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18. Februar 2009, 23:38 Kolumnen

übern gotthard

christian zweifel - Flüelen, das ist ein Bahnhof und eine Strasse, daneben ein paar Häuser. Vom Zug aus sieht man auf die winterliche See, über die sich ein tiefes Nebelgrau gelegt hat. Schneeflocken umtänzeln die Fenster. Wir fahren aus dem Bahnhof und halten auf offener Strecke. Jemand zieht d...

übern gotthard
Flüelen, das ist ein Bahnhof und eine Strasse, daneben ein paar Häuser. Vom Zug aus sieht man auf die winterliche See, über die sich ein tiefes Nebelgrau gelegt hat. Schneeflocken umtänzeln die Fenster. Wir fahren aus dem Bahnhof und halten auf offener Strecke. Jemand zieht die Scheibe runter und ruft: „Fahr weiter !“. Minuten vergehen, da endlich ein Ruck und der Zug setzt sich wieder in Bewegung.Tunnel folgt auf Tunnel. Das Bahntrasse geht hier dem Ufer lang. Man sieht hinüber nach Seelisberg und den Bauen, dahinter liegt Unterwalden. Ein kräftiger Wind bläst über den Urnersee und lässt die Wellen schlagen.Wieder ein Tunnel und Durchsage des Schaffners; „ Wir treffen in Brunnen ein“. Jawohl, wir treffen, treffen wie einst Willhelm Tell ? Ich beisse genüsslich in meinen Apfel. Es ist Februar und da liegt der Schnee. Dann: Schwyz. Der Bahnsteig leuchtet farbenfroh, Regenschirme hüpfen auf und ab. Dann: Schleichfahrt gegen Arth-Goldau. Wir zuckeln gemächlich dahin. Ob die Lok nicht mehr mag ? Unter uns zieht sich die Autobahn als fette Schlange durch das Tal, schwere Lastwagen rattern gegen Süden. Neben uns endlose Güterzüge mit Waggons aus aller Welt, sie heissen Danzas, Holcim, Steyr, Cargo und schleppen, quälen sich den Gotthard hoch. Alle wollen sie über die Berge oder noch besser: unten durch. Und endlich: Arth Goldau. Zwei Gemeinden in eine verpackt, beiden gehört der Bahnhof. Aus allen Seiten treffen hier die Gleise zusammen. Von links aus dem Luzernischen, von rechts aus St. Gallen. Wer schön gerade aus fährt, gelangt nach Zug. Und das tun wir. Eine Viertelstunde noch schlängeln wir uns entlang des Zugersees. Urbane Bauernhäuser inmitten grüner Wiesen, einen Steinwurf dahinter deuten stattliche Bürohäuser die Finanzmetropole an. Ein Plakat: Stadtbahn Zug, wir bauen für Sie. Ich bedanke mich. Nirgendwo, so scheint mir, treffen Stadt und Land so gegensätzlich aufeinander wie in Zug. Man spürt die Nähe zu Zürich und Luzern, ein erstes Spürchen von Hektik geht durch die Waggons. Die Tür wird aufgerissen und die Samstagsausflügler beflügeln den Zug. „Ist hier noch frei ?“ Ja, hier ist noch frei. Es klingt nach Musik, da hört wer Radio. Wir fahren wieder. Die Sihl ist überquert, wir tunneln nochmals und dann in Thalwil ein letztes Mal, bevor wir in Zürich eintreffen.Good bye, Gotthard !
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