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1. März 2010, 22:26 Music Interview

Von ABBA bis Zappa… mit Ian Constable

Patrick Holenstein - Students lanciert eine neue Interview-Serie. In unregelmässigen Abständen sezten wir uns in Zukunft mit nationalen und internationalen Künstler/innen und Bands zusammen, hören gemeinsam Musik und versuchen über die Songs zu philosophieren.

Von ABBA bis Zappa… mit Ian Constable
Der Zürcher Songwriter Ian Constable spielte das Versuchskaninchen und hat sich für die Premiere zur Verfügung gestellt. Der Endzwanziger konnte mit Hippiekacke einen kleinen Indie-Hit feiern, in dem er das Zürcher Szeneleben augenzwinkernd auf die Schippe nahm. Im Privatleben arbeitet Ian als Dozent für Videoschnitt.*
  • * The Eagles - Hotel California (live)
  • Vom Album „Hell Freezes Over“ (1994)

Ian Constable: Klar, das sind The Eagles mit Hotel California. Das ist live, aber auch akustisch.

Students: Gefällt dir diese Art von Musik?

Ja, das ist super. Ich bin zwar nicht der extreme Eaglesfan, aber Hotel California ist ein wirklich toller Song. Speziell diese Live-Version. Die klingt richtig gut, weil sie sehr gut aufgenommen wurde. Mir gefällt daran, dass The Eagles sich hier quasi selbst neu interpretieren.

  • Kings of Leon – Use Somebody
  • Vom Album “Only by Night” (2008)

Ah, alles klar. Ich habe die Band vor Jahren mal live gesehen, aber da hat die noch niemand gekannt.

Wo hast du sie gesehen?

Das müsste am Southside (Grosses Festival in Deutschland, Anm. d. Red.) gewesen sein. Die haben damals auf der Hauptbühne gespielt, mitten am Nachmittag, und ich fand die richtig geil.

Heute haben sie schon fast Kult-Status.

Genau. Wobei, auf CD gefällt mir die Band weniger, weil mich die Stimme des Sängers nach zwei, drei Songs nervt. Aber live sind die damals aus der Masse herausgestochen. Ich finde sowieso, dass oft unbekannte Bands, die an Festivals überzeugen, viel mehr in Erinnerung bleiben. Faszinierend war damals, dass die mich sofort gepackt haben, obwohl ich die Musik nicht kannte. Das lag nicht zuletzt am grossartigen Schlagzeuger, der eindrücklich gespielt hat. Kings of Leon sind wirklich eine ganz starke Liveband, die kann ich nur empfehlen.

  • Lea Lu & William White – Morning Muse
  • Vom Album “Dots and Lines” (2009)



Das ist aber kein Ex-Spice-Girl?

Nein. Wäre aber interessant, zu erfahren, ob sie sich über dieses Kompliment freuen würde. Es ist eine Zürcherin.

Oh, wen gibt es da alles. Ist das Lea Lu?

Ja, gemeinsam mit William White.

Lea Lu? Woher kenn ich die? Ich glaube, ein Freund hat mal einen Song mit ihr aufgenommen.

Wenn du gerade von gemeinsamen Projekten sprichst, gibt es unter den Zürcher Musikern eine Art Zusammenhalt?

Nein, das ist sehr schwierig, da schaut jeder für sich. Ausgenommen, du bist Hip Hopper oder machst Punk oder Metal, aber sonst ist der Zusammenhalt eher bescheiden. Ich finde das extrem schade. Es gibt zwar schon kleine Grüppchen, die immer mal wieder etwas machen, und zwischen Bands entstehen gelegentlich Freundschaften, aber eine grosse Community, die zusammenhält, ist für mich nicht zu erkennen. Ich selbst bin aber schon bemüht, dass ich mit anderen arbeiten kann. Der Vorteil wäre ja auch, dass man sich so gegenseitig unterstützen könnte.

  • Radiohead – Subterranean Homesick Alien
  • Vom Album “Ok, Computer” (1997)


Das Lied kenn ich. Hmm, sind das Coldplay? Aus dem ersten Album?

Nein, die Band gibt es schon seit mehr als zwanzig Jahren, sie zählen aber sicher zu Coldplays Einflüssen.

Ah, Radiohead. Ist das von Ok, Computer?

Genau.

Ich war zwar nie ein Radiohead-Liebhaber, aber was sie machen ist schon extrem cool. Und Ok, Computer ist eine extrem starke Platte.

Was zählst du denn zu deinen Lieblingsbands? Welches sind deine musikalischen Einflüsse?

Der Grund, warum ich mit Gitarrespielen angefangen habe, waren Bands wie Green Day oder Tocotronic. Damals, mit 14 oder so, hörte ich Bands in der Art sehr gerne, melodiösen Punk eben. Diese beiden Bands haben mich animiert eigene Lieder zu machen. Vor allem die Unbekümmertheit von Tocotronic hat mich fasziniert. Die haben einfach ihre Instrumente genommen und Musik gemacht, ohne sich um irgendwelche Regeln zu scheren. Diese Einstellung hat mich damals motiviert, Musik zu machen. Was mich dann musikalisch in eine vollkommen andere Richtung geführt hat, war The Ideal Crash von dEUS. Für mich ist das Album die belgische Antwort auf Radiohead. Das hat mich sehr stark beeinflusst, zusammen mit The Colour and the Shape von den Foo Fighters. Das sind Platten, die für mich elementar waren.

  • Mumford & Sons – Little Lion Man
  • Vom Album „Sigh No More“ (2009)


Ah ja, ich hab den Clip gesehen. Das ist der neueste Schrei aus England. Die haben keinen Schlagzeuger, sondern einer aus der Band bedient mit dem Fuss eine Bassdrum oder eine Snare. Den Namen der Band weiss ich nicht mehr, aber den Song mag ich.

Es sind Mumford & Sons.

Ja, genau. Ich hab mal einen Link mit dem Video geschickt bekommen.

Kannst du mit der aktuellen Folkwelle, die in der Musik angesagt ist, etwas anfangen?

Wenn es folkig ist, dann ja, aber mit den ganzen englischen Bands, The Kooks, Bloc Party oder wie sie alle heissen, kannst du mich jagen. Diese Bands sind natürlich nicht schlecht, nur mein Fall sind sie nicht. Hingegen gefallen mir Bands wie Wilco oder eben dieser Song. Ich würde mir nicht unbedingt die CD kaufen, aber ich mag solche Musik und hör solche Sachen schon gerne.

Mumford & Sons spielen am 29. April in der Roten Fabrik.

Ok, schau ich mir an. Weil, wie die live sind, interessiert mich schon.

Du bist auch live zu sehen, zum Beispiel im April in der Hafenkneipe. Hast du bei Auftritten eine Band dabei?

Nein, ich trete meist alleine auf, nur ich und meine Gitarre.

Mutig. Als Band hast du grössere Möglichkeiten den Raum auszufüllen.

Ja, das stimmt. Als einzelner Musiker musst du die Leute von Beginn weg packen und begeistern, sonst geht es grauenhaft schief. Aber bisher war das nie ein Problem. Ich freu mich auf den Gig, in der Hafenkneipe zu spielen ist immer schön.

  • Evelinn Trouble – Warface (2009)
  • Protestsong gegen Kriegsmaterial-Exporte
(Lacht) Jaja, die Tagi-Schlammschlacht. Das ist Evelinn Trouble mit Warface.

Genau. Deine spezielle Freundin.

Die Geschichte ist eigentlich interessant. Es gab da ja dieses Tagi-Interview mit ihr. Darin wird sie auf mich angesprochen und die Antwort, die der Journalist geschrieben hat, war sehr provokativ. Ich weiss jetzt nicht, ob er ihren genauen Wortlaut wiedergegeben hat. Jedenfalls waren extreme Proteststürme das Resultat. Ich habe wirklich hunderte von Mails bekommen und wurde von Leuten angesprochen, die meinten, dass Evelinn Trouble so „ä blödi Chue“ sei. Da hab ich mich schon gefragt, was das soll. Denn Ziel eines Interviews kann es ja nicht sein, dass danach jemand schlecht dasteht. Ich habe mit ihr auch nie etwas zu tun gehabt. Zwei-, dreimal habe ich auf der gleichen Bühne vor oder nach ihr gespielt, aber es hat sich nie ein Gespräch ergeben.

Umso mehr schade, dass so überflüssigen Differenzen nötig sind.

Vielleicht liegt es auch daran, dass sie circa 10 Jahre jünger ist. Sie ist musikalisch auch nicht so mein Fall. Sie ist zweifellos sehr talentiert, nur ist halt die Art und Weise der Musik wie Tag und Nacht. Wir repräsentieren und stehen halt für völlig andere Musikstile. Natürlich sind solche Aussagen für mich provokativ und wahrscheinlich hat sie auch etwas in der Art von „Der macht ja gar keine richtige Musik“ gesagt und dann wäre meine erste Reaktion natürlich auch „Sei doch still!“. Aber ich möchte um Himmelswillen niemanden beleidigen, dann würde ich ja genau das tun, was ich an der Szene kritisiere.

In der Musik sollte es doch um die Leidenschaft und um die Freude daran gehen.

Das ist genau der Punkt, es ist nirgends klar vorgeschrieben, wie Musik auf der Bühne gelebt werden muss und wie man Musik machen soll und darum ist Kritik oft ein Scherz. Gerade die Kritik aus jenem Interview ist haltlos, weil sobald man Musik macht, ist das eine Art Form. Ich bin ja kein Idiot, der einfach ziellos auf der Bühne steht.

Die Kritik kann auch gezielt provokant gedacht gewesen sein.

Kann schon sein und ich mach mir da auch nicht wirklich viele Gedanken darüber. Interessant ist aber, dass der gleiche Journalist auch mit mir ein Interview gemacht hat.

  • The Who – Join together (We’re the Band)
  • Vom Album „Backstage Pass“ (1978)


Das kommt mir bekannt vor. Das Schlagzeug ist sehr interessant gemischt, sehr trocken, gerade für die Siebziger, es müsste viel mehr Hall haben. Sind das Led Zeppelin?

Nein, aber du bist auf dem richtigen Weg. Sie hatten auch einen legendären Schlagzeuger.

Was gab es da noch? Emerson, Lake & Palmer oder Creedance Clearwater Revival?

Nein, es sind The Who.

The Who! Aber das Schlagzeug ist wirklich extrem speziell gemischt, sehr dumpf, gerade für diese Zeit. Aber ja, jetzt wo ich’s weiss, ist es klar. Viele Punkbands haben sich ja auf The Who berufen. Um noch kurz auf die Frage nach meinen Einflüssen zurück zu kommen, auch Green Day bezeichnen The Who als für sie extrem wichtige Band, so bin ich schlussendlich auch ein Kind von The Who.

  • Chickenfoot – Soap on a Wire
  • Vom Album “Chickenfoot” (2009)


Die haben sicher viel AC/DC gehört.

Der Gitarrist ist selber auch eine Legende, wohl einer der besten Gitarristen.

Der Sänger ist aber nicht Chris Cornell?

Nein, das sind Chickenfoot. Der Gitarrist ist Joe Satriani.

Ah, ok. Satrianis Solosachen find ich grauenhaft. (Lacht). Aber hier klingt er ganz passabel. Am Mikrofon ist eine bekannte Stimme, ich komme aber nicht auf den Namen. (Es singt Sammy Hagar, Ex-Van Halen. Anm. d. Red.). Ich kann mich gut erinnern, als ich mit Gitarrespielen anfing, habe ich immer Gitarrenmagazine gekauft, um die Songs nachzuspielen. Joe Satriani war oft drin und so habe ich ihn kennengelernt. Der mit seinem Gefiedel auf der Gitarre, grauenhaft. Das war schon damals nicht mein Ding.

  • Whites Boy Alive – Dead End
  • Vom Album “Rules” (2009)


Das sind sicher Engländer.

Nein, das ist eine Band aus Berlin mit einem norwegischen Sänger.

Krass. (Hört konzentriert zu). Ja, jetzt hört man, dass es keine Engländer sind. In der ersten Strophe konnte er den Akzent noch kaschieren, aber jetzt ist es gut hörbar.

Es sind The Whitest Boy Alive.

Der Name sagt mir was. Der Anfang war speziell, aber es ist nicht Musik, die mich zu Freudensprüngen antreibt, dafür passiert mir ein bisschen zu wenig.

Die Band macht die Art Elektro-Indie, der im Moment sehr erfolgreich ist.

Das finde ich eigentlich cool, aber woher ich die kenne, weiss ich jetzt gerade nicht, aber der Name sagt mir was.

  • Cat Power – (I can’t get no) Satisfaction
  • Vom Album „The Covers Record“ (2000)


Zum Schluss noch ein Cover.

(Hört lange zu).

Es ist eine der bekanntesten Rockhymnen. Aber die Interpretin ist so frech und lässt den Refrain weg.

(Hört weiter zu).

Es ist Cat Power.

Mit welchem Song?

Satisfaction

Ah, ok. Ich hab sie mal live gesehen und auch Cat Power ist nicht wirklich mein Fall. Ich kenn jetzt die Rolling Stones auch nicht so gut, dass ich den Song an den Lyrics erkannt hätte, aber die Version hat was. Haben nicht die Beatles den Song geschrieben? Ich hab da mal was gehört.

Nein, offiziell jedenfalls nicht. Als Autoren sind Jagger/Richards angegeben.

Oder das Riff zumindest?

Es gibt zwar die Legende, dass Keith Richards eines Nachts aufgewacht sei und das Riff im Kopf gehabt und es niedergeschrieben habe. Aber ob das stimmt...

...das weiss man nicht. (Lacht).

Ian Constable on Tour:

  • 26. März / Bad Bonn Düdingen, Freiburg
  • 28. März / Kino Riff Raff Zürich, M4Music-Festival
  • 29. März / Bierbox Chur
  • 12. April / Hafenkneipe Zürich

Weiter Informationen zu Ian Constable auf seiner Myspace-Seite.

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