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30. Januar 2008, 16:28 Movie Music

3:10 to Yuma

Christina Ruloff - Der Western lebt! James Mangold zeigt mit Russell Crowe und Christian Bale, dass der Western eines schönsten, wenn nicht das wichtigste Filmgenre ist und mehr über Mensch und Gesellschaft zu sagen vermag, als die meisten vermeintlich anspruchsvollen Steifen. Ein grosses Stück ...

Der Western lebt! James Mangold zeigt mit Russell Crowe und Christian Bale, dass der Western eines schönsten, wenn nicht das wichtigste Filmgenre ist und mehr über Mensch und Gesellschaft zu sagen vermag, als die meisten vermeintlich anspruchsvollen Steifen. Ein grosses Stück Film.

Er muss mal eine echte Persönlichkeit gewesen sein, sonst hätte er wohl kaum eine ebenso vernünftige wie hübsche Frau und zwei tolle Kinder. Einbeinig und verschuldet lässt sich derRancher Dan aber von seinen reichen Nachbarn terrorisieren und hat verloren, was ihm am wichtigsten ist: Die Liebe seiner Frau und die Achtung seiner Söhne. Dan weiss um all das, und er leidet so sehr darunter, dass er sich auf einen lebensmüden Deal einlässt, bei dem er nur verlieren kann: Er erklärt sich bereit, für 200 Dollar den berüchtigten Verbrecher Ben Wade nach Convent zu geleiten, wo dieser um 3 Uhr 10 den Titel gebenden Zug nach Yuma zu Gefängnis und Galgen besteigen soll. Wades Bande, angeführt vom Psychopathen Charlie Prince, ist dem Konvoi aber dicht auf den Fersen und wird so lange töten, bis ihr Chef und Idol freikommt...

"Someone oughta have the decency to bring him to justice." Dan (Christian Bale) handelt gegen den Willen seiner Frau, die nicht wegen falschem Heldentum zur Witwe werden will.

Der Western sagt in besten Fällen mehr über den Stand der Dinge aus, als die meisten Leitartikel je vermögen. 3:10 to Yuma, James Mangolds (Walk The Line) Remake des gleichnamigen Klassikers (basierend auf einer Kurgeschichte von Elmore Leonard) aus dem Jahr 1957, wandelt tatsächlich auf den Spuren von High Noon. Der Film ist nicht derart offen politisch und gradlinig wie High Noon, er ist auch nicht dermassen spannend montiert und verfügt auch nicht über die stimmige musikalische Untermalung. Er zeigt aber zwei grosse Charakterdarsteller und fesselt mit überraschenden Wendungen, anhaltender Spannung und seiner bewussten Uneindeutigkeit, gerade was die Dialoge angeht. Im Zentrum steht natürlich die Gesellschaft, die keine ist, sondern aus einer Anhäufung von gewalttätigen Männern besteht, deren Gier und Sadismus nur vom nächst schnelleren Colt in Schach gehalten werden können: Für 200 Dollar wird ein ganzes Dorf zum Mörder, während die ehrbaren Gesetzeshüter das Weite suchen oder mitmachen – man fühlt sich an den „Besuch der alten Dame“ erinnert.

Ein amerikanisches Familiendrama: Der Sohn (Logan Lerman) beschuldigt seinen Vater, ein Feigling zu sein. Dan muss ihm das Gegenteil beweisen.

Dans Preis liegt wesentlich höher: Ohne Anstand, Würde und die Achtung seiner Sohnes lohnt es sich für ihn nicht weiterzuleben. Somit wächst er zur grossen Persönlichkeit, als einziger respektiert von seinem Widersacher, dem charmanten Manipulator und intelligenten Schwerverbrecher, der ihm deshalb seinen kleinen Triumph gönnt. Russell Crowe hat mit der Darstellung des ambivalenten Banditen, der bei Bedarf schon mal schöngeistig die Bibel zitiert oder seine Umwelt mit zynischen Kommentaren demaskiert, natürlich ein Heimspiel. In Christian Bales von Gesellschaft und Leben gezeichnetem Rancher findet er aber seinen Meister. Natürlich ist das jubilierende, tödliche Ende ein gar amerikanisches und Verbrecher sind nur im Film heimlich ganze Kerle.

Aber schliesslich ist 3:10 to Yuma ja auf unser Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Unterhaltung zugeschnitten; der Western im Allgemeinen und 3:10 to Yuma in Speziellen zeigt denn auch nicht den Wilden Westen des 19. Jahrhunderts, sondern projiziert die aktuelle Gesellschaft auf die damalige und spiegelt so die unsere: Während in den 50er Jahren im grossen Vorbild High Noon die McCarthy-Ära, Angst, Feigheit und Verrat nüchtern beklagt werden, zeigt 3:10 to Yuma die Veralltäglichung entsetzlicher Gewalt und die damit einhergehende Verrohung der Gesellschaft, die Verherrlichung „cooler“ Verbrecher und das Absterben der Zivilgesellschaft exemplarisch auf, – während man entsprechend unserer Erwartungshaltung top unterhalten wird!

Bewertung: 5 von 5

"Even bad men love their mommas." Russell Crowe als Verbrecher Ben Wade im Zentrum seiner Eskorte.

  • Titel: 3:10 to Yuma
  • Land: USA
  • Dauer: 122 Minuten
  • Regisseur: James Mangold
  • Darsteller: Russell Crowe, Christian Bale, Logan Lerman, Ben Foster, Peter Fonda
  • Verleih: Rialto
  • Release: 31. Januar
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