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20. Februar 2016, 16:51 Kultur Movie

Berlinale: Von Müttern, Rappern und Postkarten

Christine Albrecht - Im zweiten Berlinaletext geht es um Pränataldiagnostik, um Palästinensische Rapper und um mutige Widerstandskämpfer. Am Sonntag schon kommt die diesjährige Berlinale zu einem Ende und verleiht heute die beliebten Goldenen und Silbernen Bären.

Berlinale: Von Müttern, Rappern und Postkarten
24 WOCHEN

In Anna Zohra Berracheds Zweitling mimen Julia Jentsch und Bjarne Mädel ein eingespieltes Paar: Sie Kabarettistin, er ihr Manager. Sie sind glücklich, erfolgreich und haben bereits eine Tochter. Nun erwarten sie ihr zweites Kind. Als sie erfahren, dass das Kind nicht gesund zur Welt kommen wird, nehmen sie die Herausforderung zunächst optimistisch an. Doch die Diagnose stellt die beiden auf eine harte Probe und stellt sie vor eine noch härtere Wahl.

Der Film dreht sich um die menschlichen Konsequenzen, die eine Pränatal Diagnostik für werdende Mütter hat und schliesslich auch um die Frage, ob Astrid (Julia Jentsch) das Kind behalten wird oder nicht. Eine Spätabtreibung ist zwar möglich, aber mir vielen moralischen Hindernissen verbunden.

Man hofft, dass sich der Film der Herausforderung stellt, Astrid die schwierigere Entscheidung treffen zu lassen. Im Gegensatz natürlich zu realen werdenden Müttern in derselben Situation, wäre die Ablehnung einer Abtreibung der easy way out. Astrid hätte die „richtige Entscheidung“ getroffen und wäre für ihren Mut zu respektieren. Narrativ gesehen die einfachere Lösung.Lässt der Film Astrid sich für eine Spätabtreibung entscheiden, zeugte das vom Mut der Mutter und der Filmemacher, den tabuisierten und unbeliebten Weg zu nehmen.

24 Wochen ist ein sehr gelungener Film, der sich einem wichtigen Thema annimmt und aufzeigt, dass es nicht immer eine richtige und falsche Entscheidung gibt.

4 von 5 Sternen

Regie: Anne Zohra Berrached
Buch: Carl Gerber, Anne Zohra Berrached
Cast: Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Johanna Gastdorf, Emilia Pleske
Land: Deutschland

JUNCTION 48

Musik wird seit jeher dazu benutzt Konflikte zu verarbeiten, darauf aufmerksam zu machen und gehört zu werden. Sowie in Udi Alonis Film Junction 48, in dem Kareem und seine Freunde sich mittels Rap als arabische Minderheit im Israel-Palästina-Konflikt ein Sprachrohr verschaffen.Der Palästinensische Rapper DAM und der Israelische Regisseur Udi Aloni zeigen die kritische Lage in der Stadt Lod, in der Araber und Israeli in eher feindlich nebeneinander leben und plädieren für eine dringend nötige friedliche Koexistenz.

Allein der Soundtrack, der charismatische Kareem (Tamer Nafar) und die schöne sowie smarte Manar (Samar Qupty) sind Junction 48 Wert. Kritisieren lässt sich einzig die Simplifizierung des Konflikts, die sich beispielsweise an der etwas karikaturesk geratenen Darstellung der Israelischen Rapper zeigt.Grundsätzlich aber ein sehr solider Film mit top Soundtrack, dem es leicht fällt den Zuschauer mitzureissen.

3.5 von 5 Sternen

Regie: Udi Aloni
Buch: Oren Moberman, Tamer Nafar
Cast: Tamer Nafar, Samar Qupty, Salwa Nakkara
Land: Israel, Deutschland USA

ALONE IN BERLIN

Das deutsche Ehepaar Quangel beginnt ihren ganz eigenen Widerstandskampf gegen das Naziregime, nachdem ihr geliebter Sohn an der Front gefallen ist. Otto (Brendan Gleeson) und Anna Quangel (Emma Thompson), beide ursprünglich nicht unbedingt Hitler-feindlich, verteilen Postkarten mit Nazi-kritischen Inhalten in ganz Berlin und bringen sich so in Lebensgefahr. Regisseur Vincent Perez hat Hans Falladas letzten Roman Jeder stirbt für sich allein auf die Leinwand gebracht.

Man erahnt es: Brendan Gleeson und Emma Thompson sind in Alone in Berlin natürlich tadellos. An Gleesons verschlossenem und bodenständigem Fabrikarbeiter und an Thompons gebrochener, verzweifelten Mutter ist tatsächlich nichts auszusetzen. Und doch mag der Film einen nicht gänzlich zu überzeugen. Das liegt vor allem daran, dass dem Prozess des radikalen Umdenkens des Ehepaars zu wenig Zeit gegeben wird. Dabei wäre eben dieser Weg zum Umkehrpunkt, dieser Wandel das Erwähnenswerte. So verfügt Alone in Berlin schliesslich über zu wenig Tiefe und schafft es nur schwer ein längerfristiges Mitgefühl beim Zuschauer zu erwecken.

3 von 5 Sternen

Regie: Vincent Perez
Buch: Achim von Borries, Vincent Perez, nach dem Roman von Hans Fallada
Cast: Brendan Gleeson, Emma Thompson, Daniel Brühl
Land: Deutschland, Frankreich, Grossbritannien




Bilder
Titelbild: Privat
24 Wochen: © Friede Clausz
Junction 48: © Amnon Zalait
Alone in Berlin: Marcel Hartmann © X Filme Creative Pool

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