, der Astralzombie, welcher sein eigener Vater ist und dir ewiges Leben schenken kann, wenn du symbolisch sein Fleisch isst und ihm thelepatisch mitteilst, dass du ihn als deinen Herrn und Meister akzeptierst, damit er eine böse Kraft von deiner Seele entfernen kann, welche die Menschheit mit sich herumträgt seit eine Rippenfrau von einer sprechenden Schlange überzeugt wurde von einem magischen Baum zu essen“, sagen. Wer Himmel sagt, muss auch Hölle sagen. Der Meinung des Theologen nach sind Fundamentalistische Christen ein Ärgerniss, weil sie das Christentum falsch verstehen. Ich sehe das anders. Fundamentalistische Christen sind wenigstens konsequent. Und so sind Fundamentalisten dann auch viel leichter mit ihren Fehlern konfrontierbar. Ein wischi-waschi-Christentum das mal so mal so ist, das keine Konturen hat und doch irgendwie die Gesellschaft durchdringen will, das ist mir persönlich ein noch viel grösseres Ärgernis. Vor allem, weil auch wischi-waschi-fühl-dich-selbst-Christen bei konkreten gesellschaftlichen oder ethischen Fragestellungen dann doch meist wieder auf das zurückgreifen, was halt wirklich unbestreitbar Grundlage ihrer Religion ist: Das schrecklich unethische und mit rationalen gesellschaftlichen Werten unvereinbare Buch namens Bibel. Oder sich zumindest nicht davon ausdrücklich distanzieren, wenn die Fundamentalisten dies tun, und damit sehr direkt deren politische Agenda fördern.
Das Christentum ist ein Ärgernis, allerdings in viel umfassenderer Form als der nette alte Theologe es sich vorstellen kann.