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10. Februar 2009, 00:00 Movie

Frost/Nixon

Simone Meili - Ein Duell der ungleichen Art: Ex-Präsident Richard Nixon, Hassfigur der liberalen intellektuellen Elite, im verbalen Schlagabtausch gegen Spassmoderator David Frost. Man könnte sagen David gegen Goliath, aber eigentlich verhältnismässiger wäre man stelle sich vor, Oliver Poc...

Frost/Nixon
Ein Duell der ungleichen Art: Ex-Präsident Richard Nixon, Hassfigur der liberalen intellektuellen Elite, im verbalen Schlagabtausch gegen Spassmoderator David Frost. Man könnte sagen David gegen Goliath, aber eigentlich verhältnismässiger wäre man stelle sich vor, Oliver Pocher würde sich mit Wladimir Putin anlegen.

Aus irgendeinem Grund hat sich der bisher wenig für Politik interessierte Frost (Michael Sheen) aber fest in den Kopf gesetzt, er müsse derjenige sein, der Richard Nixon (Frank Langella) interviewt und zu einer öffentlichen Entschuldigung für seine Taten (u.a. Watergate) bewegt. Denn, obwohl die Fakten eindeutig gegen ihn sprechen, hat der abgetretene Präsident Nixon nie seine Schuld gestanden und dank der Begnadigung seines Nachfolgers Gerald Ford kann er deswegen auch nie juristisch belangt werden. Seiner Vision folgend greift Frost tief in die Tasche, um Nixon zu einem Interview zu bewegen – in der Hoffnung natürlich, damit viel Geld zu verdienen und gross herauszukommen. Dabei hat er natürlich keine Ahnung, worauf er sich einlässt. Von den seriösen Fernsehprogrammen glaubt denn auch niemand daran, dass ein politisch so unerfahrener Typ wie Frost bei den Interviews etwas herausholen könne – so bleiben die Geldgeber aus und Frost droht der Ruin.

Naiver Frost, redegewandter Nixon

So leichtsinnig diese Idee auch sein mag, man muss Frost zugute halten, dass er nicht gleich aufgibt – es zählen eben alle Runden. Darauf baut dieser einer Dokumentation nachempfundene Film, frei nach dem Hollywood-Prinzip des Underdogs, der zuerst (anscheinend) alles versaut, es aber dann doch zum Helden schafft.

Frank Langella brilliert als altehrwürdiger, rednerisch überlegener Präsident Nixon, der seine Trümpfe ausspielt, aber irgendwann erschöpft ist vom ewigen Spiel. Schuld ist er sich keiner bewusst – einer wie er hat sich nicht zu entschuldigen – aber er spürt den immer stärker aufbrausenden Gegenwind und ist letztendlich zu müde oder es zumindest leid, sich dem entgegenzustellen. Eine so starke Zugluft ist schliesslich auch ziemlich ungesund – da lebt es sich besser zurückgezogen auf seiner schönen Residenz im sonnigen Kalifornien.

Die TV-Interviews von David Frost mit Richard Nixon sorgten für die höchsten Einschaltquoten einer Informationssendung in der Geschichte des amerikanischen Fernsehens. Über 45 Millionen Zuschauer verfolgten im Sommer 1977 die verbale Schlagabtausch zwischen dem Entertainer und dem Ex-Präsidenten. Kein Wunder also, dass das Rededuell zwischen Frost und Nixon nach einiger Zeit zu einem Theaterstück adaptiert wurde. 2006 hatte Frost/Nixon Premiere. Zwei Jahre später beschloss man, das Stück zu verfilmen. Michael Sheen und Frank Langella, die ihre Charaktere zwei Jahre lang beim Broadway-Stück verfeinern konnten, waren natürlich als Hauptdarsteller gesetzt.

Obwohl die Inszenierung sehr anschaulich ist und mit guten Pointen auflauert, ans Original kommt sie wohl nicht heran. Es ist und bleibt eben eine Inszenierung und keine Dokumentation. Die Einspielungen von Interviewkommentaren, die aber nicht von echten Experten gemacht werden, sondern von Schauspieler nachgestellt werden – eine Art inszenierter Dokumentarfilm – wirken eher gekünstelt, wenn nicht befremdend. Wer aber ein Stück spannende Geschichte erleben möchte, ohne sich durch Archive zu wühlen, der ist hier gut bedient.

Bewertung: 4 von 5

  • Titel: Frost/Nixon
  • Land: USA
  • Regie: Ron Howard
  • Darsteller: Michael Sheen, Frank Langella, Kevin Bacon, Rebecca Hall u.a.
  • Verleih: Universal Pictures
  • Release: 12.2.2009
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