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Rechtswissenschaften
Universität Zürich

Vie amoureuse

Je ne le dévoile pas

An einen jungen Christen

25.04.2008 à 22:10

In einer Atheistengruppe auf StudiVZ ist vor kurzem (wieder einmal) ein junger Christ mit Missionsmission aufgetaucht. Er meinte:

"Halli Hallo! Hab gedacht ich schau Mal rein!Bin (leider- perspektivisch betrachte) überzeugter Christ und kann nur die Tatsache der Existenz Jesus bestätigen! Ich freue mich jeden Tag über ihn, weil er einfach wunderbar ist.Deshalb hab ich mir gedacht, erzähl ich euch ein wenig von ihm, hin und wieder

God bless"

Im folgenden meine Antwort auf verschiedene Aussagen, welche er im Laufe der darauf folgenden Diskussion mit anderen Gruppenmitgliedern machte :

Auch wenn im Prinzip wirklich schon alles gesagt wurde, möchte ich dennoch ein paar von deinen Punkten aufgreifen und kommentieren:

"...kann nur die Tatsache der Existenz Jesus bestätigen"

Inwiefern kannst du das bestätigen? Bist du ihm begegnet? Ich gehe davon aus, du sprichst nicht von *irgend* einem Menschen mit diesem Namen?

Du schreibst selber: "Also das geht nicht! Zu behaupten, Jesus sei ein netter Mensch gewesen, ergibt leider keinen logischen Sinn!"

Da kann ich dir nur zustimmen. Wenn es den Prediger Jesus als historische Figur überhaupt gegeben hat, dann war er überhaupt kein netter Mensch. Ihn mehr zu lieben als die eigenen Eltern, alles Hab und Gut zu verscherbeln, das fordert kein netter Mensch. Das Schwert bringen statt den Frieden, sich für einen Gott ausgeben, es positiv finden, Dämonen in arme Schweine zu hexen, auf dass diese sich in Panik ertränken, so etwas tut kein netter Mensch.Wenn der Prediger Jesus also je gelebt hat war er kein netter Mensch, sondern ein hundskomuner Spinnerguru.

"...mit seinem wertvollen Evangelium"

1. Wieso "sein" Evangelium? Er hat das ja nicht selbst geschrieben, sondern irgendwelche Leute welche vom hörensagen von ihm gehört hatten, Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach seiner angeblichen Lebzeit.

2. Was erachtest du an den Evangelien als "wertvoll"? Ich meine, die Griechischen Sagen sind wesentlich unterhaltsamer, wenn man Märchen- und Göttersagen mag. Und "De Bello Gallico" von Caesar ist wesentlich authentischer und spannender, wenn man was aus der Zeit lesen will.

"God is watching you":

... Und das erwähnst du als POSITIVES "Argument" oder was? Du findest die Vorstellung eines 24/7 Gedankenpolizisten welcher nach deinem Tod auch noch über dich "urteilt" und der die meisten Menschen, die je gelebt haben, ewiger Folterung überantwortet, dermassen schön, dass du sie mit uns teilen möchtest?

"Meine Intention ist es eure Aufmerksamkeit auf Gott zu lenken"

Das hier ist eine Atheistengruppe. Wenn wir uns nicht mit Gott beschäftigen würden - sondern Religion uns wie den meisten Menschen einfach egal wäre - wären wir hier nicht Mitglieder. Unsere Aufmerksamkeit liegt also durchaus bereits auf den Gottesideen, welche die Menschen so produzieren. Nur kommen wir zu etwas anderen Schlüssen als du. Welche sich im Gegenteil zu deinen Schlüssen zufällig mit dem Universum, wie wir es beobachten, decken. Aber das ist hier nebensächlich.

"Ich kann nicht verstehen, wie Menschen die einfache Tatsache vergessen können, dass sie existieren und es dafür wohl einen Ursprung geben muss."

Ob man vergessen kann, dass man existiert, scheint mir eine tiefschürfende Philosophische Frage zu sein. Obwohl dir das kaum bewusst sein wird. Ohne den Einsatz von starken Drogen dürfte dieser Zustand allerdings kaum zu erreichen sein. Weshalb überhaupt etwas existiert, und nicht vielmehr nichts, ist auch eine „grosse“ Frage, ev. Sogar „die“ Frage schlechthin. Aber weshalb ich existiere lässt sich sehr einfach erklären: Ich lebe in einem Universum, welches zu einem gewissen Teil aus Materie besteht. Diese Verhält sich nach bestimmten Gesetzmässigkeiten. Diese Gesetzmässigkeiten führen dazu, dass sich die Materie auf verschiedene Arten an bestimmten Stellen verdichtet, es gibt in unserem Universum Atome, Moleküle, Elektronen – verschiedenste Elementarteilchen halt. Und diese Elementarteilchen weisen aufgrund von ihrer Beschaffenheit bestimmte Eigenschaften auf, welche ihre (Inter)aktionen determinieren. Aufgund der Beschaffenheit dieser Teilchen und aufgrund der Naturgesetze, welche das Anlitz unseres Universums gestalten ist es so, wie es ist. Und es ist so, dass sich Sterne bilden, Planeten, Monde. Es ist so, dass die Moleküle unter bestimmten Voraussetzungen komplexer werden – irgendwo irgendwann hatte ein Molekül die lustige Eigenschaft, sich selbst aus den umgebenden Bausteinen zu reproduzieren. Zum Beispiel vor ca. 4.6 Mia. Jahren auf dem Planeten, welchen wir heute Erde nennen. Sobald sich aber etwas reproduzieren kann und eine minime Variation vorkommt, durch Fehler zum Beispiel, passt es sich automatisch immer besser seiner Umwelt an: Die besser angepasste Reproduktionsmaschinerie verdrängt die schlechtere ganz einfach. Und weisst du, wie man das nennt? Evolution. Zufall spielt eine Rolle, aber

„Die Evolution bedeutet nichts anderes als Zufall“

ist ganz einfach falsch. Die Evolution hat, wie du beschreibst, keinen Willen. Richtig. Evolution wird der automatische Prozess genannt, dass bei sich reproduzierenden Dinge, welche im Wettbewerb stehen, sich dasjenige Ding (und damit dessen Reproduktionsprogramm!) durchsetzt, welches sich unter den gegebenen Voraussetzungen effizienter reproduziert. Das ist ganz einfach uns sollte dir auch einleuchten.Es leuchtet auch ein, dass eine Gesellschaft welche gegen ihre eigenen Stammesangehörigen friedlich ist und Abweichler sanktioniert die besseren Überlebenschancen hat, als eine Geselllschaft, deren Mitglieder sich gegenseitig auffressen. Denk daran: Die grösste Zeit der menschlichen Evolution lebten die Menschen in kleinen Stammesgemeinschaften, wo jeder mit jedem verwandt war, dh. jeder auch einen hohen Prozentsatz der Gene des Nachbars in sich trug und umgekehrt. Und Gene welche das Individuum, welches sie hervorbringen dahingehend beeinflussen, seinen Nachbarn umzubringen, die schneiden sich ins eigene Fleisch.

Um auf die einleitende Frage zurückzukommen: Ich weiss ziemlich genau, wo MEIN Ursprung ist: Im Schoss meiner Eltern, wo sich als Folge eines Fortpflanzungsaktes zwei ihrer haploiden Geschlechtszellen verschmolzen und zu einer neuen, diploiden Zelle kombinierten, aus welcher dann ich hervorgegangen bin und das seit 4.6 Milliarden ununterbrochene Lebensnetz fortsetzte.Wo der Ursprung eines Schöpfergottes wäre (Wer erschuf Gott? Wieso mit etwas komplexem starten (Gott), statt mit etwas einfachem (zB. Urknall)? Was ist der Sinn der ganzen Schöpfung? Weshalb ein so grosses Universum für die paar Menschlein?) wäre viel schwieriger zu beantworten, das müsstest du dann erledigen.

„Es wäre angebracht, das Leben zu bedenken und nicht gedankenlos dem Tod entgegenzutreten“

Das solltest du allerdings tun! Im Gegensatz zu uns hast du nämlich dein einziges Leben durch deinen nutzlosen Glauben, sinnlose Gebete und nerviges missionieren zu verlieren! Es ist angebracht, das eine Leben in vollen Zügen zu leben, welches wir haben, und nicht für irgendwelche eingebildeten Freunde zu opfern. Das solltest du dir zu Herzen nehmen.

Und seine Erwiederung darauf?

"Halleluja. Gott ist soooo gut!!!Jesus ist der einzige Weg und seine Liebe ist stärker als der Tod.Ich bin begeistert und freue mich auf die Zukunft!

God bless "

Warum verfalle ich immer wieder der absurden Idee, mit Gläubigen könne man vernünftig diskutieren?

Commentaires
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Gwendolan
Gwendolan 27.04.2008 à 04:22
Ah, selbstverständlich bestreite ich nicht, dass zufällige Mutationen eine Rolle spielen, sofern es so etwas wie "Zufall" überhaupt gibt. Hier mag Zufall einfach "ohne irgend einen geplanten Zusammenhang" bedeuten. Aber eben: Evolution=Zufall bleibt Unsinn, da Variation ohne Selektion eben keine Evolution ist.
marc
marc 26.04.2008 à 12:53
Leben und leben lassen ...