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Friedrich II. von Hohenstaufen im NZZ Folio

Friedrich II. von Hohenstaufen im NZZ Folio

02.06.2008 à 16:30

Da merkt man mal wieder, dass einem im Geschichtsunterricht die wirklich interessanten Dinge vorenthalten werden. Klar, man weiss, dass er hübsch viele Burgen gebaut, einen Kreuzzug geführt und eine tolle Staatsverwaltung errichtet hat. Aber in dem Kerl steckte offenbar noch mehr.

"Es ist die Absicht dieses Buches, die Dinge, die sind, so darzustellen, wie sie sind.", so die Einleitung zu seinem eigenhändig bebilderten Buch über die Jagd mit Falken - tönt schon ziemlich ketzerisch. Die Dinge darstellen, wie sie sind, nicht wie sie mit der Bibel zu interpretieren sind? Kein Wunder wurde er zwei mal vom Papst in Acht und Bann erklärt. Warf ihm, trotz all der Ketzer, welche Friedrich II. wie es für seine Zeit üblich war im Auftrag der Kirche verbrannte, vor, er habe Moses, Jesus und Mohammed als die "Drei grossen Betrüger" bezeichnet (Womit er - die Historizität dieser Charaktere vorausgesetzt - natürlich recht gehabt hätte, wenn er es wirklich gesagt hätte).

Nun aber, was ihn zum "würkli geile siech" macht. Der gute Friedrich wurde offenbar von einem ungeheuren Wissensdrang getrieben. Mit mittelalterlichen Holzhammermethoden erforschte er die Welt empirisch, statt auf alte Autoritäten zu vertrauen. Wollte die Menschen lehren, sie sollten nichts glauben, was nicht durch Natur und Vernunft bewiesen werden kann. Er liess sich die Bewohner der Unterwasserwelt von einem eigens angeheuerten Taucher heraufbringen; legte einen Zoo an; nähte einem Falken die Augen zu, um zu beweisen, dass er ebendiese für die Jagd benötigt, und seine Beute nicht etwa wittern konnte; entzog Neugeborene ihren Müttern und überliess sie stummen Ammen um festzustellen, ob sie dann wirklich hebräisch sprechen würden, wie es die Theologen lehrten; sperrte einen Mann in ein Fass um zu sehen, ob seine Seele herauskäme, wenn er gestorben war; gab zwei Männern die selbe Mahlzeit, liess den einen ruhen, den anderen rennen, und liess ihnen dann die Bäuche aufschneiden um herauszufinden, welcher besser verdaut hätte.

Klar, tönt brutal. Ein Psychopath, aus heutiger Sicht, keine Frage. Aber wenn man bedenkt, wie viele Menschen zu der Zeit sinnlos umgebracht wurden, muten diese Opfer beinahe vernünftig an. Wie müssen die Menschen damals erst traumatisiert gewesen sein, wo sie noch richtige Hinrichtungen und Marterungen miterlebten, Life und wöchentlich, und nicht nur virtuell ein paar Pixelmännchen über den Haufen schossen? Immerhin, das war das 13. Jahrhundert, und unter den Blinden erscheint der Einäugige immer noch als König...

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