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12. Februar 2009, 16:18 Kolumnen

Wiener Geschichten, die letzte.

mirjam fuchs - „Eine glatte Eins! Hurra! Manchmal bin ich ja so notengeil…“ schreibt meine Freundin Greta aus Wien per SMS. Ich formuliere ein paar tröstende Worte, aber realisiere beim Tippen, dass ich wieder einmal hereingefallen bin. Greta meint das nicht etwa selbstironisch, sondern ...

Wiener Geschichten, die letzte.
„Eine glatte Eins! Hurra! Manchmal bin ich ja so notengeil…“ schreibt meine Freundin Greta aus Wien per SMS. Ich formuliere ein paar tröstende Worte, aber realisiere beim Tippen, dass ich wieder einmal hereingefallen bin. Greta meint das nicht etwa selbstironisch, sondern hat grade mal eben die Bestnote abgeräumt. Wir Schweizer Studierenden freuen uns über Sechser, die Wiener über Einser - so ist das. Aber Wien mit seinen Eigenheiten liegt mittlerweile ja auch weit weit weg, denn ich bin wieder in Zürich. Zurück aus meinem Erasmussemester in Wien, versuche ich mich gerade einzurichten in meinem neuen, alten Leben. Das ist gar nicht so einfach: In meinem Zimmer hat die viel zitierte Bombe eingeschlagen. Es türmen sich die Kisten und ich hab keine Ahnung, wo ich all meine Sachen hinräumen soll! Hilfe! Aber Aufgeben gilt nicht, denn Montag geht die Uni wieder los und ich brauch mein Zimmer als sicheren Hafen. Irgendwo und irgendwann muss ich ja noch verarbeiten können, was ich die letzten fünf Monate im Ausland so alles erlebt habe. Und das ist gar nicht so wenig. Vor allem war nicht immer alles eitel Sonnenschein, davon kann Kollege Rohrer im winterlichen Helsinki sicher auch ein Liedchen singen.

In Wien kommt einem in der Winterzeit ein ganz rauer Wind entgegen; eisig und gemein wie er ist, lässt er sich durch nichts aufhalten. Dass solche Witterungsverhältnisse keine guten Voraussetzungen für gemütliche Spaziergänge durch die Altstadt und lauschige Abende am Donauufer sind, versteht sich von selbst. Also setzen sich die Wiener (und ich mit) in ein Kaffeehaus und trinken soviel Kaffee, bis ihnen die Ohren wackeln. Dazu wird geschlotet was die Lungen hergeben. Leider sind diese kleinen Freuden des Alltags nicht besonders gesundheitsfördernd und wenn man die herzhafte Küche dazurechnet (Sachertorte und Schnitzel) kommt irgendwann der Moment, in dem jede Faser des geschundenen Körpers nach Detoxication!!! schreit. Ein Austauschsemester birgt also durchaus gesundheitliche Risiken. Weil es dennoch so sündhaft schön war, hab ich das Entgiftungsprogramm auf meine Rückkehr verschoben … Für das kommende Semester ist klar: Sport und gesunde Ernährung, ich komme!

Auch nicht zu unterschätzen: Sprachliche Verständigungsschwierigkeiten. Offiziell wird Hochdeutsch gesprochen, aber eben nur offiziell. Das Wienerische hat einen reichen Wortschatz, der nur Eingeweihten verständlich ist. „A Eitrige mit an Buckel und a Sechzehna Blech owa Jennifer!“ ist so was wie das Chuchichäschtli der Wiener (Übersetzung dazu gibts auf, wer hätts gedacht, Wikipedia). Am besten aber gefällt mir die Aussprache, besonders schön: Anglizismen wie Ääääiketscha. Die Wienerinnen und Wiener zelebrieren ihr Wienerisch natürlich auch voller Lust, was jede Vorlesung, Tramfahrt oder den Restaurantbesuch zum Erlebnis macht. Wer nicht bis zum nächsten Wienbesuch warten kann: Unbedingt den Kabarettisten Josef Hader anschauen. Der ist so was wie mein Lieblingswiener, seine Auftritte illustrieren nicht nur das Wienerische sehr gut, sondern auch den Humor der Wiener, den so genannten Schmäh.

Obwohl sie alle in diesem Blog Thema waren: Erasmus in Wien ist mehr als nur Kaffeehaus, Schnitzel und Sissi. Das Schöne an einem Austauschsemester ist, dass man Zeit hat, die Stadt hinter den Klischees kennen zu lernen und den Alltag zu erleben. Das ist nicht immer einfach, oft aber erfrischend und alles in allem, wie man so schön sagt, horizonterweiternd. Dermassen geläutert schreibe ich diesen letzten Blogbeitrag zu meinem Austauschsemester in Wien, wenn alles klappt, gibt es hier bald auch noch ein nettes kleines Filmli aus Wien, ansonsten: Bussi Baba!

Kommentare
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biene81 13.02.2009 um 15:48
i hett mal wieder gern n eitrigen mitm bugel und nm 16er blech, urlecker
ELCID33 12.02.2009 um 17:42
so sähnst griesst zuhaus mit schweizer busserl