Magazin durchsuchen

Neuste Blogs

9. April 2009, 08:59 Politik

Bastien Girod: Wo bleibt die Revolution?

Bastien Girod - In der Schweiz verstärkt sich die Diskrepanz zwischen der herrschenden Politik und den Herausforderungen der aktuellen Zeit. Der Bundesrat ist unfähig, auf die Finanzkrise, die daraus entstandene Wirtschaftskrise, die latente Ressourcenkrise und die absehbare Klimakrise zu reag...

Bastien Girod: Wo bleibt die Revolution?
In der Schweiz verstärkt sich die Diskrepanz zwischen der herrschenden Politik und den Herausforderungen der aktuellen Zeit. Der Bundesrat ist unfähig, auf die Finanzkrise, die daraus entstandene Wirtschaftskrise, die latente Ressourcenkrise und die absehbare Klimakrise zu reagieren. Die einzige richtige Reaktion, das Gebäudeprogramm, das sowohl auf Wirtschafts- als auch auf Klima- und Ressourcenprobleme antwortet, hat das Parlament und nicht der Bundesrat ausgearbeitet (und vor drei Wochen mit grossem Mehr beschlossen). Dabei gäbe es noch so viel zu tun: den Förderstopp für erneuerbare Stromproduktion endlich aufheben, für Neubauten den Passivhaus-Standard realisieren, den Güterverkehr auf der Schiene mit neuen und bereits vorhandenen Innovationen endlich wettbewerbsfähig machen, Nullemissions-Autos entwickeln, anstatt neuen, alten Schrott auf die Strasse zu lassen, etc. etc. Die Wirtschaft wäre bereit für einen ökologischen Umbau unserer Gesellschaft, die Produkte und Lösungen sind vorhanden. Es fehlen bloss die politischen Rahmenbedingungen und Investitionsanreize, dass es endlich vorwärts geht.

Könnten künftige Generationen "zeitreisen", sie würden heute umgehend eine grüne Revolution anzetteln und den Bundesrat stürzen. Doch wie uns Einstein lehrte, ist eine Zeitreise in die Vergangenheit physikalisch unmöglich. Hingegen ist es möglich, in die Zukunft zu schauen. Und die Wissenschaft zeigt klar, was passiert, wenn wir heute nicht handeln. Da die Professoren aber die Revolution nicht selbst organisieren können, müsst ihr, die Studenten, dies tun! Nachdem der Bundesrat abgesetzt ist, schlage ich folgenden Ersatz vor: Bertrand Piccard als Bundespräsident (für klare Visionen), Thomas Minder als Wirtschaftsminister (damit der Lohn besser mit der Leistung übereinstimmt), Markus Spillmann als Justizminister (damit die Fichierung kein Comeback feiert), Geri Müller als Aussenminister, Luc Recordon als Gesundheitsminister, Jo Lang als Verteidigungsminister – und ich würde für das Umweltdepartement kandidieren. Als erster Schritt zur Revolution tretet bitte der Facebook-Gruppe für einen Green New Deal bei: www.GreenNewDeal.ch.

Bastien Girod ist dipl. ETH Umweltnaturwissenschafter und Doktorand an der ETH sowie Nationalrat der Grünen Zürich.

www.bastiengirod.ch

Die erste Kolumne von Bastien Girod

Die Politkolumne auf Students.ch

Kommentare
Login oder Registrieren
DarkLordSilver
DarkLordSilver 12.04.2009 um 15:42
Zum Glück sind die Vorschläge für die BR-Kandidatur mehr als unrealistisch und wir leben nicht in einer Bananerepublik, wo sowas möglich wäre. Wiso machst du nicht den ersten Schritt im Ressourcensparen und entlastet die Facebook Server, in dem du deine Gruppe wieder löscht? Desweiteren hättest du dir die Offroader Intiative auch sparen können, da die eh keine Chance hat, aber für die Abstimmung Geld und Ressourcen draufgehen! Kannst du das denn auch wirklich mit deinem Gewissen vereinbaren?
luki_2009 10.04.2009 um 13:33
@Unsichtbarde
Einverstanden.
Was fehlt ist das gemeinsam gereifte Bewusstsein über die globalen Zusammenhänge und die Einsicht, dass die expansive Lebensweise nicht mehr weitergeführt werden kann weil sonst die Rohstoffe in sehr absehbarer Zeit sehr knapp werden (Peak-Oil, Peak-Uranium etc.. - da sind wissenschaftlich und mathematisch empirische Beweise vorhanden).
Da die Zeit aber noch nicht reif ist und die wesentlichen Zusammenhänge den Bürgern weiterhin vorenthalten werden ist die zukünftige Entwicklung sehr schwer abzuschätzen, selbst die gescheitesten Köpfe der Welt geben klein bei Prognosen für die Zeitenwende (ich persönlich glaube daran, dass es durchaus noch ein, zwei Generationen dauern könnte).

@flowman
Jaa, da bin ich mit Dir auf einer Wellenlänge, bei mir war es auch so, dass ich über meine Phantasie und viel nachdenken erst sensibel genug wurde, um mich den Tatsachen konfrontieren zu können. Vom Optimismus habe ich mich da aber zeitweilen verabschiedet, zugegebenermassen. Und auch heute, bin ich sehr skeptisch was vor allem die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten und die geopolitischen Zusammenhänge betrifft. Aber in meinem Kern bin auch ich ein „unheilbarer Optimist“ geblieben, trotz allem werde ich nie aufhören an das Gute in jedem Menschen zu glauben.
Und was den Stein, der alles ins Rollen bringt angeht, da muss ich Dir Recht geben. Es muss nicht mal in einem der „Krisenherde“ selbst, namentlich den Staaten zu einem bestimmten Zwischenfall kommen, es kann quasi überall auf der Welt passieren, es ist alles vernetzt.

Wenn ihr den Text von Herrn Girod genau liest, ist euch vielleicht auch aufgefallen, dass der Autor sich doch hier:“[...]Nachdem der Bundesrat abgesetzt ist, schlage ich folgenden Ersatz vor: [...]“ irgendwie widerspricht? Es scheint, dass Herr Girod die Tragweite dieser „Revolution“ etwas unterschätzt...
Die heutige Staatsform muss neu bewertet werden (Klassengesellschaft, grosses soziales Gefälle, Leistungsgesellschaft, Abgaben müssen gemacht werden, wir Luxus – 3. Welt Armut, Rohstoffe werden knapp etc..), die Geschichte hat eindeutig gezeigt, dass das Modell nicht funktioniert. 1984, weh uns!
Deshalb ist es unvorstellbar von einer „kurzen“ Zeit zu reden, sry flowman aber was sich in den Köpfen noch alles ändern muss um die nächste Stufe zu erreichen, das ist unvorstellbar. Das ist wirklich alles noch Science Fiction. Nur ein Beispiel, wenn wir auch zu anderen Sonnensystemen wollen, brauchen wir Antriebsmethoden die die Gravitation tatsächlich, nicht durch die enorme und endliche (expansive) Zerstörung von Antriebsstoffen im Raketentank, überwinden. Es braucht die Balance, die Kombination von beiden Prinzipien, Implosion – Explosion.

Dazu etwas wahrlich revolutionäres, leider in Englisch (aber er, Nassim Haramein, wird noch Geschichte schreiben):
http://video.google.com/videoplay?docid=6151699791256390335&ei=ZyvfSdvnAYvW2wKOpvzfAQ&q=nassim+haramein

Viel Spass damit und schöne Ostertage euch allen!
Gruss
chaoze
chaoze 09.04.2009 um 17:03
^^
luki_2009 09.04.2009 um 12:25
Herr Girod ist sicher ein guter Mann, progressiv und engagiert - bis ihm dann das erste VR-Mandat oder was-auch-immer-für-einen Sitz in irgendeiner Kommission angeboten wird. Sitzungsgeld: ein paar Tausend Franken, Spesen inbegriffen. Das meinte wohl Urs José mit nicht verirren im Dschungel.

"[...]Dass es endlich vorwärts geht", fordert Herr Girod.
Das finde ich auch, um das zu erreichen muss es aber erstmal RICHTIG abwärts gehen und das kann sich noch lange hinziehen. Denn an ein Crash denkt heute niemand, vorallem nicht die herrschende Elite. Der Fall wird langsam vonstatten gehen - ein Niedergang in Raten. Wie man weiss, steigt das Innovationspotenzial in Krisenzeiten. Solche Entwicklungen brauchen hingegen Jahre wenn nicht Jahrzehnte - und nie vergessen: Jeder der den Öl-, Kohle-, Gas- und Uranmultis in die Suppe spuckt hat selten viel zu lachen und muss sich auf einen harten Kampf einstellen. Aus genau diesem Grund sehen wir heute noch immer 20 Lilter und mehr saufende Hummers und co. auf unseren Strassen.

Die Vorschläge und Ideen von Herrn Girod sind dann aber, gemessen an der vorherrschenden Realität, doch utopisch und wie der untere Kommentator richtig bemerkt hat, in unserem staatlich monopolisierten Kapitalismus (Bzw. noch Debitismus) schlichtweg ein Hirngespinst.
So kommt man denn zu den heissen Eisen, so heiss, dass selbst ein grüner Politiker sie nicht traut anzusprechen. Aber Tatsache ist, dass wir einen durchschnittlichen Wähleranteil von unter 50% haben in der Schweiz. Das sagt alles aus, es sagt auch aus, dass dem Lobbyismus Tür und Tor geöffnet ist und wir wissen ja, wenn wir nicht wählen, dann tun's halt die.
Somit sind wir also beim springenden Punkt, die Politik ist als solches disqualifiziert weil gekauft, woher kommen also die revolutionären Ideen?
Ich glaube von der Basis, von der echten Basis und zwar kommen sie dann, wenn es wirklich nichts mehr gibt. Solange die Läden geöffnet sind, solange die Leute das Gefühl haben hier in der Schweiz sei es sicher, der Staat sorgt ja für einen. Solange wird sich nichts wesentliches ändern. Die Politik wird weiter alles versprechen und nichts halten und die Wirtschaft wird weiter wirtschaften ohne eigentliche Grundlage, denn der Wachstum ist energetisch begrenzt und grundsätzlich falsch en Meinungsmachern und Experten muss man das aber nicht sagen, denn die interessiert nur der Shareholder Value.

Was bleibt?
Unwissen, quälendes Warten welche Wendungen und Verirrungen unsere Landesführer noch veranstalten und vorallem eins: Vertrauensverlust.

Es grüsst
Luki
wanja-sitta
wanja-sitta 09.04.2009 um 10:36
Ist ja rührend wie Bastien Girod suggeriert, Revolution hätte etwas mit dem Bundesrat bzw. mit Parlamentarismus (den er praktiziert) zu tun. Seine polititischen Bestrebungen sind schlicht und einfach im Kapitalismus nicht realisierbar.