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13. Juli 2010, 09:14 Music Festivals

Review Openair Frauenfeld.

Eva Noëmi Weniger - Von Coolness keine Spur! Die Temperaturen waren rekordverdächtig, die Künstler gaben sich ausgesprochen publikumsnah und die Afterpartys dauerten bis zum ersten Konzert am Folgetag: Ein Festivalerlebnis der Superlative.Supersize-it! Am vergangenen Wochenende stellte das Openair...

Review Openair Frauenfeld.
Von Coolness keine Spur! Die Temperaturen waren rekordverdächtig, die Künstler gaben sich ausgesprochen publikumsnah und die Afterpartys dauerten bis zum ersten Konzert am Folgetag: Ein Festivalerlebnis der Superlative.

Supersize-it! Am vergangenen Wochenende stellte das Openair Frauenfeld gleich zwei neue Rekorde auf: Einerseits verzeichnete die Organisation 148'000 Zuschauer und andererseits stieg das Thermometer am Samstag Nachmittag auf 37.5 Grad – wohlgemerkt am Schatten gemessen. Doch von Trägheit oder überhitzten Gemütern keine Spur. Die drei Tage verliefen ausgesprochen friedlich und die Grundstimmung war extrem ausgelassen. Dies ist allerdings wenig verwunderlich, bei all den grandiosen Bühnenshows, welche den Besuchern geboten wurden.

Am Freitag Nachmittag ging es los mit den ersten Konzerten. Während die einen sich bei körperlicher Schwerstarbeit einen abschwitzten (Zelt aufstellen), tropften andere bereits vor der Hauptbühne und erleben mit Breitbild einen schönen Einstig, mit vielen melodiösen Tracks und einer riesigen Crew, die sehr gut drauf war. Politisch etwas weniger korrekt ging es am frühen Abend mit den Berlinern Rappern K.I.Z weiter. Jungs und Mädels tanzten Pogo was das Zeug hielt und Geld konnte auch gegessen werden – allerdings nur falsche DM-Scheine. Der Abend war eingeleitet und alle hatten Hunger auf mehr.

Auf der Bühne 2 trat vor Eminems Konzert Dizzee Rascal auf und er war in Bestform: Mit seinem Backup-MC schmetterte er dem aufgeheizten Publikum einen Hit nach dem anderen entgegen – wobei er sich auch für das eine oder andere Cover nicht zu schade war. Die Masse fand es toll und alle bewegten sich zum Sound, wobei den Text des britischen Rappers wohl niemand verstand. Dafür hatte man umso mehr Spass an den interaktiven Einlagen, an denen es laut „Oye“ zu schreien galt, was etwa gleichkommt mit dem Ausruf „Yo“.

Noch bevor sein Konzert zu Ende war lösten sich seine Zuschauer aber und pilgerten zur Hauptbühne, um sich für die Attraktion des gesamten Wochenendes ein gutes Plätzchen zu schnappen. Alle wollten sie ihn sehen und scharten sich um die Hauptbühne, so dass auch die hinterste Ecke des Geländes ausgefüllt wurde. Er kam, rappte und siegte: Eminem zeigte sich von seiner allerbesten Seite und enttäuschte die Fans nicht. Die Mädels kreischten, die Jungs fluchten heftig mit und die Hände blieben während der ganzen eineinhalb Stunden oben. Aber auch Slim Shady liess nicht nach – er war durchgehend äussert präzise und sein Timing war perfekt: Er startete mit älteren Sachen und sparte sich die jüngsten Hits ganz für das Ende auf.

Für Leute die einfach nicht auf Eminem stehen (und die gibt es eben schon) ging es auf der Bühne 2 mit Nas&Damian Marley in die nächste Runde. Wer das Album „Distant Relatives“ schon kannte wurde nicht enttäuscht. Life ist die Combo noch besser als auf der Scheibe. Mit „As we enter“ gewannen sie das Publikum sogleich für sich und ihr Auftitt war der Perfekte Mix von Hits der beiden Solokünstler, den besten Tracks vom Album sowie einem unglaublich stimmungsvollen Abschluss mit „Could you be loved“. Die beiden ergänzten sich perfekt und hatten merklich Spass an der ganzen Sache. Dies war das letzte Konzert für den Abend, doch die Party fing erst richtig an. Das Volk liess sich treiben und verteilte sich auf die diversen Partyzelte oder machte draussen weiter, denn die Temperaturen schrien danach.

Gefeiert wurde nicht bis in die frühen Morgenstunden sondern wortwörtlich ohne Ende. Am Samstag Mittag lieferte Greis mit seinen Gästen eine amüsante Show. Auch Baze tauchte für ein paar Lines auf und mit Manillio performte er einen ganzen Track. Am meisten Freude bereitete allerdings das Erscheinen von Cross, der auch auf dem Album „3“ zu hören ist. Natürlich fehlten auch seine bekanntesten Songs „Global“ „Teil vo dr Lösig“ und „Teil vom Problem“ nicht. Seine Hardcore-fans die in der Mittagshitze beinahe draufgingen sangen laut mit und hatten Freude an einem Greis, der ganz in bester Stimmung war. Musste er auch bei solch einer Audienz und deshalb versprach er auch, er habe sich „etwas ins Publikum verliebt“.

Der Samstag Abend stand dann wiederum im Zeichen des zweiten Headliners Jay-Z der sich genau wie Eminem mit einer phänomenalen Bühnenshow und sehr sympathischem Auftreten in die Herzen der Zuschauer rappte. Wie schon am Abend zuvor waren eigentlich alle an diesem Konzert und gar auf der VIP-Terrasse wurde jeder Millimeter ausgenutzt. Von Starallüren keine Spur trotzt Sonnenbrille. Der "CEO des HipHops" lachte viel, sprach immer wieder mit dem Publikum und erfüllte jeden Musikwunsch, indem er keinen Hit ausliess. Zu „Empire State of Mind“ sang auch noch der letzte Zuschauer mit. Das Highlight war dann wohl aber die junge Dame, die dank ihrem Schild mit der Inschrift „It’s my Birthday“ auf die Bühne zitiert wurde, und ein Ständchen in Ehren neben Young B geniessen durfte. Sie war derart verwirrt, dass sie das Schild zuerst verkehrt rum hielt, aber in anbetracht ihrer Brüste, die alles andere als versteckt waren, wurde ihr das von der männlichen Präsenz gerne verziehen. Lustig war es allemal.

Der Hammer war auch das Konzert der Marseiller Rapper IAM. Die Stimmung hatte etwas magisches, man fühlte sich seinem Nachbarn verbunden und der leichte Regen der einsetzte war die reinste Wohltat. Auch die Franzosen liessen sich puncto Bühnenshow nicht lumpen und als sie zu „Obscure“ mit Starwars-Lichtschwertern auf die Bühne wanderten tickten die Fans für einen Moment aus. AKH trug ein Trickot der französischen Nationalmannschaft aber er lachte den ganzen Abend über so charmant, wenn er nicht gerade rappte, dass es ihm niemand übel nahm. Das Konzert wurde wie bereits vor 2 Jahren mit „demain c’est loin“ beendet; dem wohl längsten Track der Welt. Und dem Besten! Das Gewitter, welche das Festgelände streifte, brachte in der Nacht die dringend nötige Erfrischung, wobei es glücklicherweise kaum Regen gab.

Wer am Sonntag noch fit war und sich in der Thur zu etwas Abkühlung verholfen hatte, konnte am Morgen den gemütlichem Reggeae von Jahcoustix & Yard Vibes Crew geniessen, dazu Kaffee schlürfen und eine herrliche Frühstücks-Rösti verdrücken. Die Morgenstunde am Frauenfeld hatte tatsächlich Gold im Mund. Kein Anstehen vor den Essensständen, einigermassen saubere Toiletten und erstmals sah man die Wasserstationen auch, die leider etwas zu knapp ausgefallen waren. Am späten Nachmittag lieferte Diam’s mit ihrer Crew ein unerwartetes Erlebnis. Life ging die Frau noch mehr ab als erwartet. Mit ihrer herzlichen Sprechstimme ging sie immer wider auf das Publikum ein, und ihr Gitarrenspieler war der reinste Ohrenschmaus. Aber am meisten überzeugte sie mit den Showeinlagen: So warf sich am Ende die ganze Crew in idiotische Kostüme und mit viel Charme und Selbstironie brachten sie das Publikum zum lachen.

Ebenfalls eine krasse Inszenierung lieferten gleich darauf Hocus Pocus mit einer Big Band und einem 20Syl der léger von der Bühne hüpfte um seine Zuschauer zum Tanzen zu animieren. Das Publikum und Hocus Pocus verschmelzten auf ungekannte Weise und es war tatsächlich fast wie Zauberei – nur besser.

Bilder: Usgang.ch (Hier gehts zur kompletten Galerie)

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