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16. Juli 2010, 10:57 Music Festivals Interview

Interview mit 20Syl von Hocus Pocus am Openair Frauenfeld.

Eva Noëmi Weniger - Am Sonntag Abend waren sie die Zweitletzten am Openair Frauenfeld. Dennoch vermochten sie es, der letzten kleinen Gruppe, die sich vor der Bühne 2 zusammengefunden hatte, nochmals richtig einzuheizen. Das Konzert war eigentlich eher eine private Party mit der Band und der MC 20S...

Interview mit 20Syl von Hocus Pocus am Openair Frauenfeld.
Am Sonntag Abend waren sie die Zweitletzten am Openair Frauenfeld. Dennoch vermochten sie es, der letzten kleinen Gruppe, die sich vor der Bühne 2 zusammengefunden hatte, nochmals richtig einzuheizen.

Das Konzert war eigentlich eher eine private Party mit der Band und der MC 20Syl kletterte sogar von der Bühne, um sein Publikum zum Tanzen zu animieren. Ein paar Stunden vor ihrem Auftriff konnte students.ch den zurückhaltenden Franzosen auf ein Interview treffen.

students.ch: Sylvain, ihr seit das erste Mal am Openair Frauenfeld oder? Konntet ihr das eine oder andere Konzert sehen?

20Syl:Nein. Wir sind erst heute Morgen von Frankreich angekommen. Aber es ist ein schönes Festival.

Students.ch : Momentan seid ihr mit eurem neuen Album „16 pièces“ auf Tour.

20Syl: Ja genau. Bis jetzt haben wir schon an etwa 100 Konzerten gespielt in Frankreich und jetzt während des Sommers haben wir noch etwa 30 weitere Daten. Im August gehen wir sogar nach Japan. Wir spielen auch noch ein bisschen in Europa, aber hauptsächlich schon in Frankreich.

Students.ch: Nicht schlecht! Seit eurem Album „73 Touches“ hat sich doch einiges getan, nicht?

20Syl: Ja das ist wahr. Seit diesem Album haben wir begonnen, richtig auf Tour zu gehen.

Students.ch: Ich habe mich etwas umgehört. Hier auf dem Festival seid ihr den wenigsten ein Begriff. Das ist schade, denn eure Musik ist der Hammer. Habt ihr vor noch etwas Promo zu machen in der Schweiz?

20Syl: Schon alleine der Fakt, hier am Frauenfeld spielen zu dürfen ist eine super Chance, ein bisschen bekannter zu werden in der Schweiz. Und wir spielen dieses Jahr ja auch noch im Xtra in Zürich. Aber Promo können wir nicht wirklich machen, weil wir sind ja meistens in Frankreich – höchstens über’s Internet.

Students.ch: Vor zwei Jahren wart ihr am Montreux Jazz Festival. Wie war das?

20Syl: Ja das ist eine super Erinnerung! Wir hatten den Club voll und die Leute sind wirklich abgegangen (lacht).

Students.ch: Was ist für euch der Hauptunterschied zwischen Konzerten auf Tour, oder solchen Auftritten an Openairs?

20Syl: Für uns bieten normale Konzerte einen Vorteil, den man an Festivals nicht hat. Nämlich dass die Leute wirklich für dich kommen. Sie kommen für Hocus Pocus. Und an Festivals haben wir ein Defizit, weil uns viele Leute noch nicht kennen und dann gar nicht erst an unser Konzert kommen. Deshalb gilt es gerade diese Leute zu packen, um sie in das Universum von Hocus Pocus einzuführen. Das macht es aber auch interessant.

Students.ch : Ich habe euch bis heute noch nie life gehört, aber man sagt euch nach, dass eure Auftritte einmalig sind. Ein wahres Feuerwerk..wie bereitet ihr euch darauf vor?

20Syl: Wir arbeiten sehr stark und viel mit den Musikern zusammen. Wir sind zu neunt auf der Bühne und versuchen wirklich, die Stücke für die Bühne jedes Mal wieder zu reinterpretieren und ganz viel Energie reinzustecken. Wir spielen die Stücke nie genau so, wie sie auf dem Album sind.

Students.ch: Also so ein bisschen Improvisation?

20Syl: Nein. Es ist sehr sehr strikt. Aber dadurch, dass wir uns so gut vorbereiten, sind wir dann auf der Bühne ganz relaxed, was uns wiederum eine gewisse Spontanität erlaubt. Und was für uns extrem wichtig ist, ist die Interaktion mit dem Publikum. Es ist wahr, dass für uns das Publikum manchmal genauso ein Teil der Musiker ist, wie wir es selber sind. Sie sind wirklich Teil des Spektakels! Darauf legen wir viel Wert!

Students.ch: Ihr habt ja sozusagen eine Big Band mit sehr vielen Instrumenten. Und eure Stücke sind wunderbar melodiös, durchtränkt von Jazz und Funk. Wie läuft das mit den Kompositionen?

20Syl: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt keine Regeln. Manchmal beginne ich von der Musik aus und schreibe einen Text, manchmal kreiere ich zuerst den Text und die Musik wächst dann darum herum. Aber es ist in der Regel schon so, dass ich ein Stück komponiere und dann kommt jeder Musiker, und fügt seinen eigenen Teil hinzu und gibt der Geschichte seine persönliche Note. Dann passe ich meine Texte wieder an und so weiter. Es ist ein langer Prozess. Es ist sehr künstlerisch, jeder setzt seinen Pinselstrich sozusagen.

Students.ch: Dennoch ist das letzte Album „16 pièces in weniger als einem Jahr entstanden“.

20Syl: Ja das stimmt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon viele Konzerttermine, vor allem gegen Ende der Aufnahmen. Während der Woche waren wir im Studio, an den Wochenenden auf der Bühne. Die Erfahrungen, die wir da gemacht haben, sind dann auch sogleich wieder in den Prozess des neuen Albums mit reingeflossen. Aber wir haben sehr intensiv daran gearbeitet-

students.ch: Deine Texte sind sehr poetisch, tiefgründig und persönlich. Stört es dich, dass heute Abend der Grossteil des Publikums deine Worte nicht verstehen werden?

20Syl: ich denke ,dass es verschiedene Ebenen gibt. Du kannst einen Track hören und den Text für das nehmen, was er ist, aber du kannst ein Stück auch wegen seiner Musik mögen. Uns geht es darum, Emotionen global zu erzeugen. Das ist uns in Japan besonders gelungen, denn die Emotionen kann man einem Track entnehmen, ohne die Wörter zu verstehen, und ich denke, das ist genauso viel Wert.

Students.ch: Ihr arbeitet viel mit anderen, bekannten Künstlern zusammen. So habt ihr schon ein Track mit Erykha Badu aufgenommen und auf euem neuen Album ist AKH von IAM mit dabei....

20Syl: Als Künstler haben wir die Möglichkeit, unsere eigenen Musik-Wünsche zu erfüllen. Wir machen machen aber solche Featurings nicht um den Willen der Featurings, sondern es sind wirklich die Stücke, die nach dem einen oder anderen Künstler rufen. Wenn wir Lust haben, mit jemandem zusammen zu arbeiten, dann machen wir wirklich alles, um diese Person zu kontaktieren. Es muss aber auf einer künstlerischen Ebene geschehen, denn wir mögen es nicht, wenn der Artist bereits einen grossen Check verlangt, bevor er überhaupt die Musik gehört hat. Er soll mit uns etwas zusammenmachen, weil er unsere Musik mag.

Students.ch: Gibt es schon wieder Pläne für ein neues Album?

20Syl: Im Moment noch nicht so richtig. Wir überlegen uns aber vielleicht ein Life-Album zu produzieren, oder vielleicht auch eine DVD. Vielleicht auch nur auf dem Internet – wir haben viele Ideen, aber noch nichts Konkretes. Und seit Semptember arbeiten wir an unserem Projekt C2C. Das ist ein Kollektiv von 4 DJ’s. Wir haben bereits viermal die Weltmeisterschaften gewonnen und nun bringen wir damit ein Album raus, das ist aber auch in der Familie von Hocus Pocus, einfach nur mit Platten.

Students.ch: Kommt das in demfall auch unter dem Label raus, das du gegründet hast?

20Syl: Ja genau. Das wird eine On and On Records Produktion.

Students.ch: Und wenn du von allen Künstlern jemanden auslesen könntest, mit dem du noch gerne etwas zusammen machen würdest - wer wäre das?

20Syl: Oh, es gibt viele grossartige Künstler und interessante Personen. Aber mit wem ich wirklich gerne mal zusammen arbeiten würde....das wäre dann wohl Stevie Wonder (lacht).

  • Hocus Pocus spielen am Sonntag, 10 Oktober im Xtra in Zürich. Tickets gibt's hier.
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On and On Records

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