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12. September 2007, 00:00 Movie

Daratt - Dry Season

Simone Meili - Weil die Regierung vom Tschad eine allgemeine Amnestie für Kriegsverbrecher erlassen hat und der Mörder seines Vaters somit ungeschoren davonkommt, macht sich Atim auf den Weg, seinen Vater zu rächen Rachegedanken: Atim trifft den Mörder seines VatersNach über 40 Jahren blut...

Daratt - Dry Season
Weil die Regierung vom Tschad eine allgemeine Amnestie für Kriegsverbrecher erlassen hat und der Mörder seines Vaters somit ungeschoren davonkommt, macht sich Atim auf den Weg, seinen Vater zu rächen

Rachegedanken: Atim trifft den Mörder seines Vaters

Nach über 40 Jahren blutigen Bürgerkriegs verhängt die Regierung des Tschads eine allgemeine Amnestie, welche die Endlos-Spirale von Gewaltakten beenden soll. Das ist natürlich ein harter Schlag für die Angehörigen der zahllosen Opfer des Krieges, die nun vergebens auf eine Bestrafung der Mörder ihrer Geliebten warten können. Zu ihnen gehört auch der junge Atim, dessen Vater ermordet wurde, als er noch im Mutterleib war. Nach der Ankündigung der Amnestie im Radio holt sein erblindeter und leicht gebrechlicher Grossvater die Waffe von Atim’s Vater hervor und übergibt sie seinem Enkel zusammen mit dem Auftrag, den Mörder seines Vaters aufzuspüren und dessen Tat zu rächen.

Regisseur Mahamat-Saleh Haroun ('Bye Bye Africa') veranschaulicht dieses Einzelschicksal, wie man es in den von Bürgerkriegen geplagten Gebieten Zentralafrikas tausendfach wenn nicht millionenfach vorfindet, mit beklemmender Realität. Mit viel Sensibilität öffnet er dem Zuschauer die Augen für das Dilemma um Selbstjustiz und Blutrache und die oft hoffnungslosen Chancen auf Vergebung.

Inspiriert ist der Film angeblich von Mozarts „La clemenza di Tito“ (Haroun ist ein grosser Fan des österreichischen Komponisten), in dem es ebenfalls um Vergebung und Vergeltung geht.

Aicha, Nassara’s sympathische Frau, vermag das Eis zu brechen

Was in Atim’s Kopf vorgeht, als er Nassara, den Mörder seines Vaters, endlich trifft, können wir nur erahnen. Dabei beobachtet Atim, wie dieser als mittlerweile leicht betagter Bäcker hungrigen Kindern Brot verteilt. Als Nassara ihn bemerkt, bietet er auch ihm Brot an, was dieser natürlich ablehnt. Das schlimmste wäre, dem Mörder seines Vaters noch irgendwie dankbar sein zu müssen! Dennoch schwindet in Atim der Mut, seinen Auftrag umzusetzen. Er lässt sich von Nassara sogar als Hilfsbäcker einstellen. Nassara beginnt, den Jungen zu mögen, obwohl der ihm jeden noch so geringen Sympathiebeweis verweigert. Es gibt zahlreiche Gelegenheiten für Atim, in denen er entschlossen scheint, seinen Vater zu rächen, es aber dann doch nicht fertig bringt. Man beginnt zu ahnen, warum.

Daratt ist ein Film, der ohne viele Worte auskommt und es dem Betrachter überlässt, eigene Schlüsse zu ziehen. Manchmal muss auch gar nicht viel gesagt werden – ein Blick von Atim (Ali Barkai) in die Kamera sagt oft mehr als Tausend Worte. Freunde können er und Nassara nicht werden, aber muss man jemanden lieben oder gern haben, um ihn nicht töten zu können? Und was geschieht mit der inneren Wut? - Der Film liefert Antworten.

Bewertung: 4.5 von 5

Atim muss sich entscheiden: will er den eingeschlagenen Weg fortsetzen oder kehrt machen?

Originaltitel: Daratt

Land: Tschad, F, B, A

Genre: Drama

Dauer: 95 Minuten

Regie: Mahamat-Saleh Haroun

Darsteller: Ali Bacha Barkai, Youssouf Djaoro, Aziza Hisseine, Khayar Oumar Defallah

Verleih: Trigon-film

Kinostart: 13.9.2007

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Quelle: Trigon-film (Link)

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