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10. April 2009, 13:02 Movie

Last Chance Harvey

Christina Ruloff - Romantik, zwei grosse Schauspieler und ein misslungener Rahmen: Last Chance Harvey verpasst es, der Film zu sein, nach dem wir uns so lange gesehnt haben; der Kinogang lohnt sich aber trotz allem sehr.Und die erste halbe Stunde dieses Filmes ist das reinste Ärgernis. Da sind zwe...

Last Chance Harvey
Romantik, zwei grosse Schauspieler und ein misslungener Rahmen: Last Chance Harvey verpasst es, der Film zu sein, nach dem wir uns so lange gesehnt haben; der Kinogang lohnt sich aber trotz allem sehr.

Und die erste halbe Stunde dieses Filmes ist das reinste Ärgernis. Da sind zwei wunderbare und grossartige Schauspieler mit einer Bombenpräsenz auf der Leinwand Emma Thompson und Dustin Hoffman: Sie sind für einander bestimmt. Und doch müssen sie sich durch unzählige Peinlichkeiten quälen, damit wir sehen, wie einsam, freudlos und unglücklich sie sind, wie problembeladen und am Ende. Er fliegt nach London an die Hochzeit seiner Tochter, nur um zu erfahren, dass sich diese gänzlich von ihm entfremdet hat und ihren Stiefvater vorzieht. Ins Bild des totalen Losers passt, dass er seinen Flug zurück nach New York verpasst und fernmündlich per Handy gefeuert wird. Sie wird von ihren Freundinnen ständig auf grässliche Blind Dates geschickt, von ihrer Mutter mit Anrufen und Klagen tyrannisiert und hat erst noch einen Scheissjob am Flughafen.

Das freut das romantische Herz: Emma Thompson und Dustin Hoffman sind ein magisches Paar.

Da, nach einer halben Stunde, hat der Drehbuchautor und Regisseur Joel Hopkins Einsehen mit Charakteren und Zuschauern, lässt Kate und Harvey endlich in einer Bar aufeinander los; es ist die reinste Wonne: Die Dialoge fliessen ganz natürlich und charmant, die Charaktere erwachen zum Leben und man kriegt ein Gefühl, wer sie sein könnten, hätten sie einander. Die Chemie, wie man so schön sagt, zwischen Emma Thompson und Dustin Hoffman (sie waren ja bereits in Marc Forsters Stranger than Fiction das Highlight) stimmt, gerade weil sie auf den ersten Blick nicht zusammen passen (und gemeint ist hier nicht in erster Linie das Optische oder die Tatsache, dass sie ihn um einen Kopf überragt), sondern sich zusammenraufen müssen.Im Gegensatz zur üblichen Romantic Comedy, wo sich Missverständnisse in anstrengenden Aufs und Abs jagen, fokussiert Last Chance Harvey ganz aufs Kerngeschäft: Wie verlieben sich zwei Menschen und wie bringen sie den Mut und das Vertrauen für eine ernsthaftere Beziehung auf? Es ist herzergreifend und komisch zugleich, wie Hoffman alias Harvey vom einen auf den anderen Moment beschliesst, Kate grossartig zu finden und sich wie eine Klette quer durch London an ihre Fersen hängt. Und es ist nur nachvollziehbar, dass Kate dem seltsamen Amerikaner mit Hundeblick, der auf einem Ton die rührendsten Dinge von sich brummt, misstraut, weil sie sich in ihren Enttäuschungen so gut wie eingelebt hat. Man wünscht, die beiden würden sich ewig unterhalten, doch da macht einem der Film wieder einen Strich durch die Rechnung; ermüdend die Nebenhandlungen und plötzlich ist der Zauber vorbei.

"I'm gonna dance your socks off." - Ein Angebot von Harvey.

Last Chance Harvey bietet Romantik für Erwachsene und zwar nicht, weil die beiden Schauspieler die magische Grenze 40 weit hinter sich gelassen haben, sondern weil der Film sich hier wirklich um die Menschen und die Dinge selber dreht. Das und die wunderbaren Darsteller machen den Streifen trotz allem sehenswert.

Bewertung: 4 von 5

  • Titel: Last Chance Harvey
  • Land: GB
  • Schauspieler: Emma Thompson, Dustin Hoffman
  • Verleih: Ascot Elite
  • Release: 9. April 2009
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