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2. Februar 2009, 20:13 Movie

DVD der Woche: Female Agents

Christina Ruloff - Die Frauen in der Résistance: Jean-Paul Salomé gelingt ein packender Weltkriegsthriller, der hervorragend unterhält, ohne den meist wenig heroischen Hintergrund des Widerstandes zu verheimlichen. Inspiriert wurde der Regisseur von einem Nachruf auf Lise Villameur, der im Jahre...

DVD der Woche: Female Agents
Die Frauen in der Résistance: Jean-Paul Salomé gelingt ein packender Weltkriegsthriller, der hervorragend unterhält, ohne den meist wenig heroischen Hintergrund des Widerstandes zu verheimlichen.

Inspiriert wurde der Regisseur von einem Nachruf auf Lise Villameur, der im Jahre 2004 in „The Times“ erschienen war. Villameur war eine der grossen Gestalten des SOE (Special Operations Executive); sie hatte, per Fallschirm ins besetzte Frankreich eingeschleust, mehrere Missionen superb gemeistert, Quartiere für Spione eingerichtet, geheime Informationen transportiert und weitergeleitet, notfalls aber auch zur Waffe gegriffen. Ihre Vorgesetzten waren der Meinung, dass sie eine ausserordentliche Agentin gewesen sei und einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Widerstandsarbeit gehabt hatte.

Frauen an die Waffe: Julie Depardieu weiss sich zu wehren.

Dass die Leistung der weiblichen Agenten in Frankreich schnell in Vergessenheit geriet, ist bezeichnend für das Selbstbild der Grande Nation, die sich gerade in Sachen Zweiter Weltkrieg noch immer sehr schwer tut: “Out of more than 1,000 Liberation Crosses that were awarded, only six went to women.”, bemerkt der Regisseur. Mit seinem Film Female Agents wollte er die Leistung der Frauen in der Résistance würdigen und der Öffentlichkeit bekannt machen.

Er erzählt von vier fiktiven Agentinnen, die unter der Führung von Sophie Marceau nach Frankreich geschickt werden, um einen für den D-Day wichtigen Wissenschaftler zu befreien. Natürlich geht alles schief und die vier Frauen finden sich gegen ihren Willen in Paris wieder, auf einer neuen mörderischen Mission...

Nazis für einmal nicht dämlich sondern grausam und intelligent: Moritz Bleibtreu spricht ganz ohne Akzent Französisch.

Female Agents ist kein subtiles Meisterwerk wie Armée des ombres (Jean-Pierre Melville); im Vordergrund stehen auch nicht so sehr die Methoden der Résistance und die inhärente und perfide Gefahr im Widerstand, als die Schicksale der Frauen, die vordergründig zwar für „le drapeau“ kämpfen, aber eigentlich in erster Linie für ihre Kameradinnen ihr Gewissen quälen und ihr Leben opfern. Das so abstrakte Vaterland wird angesichts von Menschenleben unwichtig und klein. Dabei geht La France mit ihren treusten Soldaten nicht zimperlich um, sondern erpresst und erzwingt die Dienste der vermeintlichen Patrioten auf widerliche Art und Weise, gerade wenn es sich um Frauen handelt. Am Ende zählte nicht der Einsatz, sondern das Resultat, so dass sich mancher Kollaborateur in Anbetracht der Niederlage der Nazis schnell der Seite der Gewinner anschloss, um Kasse zu machen. All dies zeigt Female Agents auch... der Film charakterisiert aber vor allem die Frauen.

Ein bisschen Kitsch und Typisierung (wir haben es nicht mit Individuen zu tun) ist dabei, wie immer, wenn man heroisieren und feiern will. Female Agents liefert aber zugleich spannende, realistische und bestürzende Unterhaltung und gehört damit zu besten Zweitweltkriegsfilmen, die in den letzten Jahren gemacht wurden.

Female Agents ist neu auf DVD erschienen!

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