Ineffektives Brainstorming
Oliver Kaftan - Lange Zeit galt Brainstorming in Gruppen als Königsweg zu guten Ideen und deshalb erfreut es sich auch heute noch grosser Beliebtheit. Doch Studien zeigen: Leute, die alleine arbeiten, generieren mehr und bessere Ideen als Gruppen.von Oliver Kaftan, Students.ch (via 20minuten.ch...
von Oliver Kaftan, Students.ch (via 20minuten.ch - Campus)
Wie können wir den Absatz trotz Finanzkrise und Massenentlassungen steigern? Welches Thema sollen wir in unserer Seminargruppe behandeln? Und überhaupt, wohin soll ich mit meinen Freunden im nächsten Urlaub fahren? Ob im Geschäfts-, Studien- oder Privatleben, mit Brainstorming finden wir bestimmt die perfekte Antwort - dies zumindest dachte man bis anhin! Adrian Furnham vom University College in London konnte nämlich zeigen, dass Gruppen, die Brainstorming praktizieren, weniger und schlechtere Ideen produzieren als die gleiche Anzahl Leute bei individueller Arbeit. «Obwohl Brainstorming als Technik zur Ideengenerierung nicht effektiv ist, schwören Firmen immer noch darauf», so Furnham.
Gründe
Die Gründe für die Ineffektivität der vermeintlichen Königsmethode sind einleuchtend: Sobald Individuen im Kollektiv auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, reduzieren sich sowohl ihre Motivation als auch ihre Anstrengung zur Zielerreichung (sogenanntes «Soziales Faulenzen»). Ferner weiss jeder Gruppenteilnehmer, dass die anderen seinen Input prüfen werden, was ihn zur Zurückhaltung drängt. Schliesslich scheint auch die Prozedur beim Brainstorming nicht optimal: Da jeweils nur eine Person auf einmal reden kann, müssen die anderen abwarten und verwerfen daher eher ihre Ideen oder sie gehen womöglich vergessen. Doch Brainstorming ist nicht per se schlecht.
Brainstorming richtig eingesetzt
Wird Brainstorming nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern elektronisch und anonym praktiziert, kann Soziales Faulenzen und die Blockierung durch andere verhindert werden. Aber auch wer nicht auf den Augenkontakt verzichten will, kann die Ergebnisse der Ideengenerierung verbessern. Furnham empfiehlt unter anderem, dass Leute ihre Ideen bereits vor dem Gruppenaustausch notiert haben und die anderen Gruppenmitglieder über deren Anzahl Bescheid wissen sollten. Des Weiteren sollten Probleme in der Gruppe aufgeteilt werden, so dass eine kleinere Teilgruppe sich auf eine spezifische Komponente des Problems konzentrieren kann. Nicht zuletzt tragen hohe Standards bezüglich der Anzahl Ideen dazu bei, dass keine Inputs verloren gehen.Trotz Kritik verzichten Unternehmen nicht auf Brainstorming, denn indem sie auf diese Weise den Teilnehmern zumindest das Gefühl geben, in Entscheidungsprozesse involviert zu sein, ist eine Konsensfindung möglich. Ausserdem sind die Gruppenmitglieder folglich auch eher motiviert, die Entscheidung der Gruppe, auch wenn diese nur schein-demokratisch gefunden wurde, auszuführen.Furnham betont jedoch, dass Gruppen bereits vorhandene Ideen besser evaluieren können als Einzelpersonen. So gesehen ist das optimale Rezept also: Zuerst individuell Ideen generieren und diese dann gemeinsam auswerten.

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