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31. März 2011, 17:51 CD / Vinyl

Kind von Traurigkeit: Wounded Rhymes von Lykke Li

Katharina Bornhauser - „Sadness is my boyfriend“ singt Lykke auf ihrem neuen Album „Wounded Rhymes“. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Heilung, wie man so schön sagt. Denn Traurigkeit durchdringt tatsächlich jede Zeile und jeden Beat dieses bezaubernden Albums.

Kind von Traurigkeit: Wounded Rhymes von Lykke Li
Lykke Li ist eine der wenigen Popkünstlerinnen, als deren Fan man sich gefahrlos an einem Punkkonzert outen kann. Auf ihrem Debütalbum „Youth Novels“ schaffte sie es, leichtfüssige und belanglose Musik zu machen, ohne sich zu verscherbeln. Lykke Li steht für Popmusik mit dem Anspruch, mehr als ein Kassenschlager zu sein. Und verkaufen tut sich Lykke. Ihr Debüt stieg in den schwedischen Albumcharts auf Platz 3 ein, ihre Konzerte sind grundsätzlich ausverkauft und sie ist gerne gesehener Act bei Über-Festivals wie Coachella und die Musikjournalisten aus aller Welt jubeln der jungen Schwedin zu. Da sind die Erwartungen an das zweite Album natürlich hoch.

So experimentierfreudig Lykke auch ist, komplett neu erfinden tut sie sich auf „Wounded Rhymes“ nicht. Die ätherische Qualität ihrer Songs ist geblieben, ebenso die honigsüsse Melancholie. Der erste Track „Youth Knows No Pain“ führt den beflissenen Hörer schon mal auf eine falsche Fährte. Aus Tambourin und Orgelklängen weben Lykke und Produzent Bjorn Yttling eine beschwingte, beinahe Gospel-artige Uptempo-Nummer. Gleich danach folgt „I Follow Rivers“ einige Takte langsamer. Gewürzt ist der pathetische Liebessong mit einer Prise Curry, das heisst Klängen vom indischen Subkontinent. Im zugehörigen wunderschönen Videoclip gibt sich Lykke Li mysteriös, erinnert aber in ihrem schwarzen Stoffgespinst irgendwie an Madonna zu „Frozen“-Zeiten (siehe Video unten und Albumcover oben).

Von der Queen of Pop abgeguckt hat sich Lykke sicherlich die Unverblümtheit. In „Get Some“ singt sie nonchalant: „Like the shotgun need an outcome / I'm your prostitute, you gon get some.“ Doch sogar in diesem aufgekratzten Track schwingt eine schwer fassbare Melancholie mit. Diese ist irgendwie immer Bestandteil von „Wounded Rhymes“, wie Lykke auch selbst betont: „The album is darker, moodier, and the lyrics are heavier“, betont sie. Deutlich wird das in „I Know Places“, das lediglich mit Gesang und Akustikgitarre auskommt. Weniger folkig, aber noch düsterer mit Horn und wehmütiger Gitarre ist „Silent My Song“.

„Wounded Rhymes“ ist eine Perle der alternativen Popmusik. Lykke Li kreiert aus Lebenshunger und Schwermut ein Monument der leisen Töne. Ein souliger Unterton macht sich durchgehend, wenn auch subtil bemerkbar. Wenn die letzten Töne der CD verklungen sind, bleibt der Nachgeschmack einer tiefen Traurigkeit. Beklagen tut sich aber keiner! Wie Lykke Li so schön sagt: Sadness is a blessing.


Lykke Li - Wounded Rhymes. EMI Music Publishing.
Lykke Li Homepage

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