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30. September 2009, 16:51 Movie

Schwerkraft @ Zurich Film Festival

Gregor Schenker - Und noch ein Langspielfilmdebüt am Zurich Film Festival, diesmal von Nachwuchs-Regisseur und -Drehbuchautor Maximilian Erlenwein, der mit Schwerkraft letzten August bereits einen First Steps Award eingeheimst hat. Im Mittelpunkt des Films steht Frederik Feinermann (Fabian Hinric...

Und noch ein Langspielfilmdebüt am Zurich Film Festival, diesmal von Nachwuchs-Regisseur und -Drehbuchautor Maximilian Erlenwein, der mit Schwerkraft letzten August bereits einen First Steps Award eingeheimst hat.

Im Mittelpunkt des Films steht Frederik Feinermann (Fabian Hinrichs, am Zurich Film Festival auch in 66/67 - Fairplay war gestern zu sehen), der die Trennung von Nadine (Nora von Waldstätten) nach sieben Jahren immer noch nicht verkraftet hat und ihr seitdem heimlich nachspioniert. Abgesehen davon führt er ein erfolgreiches und unauffälliges Leben als Bänker (ohne aber grosse Begeisterung für die alltägliche Routine zu empfinden). Bis sich eines Tages ein Kunde (der aufgrund eines Kredites, den Frederik ihm aufgeschwatzt hat, vor dem Ruin steht) vor seinen Augen erschiesst.
Davon völlig aus der Bahn geworfen, lässt er die Arbeit schleifen und tätigt kleine Ladendiebstähle, bis er schliesslich zusammen mit seinem alten Kumpel Vince (Jürgen Vogel), der zwischendurch mal ein paar Jahre wegen Raubüberfalls einsass, bei Bankkunden einbricht, deren Informationen er sich im Büro beschafft. Frederik traut sich dann auch endlich, wieder Kontakt zu Nadine aufzunehmen, die allerdings bloss verhaltenes Interesse zeigt. Dieweil kann das mit seinem sorglosem Verhalten nicht ewig gut gehen, zudem droht Vinces Vergangenheit die beiden Bösbuben einzuholen…

Schwerkraft ist nicht nur ein Gangsterfilm (und zwar ein verdammt spannender, teils ziemlich ruppiger und immer wieder urkomischer solcher), sondern auch ein Charakterdrama, das dank den Leistungen von Drehbuchautor und Darstellern hervorragend funktioniert: Hinrichs ist der geborene Biedermann, überzeugt aber auch als traumatisierter Durchschnittsbürger, der seine Existenz radikal hinterfragt und in die (von ihm haltlos romantisierte) Kriminalität flüchtet, um aus seinem bisherigen, langweiligen Leben auszubrechen. Jürgen Vogel (Das Leben ist eine Baustelle, Die Welle) als Vince hat da einen sehr viel pragmatischeren Blick auf das Verbrechertum und wird durch Frederiks Unvernunft stärker mit herunter gezogen als umgekehrt. Er ist es schliesslich auch, der wirklich etwas zu verlieren hat – nicht zuletzt die Liebe Sonjas (Jule Böwe) –, während sich Frederik auch dann noch mit Leidenschaft in seinen aufregenden neuen Lebensstil stürzt, als die harte Realität ihm schon längst auf den Fersen ist.
Eine Freude sind auch die Nebendarsteller, wie Thorsten Merten (Elementarteilchen) als Frederiks leicht schmieriger, aber doch irgendwie mitleiderregenden Boss, oder Maren Kroymann (Maria, ihm schmeckt’s nicht!) als angejährte Frau Reicherts, die Interesse am bösen Buben Frederik entwickelt.

Fazit: Ein gelungener Plot, tolle Darsteller und eine packende Inszenierung machen Schwerkraft zu einem der sehenswertesten Filme am diesjährigen Zurich Film Festival. Sowohl als Gangsterfilm als auch als Charakterdrama erfolgreich (und dabei souverän zwischen Komik und Tragik pendelnd) hat sich das Werk eine wärmste Guckempfehlung verdient.


Weitere Vorstellungen:

  • 30. September, 21:00, Arthouse Le Paris
  • 01. Oktober, 17:30, corso 3
  • 02. Oktober, 21:30, corso 3
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