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30. Januar 2009, 17:31 Kultur

Öper Öpis @ Schauspielhaus

Jan Rothenberger - Menschen, die andere herumwirbeln, ein Mann der von seinen Kleidern attackiert wird und anderes mehr hält dieses überaus kinetische Stück bereit.Konzentriert werkeln de Perrot und Zimmermann an einer langen Reihe von Klötzen, die sie entlang der schrägen Bühnenplattform ane...

Menschen, die andere herumwirbeln, ein Mann der von seinen Kleidern attackiert wird und anderes mehr hält dieses überaus kinetische Stück bereit.

Konzentriert werkeln de Perrot und Zimmermann an einer langen Reihe von Klötzen, die sie entlang der schrägen Bühnenplattform aneinander reihen. Die beiden Regisseure und Querdenker hinter dem dialogfreien Stück "Öper Öpis" sind nämlich selber in ihrem Stück zu sehen respektive zu hören. Der Theatersaal füllt sich nun langsam während gleichzeitig die Beleuchtung heruntergedunkelt wird.

Der Verdacht, dass angesichts der prekären Schräglage der Bühne viel Bewegung und eine Tendenz zum taumelnden Absturz das Stück prägen wird, bestätigt sich schnell. Wie eine Reihe Dominos fallen die aufgereihten Klötze nach einem Anstoss polternd um. De Perrot, der an einem Turntable am Bühnenrand fortan mit Soundinstallationen das Treiben begleiten wird, nimmt dieses Scheppern auf und loopt es gekonnt zu einem Hintergrundbeat. Derweil ringt Zimmermann auf der frei zu schwanken beginnenden Plattform mit dem Gleichgewicht, während er sich in einer Art komischen Balletts mit einer frei herumrutschenden Möbelgarnitur im Tanz dreht. Schwer und schwerelos sieht das aus, schwungvoll und gekonnt. Vor allem ist es immer überraschend ausdrucksstark und auf hintergründige Art komisch.
Nach und nach gesellen sich schnell weitere Figuren auf die Bühne. Das Ensemble besteht ungewöhnlicherweise aus ZirkusartistInnen: Kati Pikkarainen, Blancaluz Capella, Victor Cathala, Rafael Morales und Eugénie Rebetez. Mit ihnen hat sich das Schweizer Regieduo einen Trupp von BewegungsspezialistInnen der Extraklasse an Bord geholt, die ein ungeahntes Ausdruckspotential des menschlichen Körpers auf die Bühne bringen. Die Schauspieler veranstalten auf der schwankenden Bühne ein kleines Welttheater, und das in atemlosem Tempo. Sich umkreisend, anziehend und wieder abstossend finden sie sich in immer neue Konstellationen, in denen kleine bewegte Bilder enstehen. Mal karikieren sie unser kollektives Abstrampeln im Fitnessstudio, mal werden Partnersuche oder Büroalltag metaphorisch auf die Schippe genommen - immer abwechslungsreich, originell, und so schnell, dass man kaum folgen kann. Die Figuren ringen miteinander, mit dem schrägen Boden, mit Möbeln, mit ihren Spiegelbildern, oder mit sich selbst. Sie fallen, springen, klettern, gestikulieren, tanzen oder erstarren, nur um gleich wieder neu einzutauchen in den faszinierenden Reigen. Das alltägliche diesem und jenem "Hinterherhecheln" als conditio humana des modernen Lebens wird so in den verschiedensten Facetten porträtiert - dergleichen hat man noch nicht im Theater erlebt.

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