Der sauglatte Professor und die Wahlen
05.11.2008 à 00:04
Wahlen finden nicht nur in den USA statt, sondern auch hier. Ich habe einen sauglatten Professor. Er wohnt in der Westschweiz, wo man gerne ein Gläschen Wein trinkt, und pendelt wöchentlich zur Uni. Er ist Inhaber des Lehrstuhls des wohl beliebtesten zweiten Nebenfachs der Uni. Das Fach besteht in einer Vorlesung, die man eh nicht besucht, weil man das sündhaft teure Buch des Professors kaufen muss. Dort steht dann alles drin. Ausser die sauglatten Witze. Die Studenten beklagen sich nicht.
Des Weiteren ist eine Seminararbeit zu schreiben. Da der sauglatte Professor nur rund 20 Mal pro Semester in den Osten pendelt, muss sich auch die Menge Studierender pro Semester auf diese Anzahl einpendeln. Denn die Korrektur einer Seminarrbeit dauert eine Reise. Die Studenten beklagen sich nicht.
Er scheint üerhaupt gerne zu reisen, der Professor. Das an die Seminararbeit anschliessende Seminar besteht aus einer sauglatten Studienreise in die West- oder Ostschweiz. Übernachtet wird im Hotel des Freundes der Schwägerin des Professoren. Oder so ähnlich. Die muntere Schar von etwa 30 Studierenden trägt während drei Tagen im Akkord unbesehene Referate über ihre Seminararbeiten vor. Der Lerneffekt dürfte dementsprechend sein. Wer Glück hat, kommt noch zu einem One-Night-Stand. Die Studenten beklagen sich nicht.
Der ganze Studiengang besteht also aus der Lektüre des Buches sowie dem Schreiben und Vorstellen einer Seminararbeit, was die Studenten wenig Zeit und Aufwand, aber immerhin ca. 420.- kostet. Es beklagt sich niemand.
Ich lege mir gerne einige Steine in den Weg des geringtsten Widerstandes und möchte zumindest mein Referat gründlich vorbereiten. Leider ist 3 Wochen vor dem Seminar noch nicht klar, ob meine Seminararbeit angenommen wurde. Nun, es braucht Zeit und einige Zugreisen, um all die Arbeiten zu korrigieren. Der Professor hat viel zu tun. Und dann sind ja da noch die Wahlen. Nicht die amerikanischen, obwohl die den Professoren sicher auch interessieren. Nein, es stehen Regierungsratswahlen an. Der gute Freund des Professors steht auf der Wahlliste. Nicht in der Westschweiz, wo der Professor wahlberechtigt ist, sondern in meinem Wohnkanton. Was macht man da als guter Freund des Freundes, wenn man ihn partout des Föderalismus wegen nicht wählen darf? Man schreibt die lieben Studentinnen an, die sich nicht beklagen, aber glücklicherweise im besagten Kanton wohnen.
So flattert mir denn heute eine handadressierte und handgeschriebene Karte mit dem Konterfei des Politikers U. H. ins Haus. "Liebe Frau B.", schreibt der Professor, " es geht nicht um Wissenschaft ...", sondern darum, dass ich seinen Freund wählen solle, da ich doch glücklicherweise grad im richtigen Kanton wohne und er intuitiv spüre, dass ich sicher ein grosser Fan seines Freundes sei.
Lieber Herr Professor.
Sie haben intuitiv richtig gespürt. Ich wähle U. H. Ich habe sogar sein Wahlplakat an meinem Balkon angebracht. Ich hätte mich ausserdem gefreut, wenn Sie mir netterweise mitgeteilt hätten, ob meine Seminararbeit genügend war. Ich spüre intuitiv, dass ich wohl eine 6 habe. Dafür wähl ich ja auch ihren lieben Freund.
Den Einstieg fürsReferat habe ich bereits. "Es geht hier nicht um Wissenschaft, sondern um Intuition!". Sauglatt.