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4. Juli 2010, 15:38 Movie

DVD der Woche: Das Kabinett des Doktor Parnassus

Christina Ruloff - Versunken, verzettelt, verrückt und gerade deshalb spannend. Das Kabinett des Doktor Parnassus ist mehr als einfach nur Heath Legders letzter Film – er lotet die Grenzen des Kinos aus.Es ist die alte Geschichte eines Mannes, der gerne unsterblich wäre, jung und hübsch und da...

DVD der Woche: Das Kabinett des Doktor Parnassus
Versunken, verzettelt, verrückt und gerade deshalb spannend. Das Kabinett des Doktor Parnassus ist mehr als einfach nur Heath Legders letzter Film – er lotet die Grenzen des Kinos aus.

Es ist die alte Geschichte eines Mannes, der gerne unsterblich wäre, jung und hübsch und dafür einen Preis bezahlt, der viel zu hoch ist. Aber im Moment hält er sich natürlich für viel schlauer als der Teufel und willigt begeistert in den Pakt ein. Jahre später als es ans Bezahlen geht, wird es ihm mulmig. Doch statt zu handeln, besäuft er sich. Was eine perfekte Ausgangslage für grosses Drama wäre, verwandelt Terry Gilliam in absurdes, komisches und fantastisches Kino. Der Mann heisst Dr. Parnassus, er ist ein armer Kerl und der so sympathische, etwas schmuddelige Teufel hat Mitleid und bietet ihm eine neue Wette an: Wer zuerst fünf Seele fängt, der gewinnt die geliebte, hübsche und naive Tochter des alten Mannes. Erlaubt sind alle Mittel, ob gut oder schlecht, denn der Zweck heiligt bekanntlicherweise die Mittel.

Das Kabinett des Doktor Parnassus wurde vom Tod Heath Ledgers überschattet. Und der Regisseur und Freund des Schauspielers macht sich die Tragödie auf sehr amerikanische Weise zu Nutze. Es gibt ein Vorwort zum Film, der Film ist „by Heath Ledger and his friends“; auch kann man Ledger beim Anprobe seiner Garderobe zusehen, während larmoyante Kommentare („Was für ein Talent! Was für eine Verspieltheit!“) abgegeben werden. Am Ende bleiben einem tatsächlich nur Ledger, seine Kollegen Johnny Depp, Colin Farrell, Jude Law (die seine Rolle nach seinem Tod in den Fantasieszenen übernahmen), Christopher Plummer und natürlich der grosse Tom Waits als Teufel in Erinnerung.

Zwei, die zusammen gehören: Christopher Plummer als unglücklicher Mensch und Tom Waits als melancholischer Teufel.

Und das ist gut so. Denn was der Film an grossartigen Schauspielern in ihnen massgeschneiderten Rollen aufbietet, wird wohl sehr lange unübertroffen bleiben. Was die Handlung betrifft, ist dem Regisseur leider mehr als einmal der Gaul durchgegangen – oder hat er schlicht Angst vor seinem Mut gekriegt? Will er uns etwas sagen und wenn ja, was in aller Welt? Die Fantasie-Welten sind manchmal wahnwitzig und oftmals erstaunlich oberflächlich. Eine verstörend gewöhnliche Moralisierung stösst dem Zuschauer sauer auf und am Ende fragt man sich, wozu der Ledger-Charakter und der ganze Zirkus sein mussten. Und man hat den Verdacht, dass der hochintelligente Regisseur sich all dieser Mängel nur zu bewusst ist, und sie gerne hinter Ledger kaschiert. Das ist schade, denn selten haben sich so viele und so spannenden Themen in einen Mainstream-Film verirrt: Wann und warum ist etwas gut oder böse und sind das nicht nur Nuancierungen? Der Teufel jedenfalls, kriegt man den Eindruck, würde am Liebsten verlieren, weil er die Menschen zu sehr mag und gerne mit ihnen noch ein bisschen weiter spielen würde. In solchen Momenten ist Das Kabinett des Doktor Parnassus ganz grosses Kino.

Das Kabinett des Doktor Parnassus ist neu auf DVD erschienen!

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