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21. April 2009, 23:59 Konzert Music

Review: Anna Ternheim @ Härterei Zürich, 18.04.2009

Patrick Holenstein - Der Abend versprach in zweierlei Hinsicht interessant zu werden. Zum einen mischt die Härterei erst seit kurzer Zeit im Zürcher Konzertmarkt mit. Wie würde der Sound klingen? War die Halle für Ternheims sensible Musik passend gewählt? Zum anderen weckten die Künstlerin und ...

Review: Anna Ternheim @ Härterei Zürich, 18.04.2009
Der Abend versprach in zweierlei Hinsicht interessant zu werden. Zum einen mischt die Härterei erst seit kurzer Zeit im Zürcher Konzertmarkt mit. Wie würde der Sound klingen? War die Halle für Ternheims sensible Musik passend gewählt? Zum anderen weckten die Künstlerin und ihre Lieder grosse Erwartungen. Würde sie dem gerecht werden können?

Als wir endlich die Halle betreten konnten (die Gästeliste war überall, nur nicht an der Abendkasse), rieselte Pink Floyd aus den Lautsprechern. Die komplette Wish you were here- CD. Gute Wahl. Die Halle präsentierte sich dann als das, was sie war: eine ehemalige Fabrik. Der urbane Charme hat schon etwas. Die Wände sind in Anthrazit gehalten und überall erkennt man deutlich die silbern glänzenden Industrierohre. Die Frage, ob der Sound nicht zu viel Hall bekommen würde, stellte sich kurz, aber dann ging’s auch schon los. The Tiny enterten die Bühne. Das Duo aus Schweden hatte 20 Minuten, um das Publikum aufzuheizen. Anfangs gelang es nur schwer. Vielleicht waren die hypnotischen, an Björk erinnernden Lieder doch etwas zu unnahbar. Gegen Schluss sprang der Funke aber doch noch über und The Tiny wurden gefeiert.

Pünktlich um halb neun stieg Anna Ternheim auf die Bühne. Der dunkelgraue Pullover, den sie trug, lies ihre blonden Haare leuchtend wirken. Eröffnet wurde das Konzert mit dem internationalen Morsezeichen für S.O.S., welches Terrified ankündigte. Scheinwerfer links und rechts neben der Bühne tauchten die Halle sehr effektiv in blaues Licht. Und erfreulicherweise klang die Soundeinstellung richtig gut. Der Hall, der zweifellos da war, störte nicht im Geringsten, eher im Gegenteil, er unterstützte den Gesang. Das treibende Intro, dass den zweiten Song und den ersten Höhepunkt What have I done einleitete, wurde begeistert bejubelt. Scheinbar kannten einige der Anwesenden die neue CD. In rotes Licht getaucht lies Anna Ternheim den Song ausklingen. Nur durch ihre Stimme, unterlegt von dreistimmigem Backgroundgesang. So ging es weiter, Anna und ihre Band zauberten Song um Song, Melodie um Melodie, eine schwer beschreibbare, kaum zu fassende Atmosphäre. Magie lag in der Luft. „Do you like Sinatra?“, wollte Anna nach knapp einer Stunde wissen. Klar, wer kennt den nicht. „This is one of his Songs!“, schob sie nach und präsentierte Strangers in the night. Die jazzig-folkige Version des Klassiker wurde aber leider der von „Old Blue Eyes“-Sinatra nicht gerecht. Die Special Edition der aktuellen CD Leaving on a Mayday enthält eine zusätzliche CD, auf der Covers von Sinatrasongs zu finden sind.

Nach ziemlich genau einer Stunde bedankte sich Anna bei allen Beteiligten, von den Musikern bis hin zum Soundtechniker. Nicht zuletzt dankte sie der Vorband und erzählte, wie sie The Tiny vor 10 Jahren bei einem Griechen in Schweden kennen gelernt hatte. Noch heute sei man gut befreundet. Für das Finale des Sets bat sie The Tiny auf die Bühne und sie spielten gemeinsam I say no. Nach sehr kurzem Applaus und einigen Pfiffen kehrte Anna Ternheim auf die Bühne zurück. Sie alleine, nur mit einer akustischen Gitarre bewaffnet. Die ersten Takte von To be gone erfüllten die Halle und ein freudiges Raunen bäumte sich kurz auf, nur um gleich wieder einer fast andächtigen Ruhe zu weichen. To be gone gehört zu Annas bekanntesten Songs und er ist bei weitem nicht immer in der Setliste vertreten. Ein letzter Gänsehautmoment, der auch den endgültigen Höhepunkt in einem nahezu perfekten Konzert bildete. Nach zwei weiteren Songs und noch einer Zugabe, nämlich My Heart still beats, beendete Anna Ternheim ihr Konzert nach gut 1 1/4 Stunden. Was bleibt, ist dieses Gefühl, dass nach aussergewöhnlich stimmungsvollen Konzerten manchmal auftreten kann, dieses warme Gefühl von Zufriedenheit. Sowohl Anna Ternheim als auch die Härterei als Konzertlokal haben auf der ganzen Linie überzeugt. Die abwechslungsreiche Songauswahl, die angenehme Lautstärke und das Publikum, welches scheinbar wirklich der Musik wegen gekommen war. Jedenfalls gab es kein nerviges Gemurmel im hinteren Teil der Halle, wie es sonst üblich ist. An diesem Abend stimmte einfach alles.

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