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Ein kleiner Rant / Danke für Nichts, Stipendienamt.

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22.01.2020

Nach so vielen Jahren habe ich es 2018 endlich geschafft, ins Studium zu kommen. Meinem Traum einen grossen Schritt näher, und den Fehler, zu dem ich mich als unwissendes, viel zu scheues 16-Jähriges Mädchen entschieden hatte, kann ich endlich ausbüg... [mehr]
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Ein kleiner Rant / Danke für Nichts, Stipendienamt.

22.01.2020 um 08:44

Nach so vielen Jahren habe ich es 2018 endlich geschafft, ins Studium zu kommen. Meinem Traum einen grossen Schritt näher, und den Fehler, zu dem ich mich als unwissendes, viel zu scheues 16-Jähriges Mädchen entschieden hatte, kann ich endlich ausbügeln. Ich bin jetzt also in der Hälfte meines Studiums. Und obwohl ich es liebe, zu studieren, stehe ich kurz vor dem Ende. Mein Körper hat keine Energie mehr und alles passiert automatisch, ich sehe meine Freunde selten bis gar nicht, und wenn, für einen Kaffee zuhause. Abends würde ich gerne mal weggehen aber ich kanns mir nicht leisten, also bleibe ich zuhause oder arbeite. Ein freies Wochenende ohne Arbeit Samstag und Sonntag kann ich mir auch kaum leisten, weil es Geld ist, was ich nicht verdienen würde.Ich liebe mein Studium. Ich liebe die Schule, die Klasse, die Kurse! Ich hasse es allerdings unglaublich, dass ich mich nicht auf die Schule fokussieren kann, sondern alles ums Überleben gehen muss. Ich habe 3 Jobs, eine Anwesenheitspflicht in der Schule und Projekte, bei denen ich eigentlich gerne einen guten Job machen würde. Ich bin bald 30 Jahre alt. Wohne schon lange nicht mehr zuhause. Und trotzdem sollen noch meine Eltern für mich zahlen. Und trotzdem bekomme ich vom Kanton nur 200.- pro Monat zum Leben.Durch mein Alter und meine Erstausbildung kann ich von nichts profitieren, das für Studenten wäre. Woko, Juwo, viele Stipendien. Maximal 28-30, danach seid ihr bitte fertig und draussen. Und ja. Sogar das Sozialamt ‘kann nichts machen’: Ich habe ja bereits meine Erstausbildung absolviert; ich bin nicht darauf angewiesen, zu studieren.

In einem Referat kam dann die Nachricht, dass das vielen Studenten so geht. Sie haben oder stehen kurz vor dem Burnout. Schule, Prüfungen, Projekte, Anwesenheitspflicht, mehrere Jobs, damit man sich knapp über Wasser halten kann, so knapp, dass jedoch Ende Monat nichts bleibt. Währenddessen dreht der Kanton in der Bildung jeden Rappen um, um dann aber Milliarden als Kredit aufzunehmen für eine neue Strasse.Ich weiss leider noch nicht, wie ich möglichst neutral auf solche Situationen reagieren soll, oder warum niemand etwas ändert an der Bildungssituation. Aber ich hoffe, dass sich eines Tages 15-Jährige noch nicht mit Berufswahlen auseinandersetzen müssen und wenn, dann weil sie wollen und nicht nur, damit der Berufsberater ein weiteres Kind untergebracht hat in eine Lehre, die völlig an den Interessen des Kindes vorbeigeht.Dafür, dass es zu meiner Schulzeit immer hiess ‘man kann sich ja jederzeit umlernen oder weiterbilden’ wird einem unglaublich viel Steine in den Weg gelegt. Tatsächlich sollte es heissen: Man kann sich ausbilden, wenn man jung oder reich ist.

Kommentare
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Stardream 02.02.2020 um 09:43
Auch haben früher viele Damen, die ein Studium machten, im SAKURA, Oberengstringen, (Eroticclub) gearbeitet, um Geld zu machen. Schlimm!
el_barto 28.01.2020 um 12:19
Es hört sich paradox an, aber um mehr Zeit für mich zu haben, nahm ich 1 Stunde Weg in Kauf (also 2x pro Tag) und ging wieder zu meinen Eltern (natürlich mit viel Hausarbeit). War perfekt, auch wenn ich natürlich gewünscht habe, alleine oder in einer WG zu wohnen. Aber ich entschied, nicht über meine Verhältnisse zu leben. Brauchte nur einen Job und konnte locker bis zu 4x in den Ausgang pro Woche... Aber ich denke es hängt auch davon ab, was man studiert und abverlangt wird. Geisteswissenschaften kann mühsam sein mit all den Büchern und Lektüre, wogegen bei Naturwissenschaften nicht zwangshaft zusätzlichen Lernstoff dazukommt.

ALSO: man kann nicht alles haben, da man studiert. Entweder lebst du in deinem Heim oder kannst dir richtigen Ausgang/Konzerte etc. leisten. Diese Erfahrung hab ich machen müssen. Also mein Tipp, da du Nahe bei der Uni/ETH wohnen willst: Plane deinen Ausgang wie Ferien im Voraus mit einer Sammelkasse (die Vorfreude ist dann auch super) und um unter deine Freunde zu kommen, lade sie zu einem Spieleabend oder so ein, anstatt dir ein schlechtes Gewissen einzureden, du hättest keine Zeit für Kollegen. Wenn du das Soziale zu fest ignorierst dann brennt sicher was in dir aus.

UND ganz wichtig, lass dich nicht von solchen, die jedesmal mit so teuren Schnickschnack und Starbucks Kafi und so auftauchen, dich runterkriegen. Denen musst du nichts vormachen und offen (v.a. dir) zugestehen, dass du diesen Lebensstil (noch) nicht leisten kannst.

Da sich das Bildungssystem sich nicht unseren Umständen so schnell anpasst, muss du dich eben an deinen anpassen. Ich finde es auch ärgerlich, dass man teilweise am Existenzminimum leben muss. Ich hatte NIE Chancen auf Stipendium. NIE.
Aber zum Glück war das nach 4.5 Jahren vorbei.
Stardream 24.01.2020 um 08:45
Das ist echt traurig!