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GegenSätze IV - Glück im Spiel...
Stöck, Wyys, Stich: Scharf auf scharfes Jassen
"Schreibe über etwas, das du kennst" – was dem Autor recht ist, ist der Kolumnistin nicht billig. Ich bin bekennende Jasserin. Einer der prägendsten Initiationsriten meiner Kindheit war wohl das Erlernen dieses Schweizer Volkssports. Wie bei jedem Spiel galt es zuerst die Grundregeln kennenzulernen: Farben, Werte, Spielmodus. Ein einfacher Trumpf, bei dem jeder gegen jeden antritt. Wie litt da meine zarte Kinderseele, wenn es trotz guten Karten nicht zum Sieg reichte. Als ich genügend alt war, um in der Frage "machen wir einen Schieber zu viert?" nichts Vulgäres mehr zu entdecken, weihte man mich in die Geheimnisse der Spielstrategien ein. Jassen war plötzlich kein egoistisches Tschau-Sepp-Spielchen mehr, sondern ein Mannschaftsspiel mit Taktik, Spielwitz, Risiken, Herausforderungen und Ehrgeiz zum Sieg. Aus dem Grümpelturnier wurde mit viel Übung die Champions-League. Der Aufstieg lohnte sich. Auftrumpfen kann man mit einem guten Jasspartner, nicht mit einem glücklich gemischten Blatt. Denn das Glück ist relativ. Nach einigen Runden, spätestens aber nach einigen durchzechten Jassabenden gleicht sich die Bilanz von Weisen und Kartenglück wieder aus, der Wahrscheinlichekit sei Dank. Bei einer Einladung zu einem Light-Jass winke ich dankend ab: Wer will schon am Grümpleturnier den Fuss verstauchen, wenn er Champions-League-Qualitäten hat?
Ich jasse gerne. Wirklich. Doch gibt es kaum ein Spiel, dass stupidere Spielweisen kennt, als der "Schweizer Volkssport". Wo für mich Taktik und Können aufhören ist dort, wo man weist und gewisse Spielarten plötzlich mehrfach zählen. Hat man also vier Asse und kann locker ein "Obenabe" riskieren, schenkt der Faktor Glück gleich doppelt ein. Man kann ähnlich gut jassen wie der Gegner, verliert aber trotzdem, nur weil die anderen permanent irgendeinen Mist weisen können und ihnen das Kartenglück immer die höher zählbaren Trümpfe zuspielt. Das gleicht sich ganz bestimmt nicht einfach so aus und hat auch nichts mit Leistung am Hut. Die Wahrscheinlichkeit wird ausgetrickst, wenn vier Bauern mehr Punkte ergeben, als vier Damen. Wieso das Glück noch zusätzlich ins Spiel bringen? Taktik ist wichtig beim Jassen, klar. Aber eine gute Taktik ist wertlos ohne Kartenglück. Und das allerschlimmste ist das Prinzip des Wegwerfens bzw. Anzeigens: Hier wird die Taktik je nach Situation zum Eigentor. Dann doch lieber hinten dicht machen und hoffen, dass vorne einer reinkullert. Nur sture Traditionalisten beharren auf Regeln, welche dem Zufall mehr dienen, als dem Geschick.
(so. ist ein eingetragenes markenzeichen der w-corporation. alle rechte vorbehalten.)
und noch was @patti: wie oft kam es schon vor, dass in einer ungemütlichen und vor allem schweigenden runde, einer auf die rettende idee kam, ein bier zu zücken. einmal losgelegt, ergeben sich gespräche, die zuvor gelangweilten gesichter verwandeln sich und zeigen fröhlich gerötete wangen und je länger je mehr wird in einer für alle unverständlichen sprache kommuniziert. nur über männerzeugs zwar, aber besser, als vor langeweile einzuschlafen.
und noch was @menikmati:. wie oft kam es schon vor, dass in einer ungemütlichen und vor allem schweigenden runde, einer auf die rettende idee kam, ein kartenspiel zu zücken. einmal losgelegt, ergeben sich gespräche, die zuvor gelangweilten gesichter verwandeln sich in und zeigen fröhliche spiellaune und ab sofort wird in einer für alle verständlichen sprache kommuniziert. nur übers jassen zwar, aber besser, als vor langeweile einchlafen.
(man kann eben auch nicht allen zumuten, einen ganzen abend lang mir zuzuhören. insofern ist jassen eine gute möglichkeit, mich zumindest mal halbwegs ruhig zu stellen)
zweitens gibt es tatsächilch ganz viele gründe, warum man jassen hassen kassen. kann. zum beispiel weil man es nicht beherrscht. oder weil man es nicht beherrschen will? huhn-ei-konfusion. so.
drittens gibt es für männer genügend alternativen zum jassen, um ihre cojones zur schau zu tragen. so.
ich sprech hier auch eher vom generationenverbindenden element. ich hab keine lust, meinen eltern stockbesoffen mein geschlechtsteile zu zeigen und dazu russische lyrik zu rezitieren (das hört sich eher nach einer szene aus "a fish called wanda" an). im übrigen bin ich multitaskingfähig und kann mein "grosses plappermaul" (zitat W) auch beim jassen weiterlaufen lassen. so.