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15. Dezember 2009, 00:00 Movie

Lila, Lila

Gregor Schenker - Martin Suter ist einer der erfolgreichsten gegenwärtigen Schriftsteller der Schweiz (Business Class, Der letzte Weynfeldt) und auch kein Fremder im Bereich Film und Fernsehen (Beresina oder die letzten Tage der Schweiz), doch hat es eine Weile gebraucht, bis jetzt mit Lila, Lila...

Martin Suter ist einer der erfolgreichsten gegenwärtigen Schriftsteller der Schweiz (Business Class, Der letzte Weynfeldt) und auch kein Fremder im Bereich Film und Fernsehen (Beresina oder die letzten Tage der Schweiz), doch hat es eine Weile gebraucht, bis jetzt mit Lila, Lila ein erster seiner Romane verfilmt wurde (immerhin, eine Adaption von Small World steht auch schon in den Startlöchern). Dies in Deutschland, aber zumindest von einem eidgenössischen Regisseur, nämlich Alain Gsponer (Bumm!).

In dem Film geht’s um den unscheinbaren Kellner David Kern (Daniel Brühl), welcher sich in eine Studentin der Literaturwissenschaft verliebt. Um sie zu beeindrucken, überreicht er ihr einen Roman, den er als sein Werk ausgibt – in Wirklichkeit hat er selbigen von einem Manuskript abgeschrieben, das er in der Schublade eines Nachttisches vom Trödel gefunden hat. Marie, so heisst die Angebetete (und gespielt wird sie von Hannah Herzsprung), schickt das Buch ohne sein Wissen an einen Verlag, der den Roman dann auch tatsächlich veröffentlicht – und selbstverfreilich wird David damit zur literarischen Sensation der Saison. Als dann eines Tages bei einer Autogrammstunde plötzlich Ricky (Henry Hübchen), der wahre Urheber, auftaucht, ist der Schlamassel perfekt…

Wer sich angesichts der Inhaltszusammenfassung fragt, wie originell der Film denn schon sein kann, naja, der fragt nicht zu Unrecht. Tatsächlich spielt sich Lila, Lila weitgehend überraschungsfrei ab, kein Wunder bei dieser schon unzählige Male durchexorzierten Grundidee (dieses Jahr bot schon Mord ist mein Geschäft, Liebling eine ganz ähnliche Story). Als Satire auf den Literaturbetrieb taugt der Streifen auch nur bedingt, denn zu mehr als ein paar oberflächlichen Seitenhieben in Richtung Titelwahl und Starsystem hat’s nicht gereicht. Der Humor ist sowieso eher von der behäbig-banalen als von der spritzig-einfallsreichen Sorte (dass Hübchen dabei zu einer recht nervigen Witzfigur verkommt, wundert nicht wirklich).
Und da ist ja noch die Liebesgeschichte zwischen David und Marie, die insbesondere im letzten Drittel das Ruder übernimmt (die Liebesgeschichte, nicht Marie) und für einige Längen sorgt – da droht dem Film auf der Zielgeraden die Puste auszugehen.

Und doch, es gibt auch Dinge, die für Lila, Lila sprechen: Brühl (Die fetten Jahre sind vorbei, Inglourious Basterds) und Herzsprung (Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen) sind äusserst sympathisch, der Kitschfaktor hält sich in Grenzen und dafür bewahrt sich der Film bis zum Schluss einen Hauch erfrischender Unmoral. Zieht man zudem in Betracht, dass Lila, Lila nie schmerzhaft blöde oder gähnend langweilig wird, hat man schlussendlich zwar keine brüllend komische und wahnsinnig originelle, aber durchaus locker anguckbare romantische Komödie.
Bewertung: 3 von 5


  • Titel: Lila, Lila
  • Land: Deutschland
  • Regie: Alain Gsponer
  • Darsteller: Daniel Brühl, Hannah Herzsprung, Henry Hübchen, Kirsten Block
  • Verleih: Warner Bros.
  • Start: 17. Dezember 2009
Fotos von Warner Bros.
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