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2. Februar 2009, 20:03 Movie

Twilight

Christina Ruloff - Die Schöne, das Biest und die romantischen Träume zehnjähriger Mädchen: Catherine Hardwicke („Thirteen“, „The Nativity Story“) inszeniert den Vampirroman von Stephenie Meyer als stilisierten Gothic-Kitsch. Wie muss ein wirklich attraktiver Mann sein? Liebenswürdig, c...

Twilight
Die Schöne, das Biest und die romantischen Träume zehnjähriger Mädchen: Catherine Hardwicke („Thirteen“, „The Nativity Story“) inszeniert den Vampirroman von Stephenie Meyer als stilisierten Gothic-Kitsch.

Wie muss ein wirklich attraktiver Mann sein? Liebenswürdig, charmant, intelligent, gutaussehend – möchte man meinen. Aber Millionen von Amerikanerinnen haben anders votiert: Sie haben sich unsterblich in einen bleichen egomanen Kerl verliebt, der nichts von der Frau seiner Träume wissen will, weil sie so hot ist, weil sie so toll riecht, weil sie sein Opium ist. Wenn er in der Schule neben ihr sitzen muss, ist er hinterher eine Woche krank. Ein vernünftiges Gespräch ist mit ihm nicht zu bewerkstelligen. Entweder starrt er wie an, wie wenn er sie gleich auffressen möchte, oder er glotzt ganz weit weg. Apropos auffressen: Edward ist ein Vampir. Auf einer Hot or Not? - Skala bringt ihm sein blutiger Trieb gleich weitere 1000 Punkte ein. Problematischer ist jedoch, dass Edward seine Liebe fast immer auffressen möchte... ihn zu lieben bedeutet also, den Tod liebend gerne in Kauf zu nehmen und in ständiger Gefahr zu leben...

"Warum benimmt er sich nur so seltsam? Was mach ich bloss falsch?" Bella möchte Edward verstehen... vergeblich.

Twilight basiert auf einem Traum der Autorin Stephenie Meyer: Sie sah, wie sich ein Mädchen und ein Vampir auf einer Lichtung trafen und unsterblich verliebten. Praktischerweise war der junge Mann Vampir, so dass er sich seiner Geliebten nie wirklich nähern durfte – aus Sicherheitsgründen. Dieser Kunstgriff der Autorin, die der mormonischen Kirche angehört, führt dazu, dass die Liebenden abstinent bleiben, sich zwar sehnsüchtig und lustvoll anschauen, aber eben nicht mehr... Der Film illustriert diese sich gegenseitig verzehrende Liebe, dieses Verliebtsein, ja die Obsession gekonnt. Bella (Kirsten Stewart) und Edward (Robert Pattinson, der den Cedric in der Harry Potter-Reihe spielte) sind beide so durchschnittlich: durchschnittlich hübsch, durchschnittlich egozentrisch, unterdurchschnittlich intelligent und voller schwachsinnig-romantischem Gewäsch – dass sie die Kinderzimmer unendlicher Fans schmücken und zur vollen Identifikation einladen. Ihre Liebe wird dramaturgisch gekonnt auf die Probe gestellt und überwindet humorlos jedes Hindernis.

Vampir-Sein ist nicht leicht: Edward steckt im Dilemma und leidet.

In den USA hat der relativ günstige Film bereits 180 Millionen Dollar eingespielt und wird in Kürze die 200 Millionen Dollar-Grenze knacken. Twilight verspricht jungen Frauen die ganz grosse, ergreifende und alles umfassende Liebe und erfüllt dieses Versprechen ohne Wenn und Aber. Der Preis ist die Abstinenz. Geliefert wird ein junger Mann, von dem Gefahr, Leidenschaft und Egozentrik ausgehen – ein Mann, um den Erwachsene einen weiten Bogen machen würden und über den sie kopfschüttelnd schmunzeln. Naivität ist ein rührendes Vorrecht zehnjähriger Mädchen und solange sie sich nur auf Kinofilme beschränkt, nicht weiter schädlich...

Bewertung: 3 von 5

  • Originaltitel: Twilight
  • Land: USA
  • Regie: Catherine Hardwicke
  • Darsteller: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Billy Burke, Peter Facinelli, Elizabeth Reaser, Nikki Reed
  • Verleih: Ascot-Elite
  • Release: 5. Februar
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