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17. Juli 2010, 17:23 Movie

DVD der Woche: Allein zu zweit

Christina Ruloff - Die Anti-Bonnie und Clydes: Catherine Deneuve und Jacques Dutronc, zwei der grössten Stars Frankreichs, schaffen ein sensibles Porträt zweier Aussenseiter; das ist nicht immer sinnvoll, aber immer stilvoll und stimmig.Er ist als Gangster aufgewachsen, unter Gangstern, Betrüge...

DVD der Woche: Allein zu zweit
Die Anti-Bonnie und Clydes: Catherine Deneuve und Jacques Dutronc, zwei der grössten Stars Frankreichs, schaffen ein sensibles Porträt zweier Aussenseiter; das ist nicht immer sinnvoll, aber immer stilvoll und stimmig.

Er ist als Gangster aufgewachsen, unter Gangstern, Betrügern, Schiebern. Sie will sich nach einer Vergewaltigung an der Männerwelt rächen. Als Edelcallgirl vergnügt sie reiche Klienten, nur um sie hinterher mit eindeutigen Fotos zu erpressen. Als die beiden in der gleichen Schaf - Farm untertauchen, ist es um ihn geschehen. Für sie, mit ihr, durch sie würde er sogar ehrlich werden. Zuerst müssen die beiden aber vor der Polizei fliehen. Auf der Flucht ist es um die Ehrlichkeit ziemlich rasch wieder geschehen: Autos und Boote werden erbeutet und die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen. Ziel ist das Eldorado aller Verlorenen – New York. Bis dahin hat er Zeit, ehrlich zu werden. Bis dahin hat sie Zeit, Vertrauen in ihn zu fassen und sich vielleicht in ihn zu verlieben...

Die Faszination dieses Filmes geht nicht von der trostlosen und weitgehend gewaltfreien Story aus, die vornehmlich in Grau, Braun und Schwarz gehalten ist. Es ist die Erzählstruktur, die sich nicht um Konventionen schert, sondern das Wichtige mit ins Zentrum setzt und das Unwichtige ausspart – die einen dazu einlädt, sich für die beiden Flüchtigen zu interessieren. Dazu hören wir ihre Version, ihre Stimmen und wir sehen vor allem in Gross- und Nahaufnahmen ihre Gesichter. Der Regisseur ist verliebt in seine beiden Stars, in Catherine Deneuve und in Jacques Dutronc, die sich verzweifelt, hoffnungslos und lebensmüde an den nächsten und doch letzten Strohhalm klammern, der sich ihnen zufälligerweise bietet: aneinander. Sie haben nichts gemeinsam, jedenfalls nichts, was eine gemeinsame Zukunft auch nur halbwegs wahrscheinlich macht. Aber er hat seine romantischen Hoffnungen und sie ihren Glauben oder Aberglauben, und das muss genügen – bis New York. Die beiden Ikonen, sie engelsgleich und er mit dem grossen Augenaufschlag, sind geschaffen für diese lebensmüden, unaufgeregten Anti-Helden. Wenn es diesen Film nicht gäbe, müsste man ihn erträumen, so sehr fügt sich alles zusammen.

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