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7. Februar 2009, 15:53 Kultur

Major Barbara @ Schauspielhaus

Robert Salzer - Theater der alten Schule im Pfauen. Peter Zadek inszeniert Bernard Shaw.Beim Schlussapplaus tanzen sie noch einmal alle den Square Dance. Vorher haben die Schauspieler zweieinhalb Stunden klassisches Theater gezeigt, ohne Blut, ohne Nacktheit und all die anderen Erscheinungsforme...

Major Barbara @ Schauspielhaus
Theater der alten Schule im Pfauen. Peter Zadek inszeniert Bernard Shaw.

Beim Schlussapplaus tanzen sie noch einmal alle den Square Dance. Vorher haben die Schauspieler zweieinhalb Stunden klassisches Theater gezeigt, ohne Blut, ohne Nacktheit und all die anderen Erscheinungsformen der modernen Inszenierungen, die in der letzten Zeit so in Mode gekommen sind. Regisseur Peter Zadek, sichtlich gezeichnet von seiner schweren Krankheit, betritt mit seinem Team die Bühne, winkt lächelnd mit seinem Stock und nimmt ebenfalls den Applaus des Publikums entgegen.

Zu Beginn des Stückes befinden wir uns im Salon von Lady Britomart Undershaft, hervorragend als General der Familie gespielt von Nicole Heesters. Mit ihrem Sohn Stephen (Michael Ransburg), den sie nach wie vor streng unter ihren Fittichen hält, diskutiert sie die Lage der Familie. Sie ist alleinerziehend und hat ihren Mann, Andrew Undershaft (Robert Hunger-Bühler), einen reichen Waffenhändler, vor langer Zeit verlassen, da sie nicht damit klar kam, dass dieser einerseits sein Geld mit dem Leid anderer verdiente und andererseits sein Vermögen nicht an seinen Sohn sondern an einen Findling vererben wollte. Finanziell unterstützt hat er die Familie trotzdem und so ist er heute von Lady Britomart eingeladen worden, um vor Allem den Töchtern in heiratsfähigem Alter mit Geld unter die Arme zu greifen. Als er kurz darauf erscheint, ist die ganze Familie anwesend. Sarah (Viera Kucera) mit ihrem witzigen Verlobten Charles Lomax (André Meyer), sowie Barbara (Julia Jentsch) mit ihrem Freund, dem Griechischprofessor Adolphus Cusins (August Diehl), sowie Stephen. Dass er seine Kinder nicht von deren Freunden unterscheiden kann, beweist dass er lange nicht hier war. Insbesondere Barbara, die in der Heilsarmee arbeitet, hat es dem Waffenhändler angetan. Ihr Einsatz für die Armen macht Undershaft neugierig. Er fasst einen Plan und geht mit Barbara eine Wette ein. Sie wollen sich gemeinsam besuchen, erst er in die Heilsarmee gehen, dann sie in seine Fabrik, um herauszufinden, wer einen besseren Beitrag zur Armutsbekämpfung leistet. Als der reiche Undershaft den fast bankrotten Heilsarmeeschuppen besucht, wird das ehrliche Gewissen von Barbara auf eine harte Probe gestellt.

Bernard Shaw (1856-1950) erhielt 1925 den Nobelpreis für Literatur. Major Barbara schrieb er 1906, bekannt wurde er vor allem durch das 1913 erschienene „Pygmalion“, welches die Grundlage zum Musical und Film „My fair lady“ lieferte. Zadek situiert das Stück in den 1930er Jahren während der Weltwirtschaftskrise – vielleicht eine Anspielung auf die aktuelle Wirtschaftslage. Das Bühnenbild ist einfach gehalten. Der Salon von Lady Britomart schmücken einige Stühle, ein Ledersofa und ein Schreibtisch. Dahinter ragt eine grosse Plexiglaswand in die Höhe, die so aussieht als seien Eisblöcke aufeinandergestapelt worden. Im zweiten Akt ist diese Wand auf die Seite gestellt und der Heilsarmeeschuppen wird als kleines Zelt sichtbar, rundum stehen Tische, Bänke und Tonnen. Man kommt sich etwas vor wie in einem amerikanischen Slum. In der Waffenfabrik später sieht der Zuschauer den hinteren Teil eines riesigen Armeeflugzeuges, darunter stehen einige Bomben. Das Stück ist nicht immer einfach zu verstehen, da Shaw teilweise sehr belehrende Weisheiten von sich gibt. Diese werden aber mit Witz und Komik verknüpft, so dass man sich nicht wie in einer Schulstunde über die Armutsbekämpfung fühlt.

Der Zuschauer merkt, dass die Schauspieltruppe drei Monate geprobt hat, was lange ist für das professionelle Theater. Die Charaktere sitzen, sind glaubhaft und vor allem nicht klischeehaft dargestellt. Einzig gewisse Längen und die zu umfangreiche Heilsarmeeszene sind zu beanstanden. Ansonsten bietet Major Barbara einen schönen Theaterabend und vielleicht leider die letzte Möglichkeit ein Stück von Peter Zadek auf der Bühne zu sehen.

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