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Etudes

Rechtswissenschaften
Universität Zürich

Vie amoureuse

Je ne le dévoile pas

Mein Beitrag zur Minaret-Debatte

12.08.2008 à 23:23

Ich verstehe den Kirchturmvergleich nicht, auch wenn man den alleweil zu hören kriegt. Die Schweiz hat als SÄKULARER Staat überhaupt kein Interesse an Kirchtürmen irgendwo auf der Welt. Die Schweiz ist kein christliches Land, wir leben zum Glück nicht in einem Gotteststaat. Das musste mal wieder in Erinnerung gerufen werden.

Das geklärt habend möchte ich folgendes anmerken: Ich bin grundsätzlich gegen den Bau jeglicher religiöser Bauten. Aber ich bin auch der Meinung, dass es nicht meine Sache ist, wie andere Leute ihr Geld verschwenden, solange sie nichts damit anstellen, was mich in meinen Rechten beeinträchtigt. Ich sehe nicht ein, inwiefern die Errichtung von Türmen dies tun könnte. Dass kein störender Muezingesang zugelassen werden soll, versteht sich von selbst. Aber das steht ja auch gar nicht zur Debatte - diese Schiene ist ein reines Strohmannargument. Wenn also jemand - aus was für Gründen auch immer - auf seinem Grund und Boden einen Turm bauen will, dann soll er das tun können.

Zur (zu erwartenden) Ausbreitung des Islams in Europa möchte ich folgendes anmerken: Erstens halte ich sie für nicht allzu unwahrscheinlich und zweitens für durchaus beängstigend, wenn man bedenkt was für vor-aufklärerische Sitten, Bräuche und Rechtssysteme teilweise mit ihm verknüpft sind. Selbstverständlich ist die Europäische (Gesellschafts-)Tradition, welche auf Humanismus und Aufklärung basiert, mit allen Mitteln zu bewahren. Da die Leute sich aber offenbar grundsätzlich schwer damit zu tun scheinen, die Aberglauben ihrer Kinderstube abzulegen, bleibt uns nur die Möglichkeit, den Islam in Europa zu europäisieren, den hier gelebten Islam den europäischen gesellschaftlichen Werten anzupassen, ihn unserer Gesellschaft zu assimilieren. Das Ziel muss ein Weichspülislam sein, wie wir auch das Christentum grösstteils weichgespült, seine Krallen gestutzt, seine Zähne gezogen haben. Das ist schwieriger, als ein paar Türme zu verbieten. Aber dafür ist es - im Gegensatz zu dem angestrebten Turmverbot - auch geeignet, unser aller gemeinsame Werte auf Dauer zu gewährleisten.

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Gwendolan
Gwendolan 20.08.2008 à 16:04
In einer Gesellschaft, in welcher der grösste Teil der Stimm- und Wahlberechtigten als faktisch unfähig die zu beurteilenden Sachverhalte zu verstehen betrachtet werden muss, ist in meinen Augen die demokratische Entscheidfingung als solche durchaus auch zu hinterfragen. Aber auch meine liebäugelei mit einer Expertokratie, zumindest im Bezug auf komplexe Sachverhalte, gehört natürlich auch in eine andere Diskussion.
Gwendolan
Gwendolan 19.08.2008 à 06:50
Ich habe nichts dagegen, wenn die Menschen ihre Emotionen in ihre Entscheidungen mit einbeziehen. Ich fände es sogar äusserst bedenklich, würden sie es nicht tun, gerade in solchen Fragen wie Abtreibung. Aber wenn die Menschen ihre Emotionen in die Entscheidungen von a n d e r e n Menschen mit einbeziehen, dann läuft meiner Meinung nach etwas schief. Aber du hast recht, das gehört wo anders hin. Vielleicht eröffne ich mal einen neuen Blogpost dazu...
Gwendolan
Gwendolan 18.08.2008 à 19:38
Mit welchen säkularen Argumenten kann man den Schutz ungeborenen Lebens denn vertreten? Die neuralen Strukturen eines menschlichen Fötus erlauben Bewusste Reaktionen, Wahrnehmungen und Schmerzempfindungen, in dem Ausmasse, dass sie das Recht der Schwangeren auf Selbstbestimmung ernsthaft in Frage zu stellen vermögen, frühestens ab dem Ende des 6. Schwangerschaftsmonats. Das ist die rationale Perspektive.
Trotzdem haben wir in der Schweiz ein Abtreibungsverbot nach dem 3. Monat, und vorher darf frau auch nur nach einer "Beratung" und nur in einer (wie auch immer gearteten) "Notlage" legal abtreiben.
Der Bundesrat hat in der Botschaft zu der jetztigen Regelung denn auch immer wieder betont, dass das "potentielle menschliche Leben als solches" Schutz verdiene, allerdings ohne dafür irgendwelche tatsächlichen Argumente vorbringen zu können.
Würde man diesem Argument wirklich folgen, dann müsste man jedes onanieren auch unter Strafe stellen. Jedes Verhütungsmittel - erst recht Verhütungsmittel wie die (mechanische, nicht chemische) Spirale, welche die Einnistung der befruchteten Eizelle, resp. des sich bereits eintwickelnden Embryos in der Gebärmutterschleimhaut z.T. Tage NACH der Zeugung verhindert.
Gwendolan
Gwendolan 17.08.2008 à 12:23
Ah, ich spreche auch nicht von staatlichen Eingriffen, sondern vielmehr von wünschenswerten Gesellschaftlichen Vorgängen. Ich bin auch dezidiert gegen Kopftuchverbote, nicht so sehr aus dem Grund, dass ich es für zwingend kontraproduktiv halte, sondern weil ich finde dass es nicht die Aufgabe des Staates ist zu bestimmen, was für Hütchen/Tüchlein/etc. die Menschen auf dem Kopf tragen, oder was für Kettchen um den Hals, oder was für Unterhosen. Das geht den Staat ganz einfach nichts an.

Die Religion ist sicher nicht immer der Hauptgrund für jeden "Religionskrieg" gewesen. Aber oft genug war sie es. Und wo nicht, da war sie zumindest ein einfach zu handhabendes Werkzeug, um den Pöbel gefügig zu machen.
Ausserdem sind wir als Nichtgläubige ja nicht nur von Religionskriegen betroffen (die sind heutzutage dann doch etwas seltener geworden, resp. wir in Europa sind davon nicht betroffen wenn sich Schiiten und Sunniten gegenseitig massakrieren), sondern auch von anderen gesellschaftlichen Folgen der Tatsache, dass gewisse Mitmenschen ihr Weltbild auf einem Märchenbuch fundieren.
So käme ohne Religion wohl kein Mensch auf die Idee, Stammzellenforschung an toten eingefrorenen Klümpchen menschlicher Zellen wäre irgendwie unethischer, als diese Forschung nicht zu betreiben und viele mögliche Heilungsmethoden für schreckliche Krankheiten, an welchen tausende von Menschen täglich leiden und sterben, nicht zu entdecken. Auch sind wir betroffen, wenn wir an gewissen Tagen, welche ihnen heilig sind, selbst auch nicht feiern dürfen (Musik-/Tanzverbote etc.). Wir sind betroffen, wenn wegen religiösen Spinnern Abtreibung nur unter bestimmten Vorraussetzungen erlaubt ist, obwohl dadurch kein anderer Mensch betroffen ist als die ungewollt werdenden Eltern.

Aber eben, da die Menschen die Märchen ihrer Kindheit nicht aufgeben werden (zumindest nicht das Gros von ihnen) muss zumindest die Art wie sie geglaubt und gelebt werden, so transformiert werden, dass sie mit unseren Werten kompatibel ist.
Gwendolan
Gwendolan 16.08.2008 à 10:52
Hm, nichtstiller, ganz kann ich mich dem nicht anschliessen. Die Religionsfreiheit ist eines von verschiedenen Menschenrechten. Aber wenn im Namen einer Religion andere Menschenrechte verletzt werden (Gleichstellung der Geschlechter; Recht auf Leben und Verbot der grausamen und unmenschlichen Behandlung; etc.), so muss es erlaubt sein, diese Art von Religiosität einzuschränken. Ein Sharia-Staat wäre mit den Menschenrechten genau so unvereinbar, wie eine christliche Theokratie. Und genau deswegen muss der europäische Islam weichgespült werden, bis die Muslime hier die Mehrheit der Stimm- und Wahlberechtigten Bevölkerung stellen. Und zwar so weich wie das Christentum, so dass er nicht durch den Fanatismus vereinzelter Prediger wieder radikalisiert werden kann.

Überigens glaube ich, uns als Atheisten gehen die religiösen Konflikte durchaus etwas an. Immerhin sind auch wir betroffen, wenn das ausartet. Man stelle sich vor, immer wieder sterben Menschen, weil andere Menschen sich darüber streiten, wessen Märchensammlung denn nun die bessere sei.
Gwendolan
Gwendolan 13.08.2008 à 18:12
Es geht ja aber nicht um ein Verbot, Gebetsschuppen zu bauen (was man deiner Eroberungsanspruchtheorie nach prüfen müsste), sondern lediglich darum, selbige mit einem Türmchen zu versehen.
sundanceratmidnight
sundanceratmidnight 13.08.2008 à 17:49
das hat nix mit einschlägigen Kreisen zu tun, das steht in Geschichtsbüchern, und ich hoffe doch, dass diese einigermassen objektiv sind.
Was sind denn Kirchen anderes als ein Zeichen, hier herrscht das Christentum? Wurden nicht unzählige Kirchen auf heidnischen Plätzen gebaut, um die alte Religion zu verdrängen? Also ganz klar: Eroberung..
Gwendolan
Gwendolan 13.08.2008 à 12:41
Gerade das Tit-for-Tat Argument wird durch die Tatsache, dass die Schweiz als Staat keine Religion hat entkräftet, wie ich im ersten Absatz darzulegen versucht habe.

Den "Eroberungsanspruch" sehe ich nicht so. Als das werden die Minarette aus einschlägigen Kreisen karrikiert, das ist klar. Aber: Ist es denn wirklich so?
sundanceratmidnight
sundanceratmidnight 13.08.2008 à 12:11
leider ist es nach wie vor so, dass religiöse Bauten meistens dazu errichtet wurden, einen Erroberungsanspruch darzustellen. Und auch wenn das heutzutage nicht mehr aktuell ist, beängstigt es die Menschen. Und da das Christentum in moslemischen Staaten nach wie vor unterdrückt wird und der Bau von Kirchen streng untersagt ist, sehe ich auch nicht ein, wieso die Christen handkehrum katzbuckeln und einige Minarette in die Landschaft stellen sollen. Gleiches für gleiches?
Abgesehen davon bin ich als Atheistin mit Gwendolan einig, dass religiöse Bauten höchstens einen architektonischen Wert besitzen, aber doch eigentlich in einem säkularen Staat nicht vonnöten sind.