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26. Januar 2009, 13:10 Movie

DVD der Woche: WALL-E

Christina Ruloff - Einer der grossen Filme des Jahres 2008 erscheint auf DVD – WALL-E beweist, dass Animationsfilme nicht nur Spass machen, sondern durchaus auch spielerisch ernsthafte Themen anschneiden können: Der Film ist mit einem Wort klasse. Die Erde – ein gigantisches Meer aus Müll. Di...

Einer der grossen Filme des Jahres 2008 erscheint auf DVD – WALL-E beweist, dass Animationsfilme nicht nur Spass machen, sondern durchaus auch spielerisch ernsthafte Themen anschneiden können: Der Film ist mit einem Wort klasse.

Die Erde – ein gigantisches Meer aus Müll. Die Menschen haben den Planeten schon lange verlassen, weil sie zuvor alles verseucht und zerstört haben. Und wer schert sich schon um Umweltschutz, wenn es „lots of space in space“ gibt? In der öden Einsamkeit der Müllschluchten gibt es nur noch ein Lebewesen, genauer gesagt einen Roboter, der versucht etwas Ordnung zu schaffen: WALL-E. Seit einer schieren Unendlichkeit fährt er tagein tagaus durch die Schrottberge und stapelt den Abfall, sammelt sich aber auch die eine oder andere Rarität für seinen Container: Ein Feuerzeug, ein Musical-Video, eine Pflanze.

„Unser“ Lieblingsroboter hat bereits menschliche Züge angenommen, er wippt zu guter Musik mit, er schaut sich gerne einen schönen Sonnenuntergang an, er pflegt das Insekt, das seine Einsamkeit teil, mit liebevoller Sorge... und er sehnt sich nach mehr. Als die Super-Roboterin mit dem sprechenden Name EVE aus dem All auftaucht, ist er hin und weg und folgt ihr von nun an überall hin.

WALL-E ist ein kleines, paradoxes Filmwunder. Tatsächlich ist der Roboter, gerade wegen seiner relativ beschränkten Möglichkeiten, seine Gefühle zu äussern, unglaublich und niedlich. Es ist das Grobe, Unverfälschte und ganz und gar Ehrliche an seinen Motiven, Bewegungen und Taten, das einen in den Bann zieht. WALL-E ist sozusagen der bessere Mensch; er (bzw die Drehbuchautoren) kommt fast ganz ohne Sprache aus. Der Gegensatz zu den realen Menschen, zu der sogenannt zivilisierten Gesellschaft ist stossend und umso abstossender, weil einem eine Travestie der amerikanischen Gesellschaft vor Augen geführt wird: Überfettet, auf einen Sessel gefesselt auf einen Bildschirm starrend vegetieren diese Kreaturen vor sich hin, ohne Geist, Tätigkeit, Erwartungen, Hoffnungen, leblos. Die Macher haben ihre grossen Science-Fiction-Vorbilder (von Stanislaw Lem bis Philip K. Dick) sehr genau studiert: Von der Vermenschlichung der Roboter über den Roboter-Aufstand zur bemerkenswerten Wertschätzung echten Lebens sind zahllose Hinweise auf eine Anti-Utopie gegeben – man muss sie nur sehen und vor allem sehen wollen.

Das amerikanische Happy Ending mit den glücklich Händchen haltenden Robotern und den die Erde rettenden Menschen kommt quasi aus dem Nichts und verleiht dem Film einen etwas bitteren Nachgeschmack. Von dem eigenen Mut zur Wahrheit erschrocken, haben sich die Macher für die sichere Lösung entschieden, schliesslich will man weder die Sechsjährigen noch ihre Eltern zu Tode erschrecken, sondern sie ins Kino locken und ihnen wohlmöglich noch eine schnuckelige Plastikfigur verkaufen. Das ist die Realität der Filmbusiness und in diesen gegebenen Grenzen, hat WALL-E viel erreicht und die Türen weit geöffnet. Und das alles ändert nichts daran, dass WALL-E ein absolut bemerkenswerter Film ist, den man gesehen haben muss.

WALL-E erscheint am 29. Januar auf DVD!

(c) ALLE BILDERRECHTE LIEGEN BEI THE WALT DISNEY STUDIOS MOTION PICTURES

Kommentare
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bluecrystal
bluecrystal 26.01.2009 um 17:14
Ich fand den Film echt super: Süss, witzig, spannend -und eben: JÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ!