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12.10.1983Habite à
Berlin, ZürichEtudes
CommunicationHaute école
Fachhochschule für Technik und Wirtschaft BerlinBillets de blog - Avril 2009
Backflash Berlin
moins de 1 ansColonnesKeine Angst, es folgen keine Geschichten von Sonnenschein und Sonnenbrand. Obwohl das Naherholungswochenende im weiteren Sinne auf Rügen erwähnenswert ist. Eigentlich wollte ich dir ja von da aus eine Flaschenpost über die Ostsee nach Helsinki schicken, doch dann habe ich die Buddel ausgetrunken und die Botschaft gelbglänzend ins eiskalte Meer gepisst.
Auf der Fahrt zurück, im Regionalzug der Deutschen Bahn, durch Feld und Wald, ist es dann über mich gekommen. Der Zug bahnte sich seinen Weg durch die Dämmerung in die Nacht, an den schweigenden Fahrgästen zog die endlose Landschaft vorbei. Plötzlich verschwamm mein Blick, die zerfallenen Häuser am Weg wirkten wie zerbombt. Endlose Weite auf beiden Seiten des Zuges, doch das Idyll zerfiel vor meinen Augen. Lange Schützengräben zogen sich durch das frühlingsgrüne Gras und ausgebrannte Fahrzeugwracks lagen am Fusse des Gleiswalls. Alle 100 Meter ragten drohend Wachtürme in die Höhe, als neben mir ein Soldat in tarnfarbener Uniform seinen Seesack öffnete. Augenblicklich füllte der ausströmende Geruch von Schweiss, Dreck, Zersetzung und Zerstörung das Abteil und vervollständigte meine düstere Vision. In mir kam Panik auf. In welchem Film sitze ich hier bloss? Wo geht‘s hier bitte raus? In den dunklen Baumgerippen am Ende des Feldes hingen schlaffe Fallschirme und gerade als ich meinen Blick von der unheilvollen Szenerie abwenden wollte, sah ich, wie sich etwas im Feld vorwärtsbewegte. Ein Soldatenspähtrupp?
Jäh fiel mein Starrblick in sich zusammen, als die Soldaten zu hüpfen und springen begannen - eine fröhliche Hirschfamilie beim Abendmahl. Innert Sekunden wurden die Schützengräben zu Bewässerungskanälen, Wachtürme zu Jagdsitzen und die Fallschirme in den Bäumen waren nichts mehr als harmlose Mistelzweige. Was blieb war die unsägliche Ausdünstung des Rekruten neben mir.
Zurück in Berlin, der grauen Schönheit, wurde mir das Ausmass meiner Vision bewusst. Achtlos bewege ich mich Tag für Tag über die geschichtsträchtigen Strassen dieser Stadt, dieses Landes. Leute versuchen zu vergessen, andere zu erinnern. Und ich hatte noch gar nicht darüber nachgedacht, über das Gestern dieser Stadt, das mich doch heute aus den alten Mauern und Strassen anstarrt. Klar, ich kenne die Geschichte der Stadt, die Geschichte von Kriegen und Mauern und Trennungen und Vereinigungen. Doch irgendwie habe ich bisher daran vorbei gelebt. Ich habe gelacht, gefeiert und getanzt, hell yeah, ich habe sogar getanzt. Bewusstlos. Bis sie mich überkam, die vergangene Zukunft.
Geschichten in Berlin, Geschichten in Helsinki.
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Babel, Backstuben, Berlin
moins de 1 ansColonnesDa soll noch einer behaupten, Berlin sei für einen Austauschstudenten keine Herausforderung! Ich werde ja immer wieder gefragt, meist mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton, wieso ich ausgerechnet nach Berlin gegangen bin. Ein Austauschsemester, so scheint es, gehört sich für uns Schweizer in England, China oder meinetwegen Finnland. Halt irgendwo, wo man eine fremde Sprache spricht. An diesem Punkt folgt meine energische Einsprache! Berlin ist der reinste Turmbau zu Babel mit Sprachverwirrungen noch und nöcher. Ich wage sogar die Behauptung, dass es sprachtechnisch einfacher ist, in Helsinki zu studieren, als in Berlin. In Finnland weiss man wenigstens genau, auf was man sich einlässt und rechnet schon zu Beginn mit dem schlimmsten. Räuberpistole? Lasst mich euch mit zwei Anekdoten aus meinem Alltag bekehren:
Berlin gleich Deutsch. Dachte ich auf jeden Fall vor meinem Abflug. Naiv bin ich nicht, darum habe ich eine beträchtliche Portion Türkisch, Russisch und Arabisch einberechnet. Was mir hier jeden Tag begegnet, hat aber in meinen ärgsten Albträumen keinen Platz gefunden. Eine seltsame Abart unserer Sprache, ein mutantenhaftes Geschwür schleicht sich durch die Gassen Berlins, grinst frech drohend von den grauen Wänden und scheint sich in karnickelhafter Weise zu vermehren. Das Monster ist eine grausame Kreuzung Deutscher und Englischer Sprache, ein mordender Hybrid. Er lauert mir auf, verfolgt mich und springt just in dem Moment hervor, wenn ich ihn am wenigsten erwarte. Beispielsweise frühmorgens auf dem Weg zur Uni. Ich will mir vor der ersten Vorlesung eine Schrippe - so nennen sie hier Brötchen - besorgen und gehe dafür einen kleinen Umweg zur nächsten Backstube. In froher Erwartung auf den wohlriechenden Weihrauch frischer Backwaren biege ich um die Ecke. Es trifft mich aus heiterem Himmel. Da lauert es wieder, das fiese Monster. Dort wo einst ,Bäckerei‘, ,Backstube‘ oder ,Konditorei‘ gestanden haben muss, über der Tür, dort hängt jetzt ein grosses Schild, auf dem es sich die Bestie in fetten roten Lettern auf weissem Grund bequem gemacht hat. ,BACK SHOP‘. Was zum Teufel ist das? Mir schaudert. Beim Anblick des Schildes denke ich an gewaltsame Rückenhaarentfernung durch zarte russische Stahlarbeiterhände oder ähnliches. Bestimmt nicht an warme, frischgebackene Brötchen. Ich verzichte kurzerhand auf das Frühstück - Morgenessen gibt es nicht - und flüchte hungrig in die Vorlesung.
Noch viel schlimmer ist es einem meiner Schweizer Kumpels hier in Berlin ergangen. Auch er ein Austauschstudent, ein aufgeweckter, gutaussehender und zuvorkommender junger Mann in unserem Alter. Schwiegermamas Liebling weltweit. Es begab sich, dass er eines Abends im Ausgang ein junges, hübsches Berliner Mädel kennen gelernt hatte, mit ihr tanzte, scherzte und trank. Am Ende des Abends, zu Beginn der Nacht, begleitete ihn dieses Berliner Mädel nach Hause. Hand in Hand, fröhlich scherzend gingen sie durch die Nacht. Bei ihm zuhause, ich nenne ihn Roland, setzten sie sich aufs Sofa, tranken womöglich etwas, es folgte vielleicht auch ein erster, schüchterner Kuss. Das Berliner Mädel pflegte zu rauchen und wollte sich dafür auf den Balkon begeben. Roland, zuvorkommend wie er ist, sorgte sich um das Berliner Mädel und ihre kalten Füsse und bot ihr, freundlicherweise und ohne Hintergedanken, an: „Willst du Finken?“
Das Berliner Mädel stutze einen kurzen Augenblick, fasste sich aber sofort wieder. Abgebrüht, wie sie sind, und nur leicht irritiert erwiderte sie ihm: „Geht leider nicht, ich habe meine Tage“.
Berlin ist kein Pflaster für Pantoffelhelden.
Lapin Kulta oder Berliner Kindl? Der Austauschbattle auf students.ch
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