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20. März 2010, 00:28 Konzert Music

The Cranberries: Wenn der Wurm drin ist

Patrick Holenstein - 2003 gaben The Cranberries ihre Auflösung bekannt. Heute sind Sängerin Dolores O’Riordan und The Cranberries wieder vereint und auf ausgedehnter Tour. Doch sieben Jahre sind eine lange Zeit und eine neue Platte ist auch nicht verfügbar. Es standen also keine aktuellen Lockmi...

2003 gaben The Cranberries ihre Auflösung bekannt. Heute sind Sängerin Dolores O’Riordan und The Cranberries wieder vereint und auf ausgedehnter Tour. Doch sieben Jahre sind eine lange Zeit und eine neue Platte ist auch nicht verfügbar. Es standen also keine aktuellen Lockmittel für das Volk bereit. So wurde das Konzert vor einem halbleeren Hallenstadion zur schwierigen Bewährungsprobe.

Dem Konzert hat eigentlich nichts gefehlt und doch irgendwie alles, die Musik war gut, klang wunderbar und doch kam keine Stimmung auf. The Cranberries blieben bei ihrem ersten Konzert seit sieben Jahren keinen Hit schuldig. Die Bühne musste sich nicht verstecken, sondern überzeugte durch dezente Lichteffekte. Die Band spielte zwar routiniert, vermochte aber den Funken nicht auf das Publikum zu übertragen. Die sympathische Dolores O’Riordan sprach viel mit dem Publikum, so würdigte sie gleich zu Beginn den St. Patricks Day, der am gleichen Tag in Irland gefeiert wurde und erntete dafür Szenenapplaus. Auch stimmlich überzeugte sie, nutzte alle ihre Facetten, von sanft säuselnd bis krächzend und schreiend, aber trotz aller Bemühungen erreichte sie das Publikum nicht. Selbst die Bitte, mit ihr gemeinsam zu singen, verhallte beinahe ungehört. Sie konnte einem fast leid tun. Aber an ihr bzw. der Band lag es gar nicht alleine, denn selbst die grossen Hits wie Ode to my family oder Just my Imagination – allesamt gut interpretiert - erwiesen sich als Rohrkrepierer und funktionierten nicht so, wie sie sollten. Irgendwie war der Wurm drin.

Und so wurden die Ballone in den irischen Landesfarben, die zur Hälfte des Sets auf die Köpfe hinunter gleiten sollten, zum Sinnbild des Abends: Sie blieben an der Decke hängen und versagten ihren Dienst. Die Ballone waren dafür gedacht, eine Reigen an Hits einzuleiten. Aber selbst die bekannten Klassiker vermochten an diesem Abend das Publikum kaum zu erreichen. Es verharrte lieber in gemächlicher Lethargie. Ob es daran lag, dass viele Songs schlicht zu unbekannt sind? Schon früh beschlich einen nämlich das Gefühl, dass für viele Besucher der Hit Zombie Anlass zum Kauf eines Tickets war. Doch das Gefühl bestätigte sich nicht. Auch Zombie konnte die distanzierten Verhältnisse nur leicht aufweichen, jedoch nicht brechen. Es dauerte volle 90 Minuten und 20 Songs, bis der letzte Hit, Dreams, die Halle endlich zum Kochen brachte.

Zu guter Letzt wurden The Cranberries für ihre Show, das unermüdliche Kämpfen um die Gunst des Publikums, die sauber gespielte und gut gewählte Setlist, also doch noch belohnt. Speziell Dolores O’Riordan strahlte trotz des bösen Spiels bis zum Schluss gute Laune aus, schien sich über jede einzelne erhobene Hand diebisch zu freuen und glühte fast vor Glück, als am Schluss die Leute im Hallenstadion gemeinsam mit ihr Dreams sang. Ein versöhnlicher Abschluss, sowohl für die Band als auch für das Publikum.

Bildquelle: www.cranberries.com

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