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31. Juli 2010, 21:09 Kolumnen International

no. 13: big apples from the Big Apple

meng tian - 12 Jahre ein Zyklus, so heissts in der chinesischen Astrologie. Am Rande meines ersten Zyklus kam ich in die Schweiz und heute feiere ich meinen 24. Geburtstag in New York. Wie es sich im Leben eines Reisenden gehört, befindet man sich nicht immer nur in der Gegenwart, sondern a...

no. 13: big apples from the Big Apple
12 Jahre ein Zyklus, so heissts in der chinesischen Astrologie. Am Rande meines ersten Zyklus kam ich in die Schweiz und heute feiere ich meinen 24. Geburtstag in New York. Wie es sich im Leben eines Reisenden gehört, befindet man sich nicht immer nur in der Gegenwart, sondern auch manchmal in der Vergangenheit. Man überlegt, was es ist, das einen ausmacht und malt sich dadurch die Zukunft aus. Nun, heute erlaube ich mir einen solchen Rückblick.

Es scheint noch nicht lange her, als ich die Stadt mit diesem Radio- und Fernsehturm verlass und zum ersten Mal einen Flughafen betritt, wo alles nicht mehr auf Chinesisch, sondern auf Deutsch angeschrieben ist. Ohne gross zu überlegen oder irgendwelche Furcht im Hinterkopf stürzte ich mich ans Neu-Orientieren im Leben. Ich lernte nach und nach, nicht nur „guten Tag“, sondern auch „Grüessech“ und später „Grüezi“ zu sagen. Die Schweiz faszinierte zuerst mit der schönen Natur und der Genauigkeit und Organisiertheit. Ich nahm auf, was ich konnte: Sprachen, Gewohnheiten, Essen, Denken, Mentalität, Musik... Lernen schien ein endloser Zustand zu sein. Mit der Zeit waren es aber die Menschen, die wirklich ans Herz wuchsen und einen Unterschied in einem hervorbrachten. Ihre Geschichten erschraken, bewegten, lehrten, inspirierten. Und meine Geschichten mit ihnen werden hoffentlich eines Tages das Gleiche für sie bedeuten. Man merkt, dass der Ort eigentlich keine Rolle spielt, wenns aufs Menschliche ankommt. Menschen haben ähnliche Gefühle und gehen durch ähnliche Phasen im Leben – egal wo auf diesem Planeten man sich befindet.

Die Zeit in New York hat mir eine weitere Lektion gebracht: das Gleiche gilt für Zeit. Egal ob 12, 24, oder 60, es kommt nicht drauf an, wie lange man schon an etwas arbeitet oder wieviel Zeit man schon in einem bestimmten Beruf verbracht hat. Am Ende kehrt mensch nämlich immer wieder zu diesem Punkt zurück: sich selbst ins Gesicht zu sehen und zu fragen, wer bin ich und wie möchte ich weitergehen. New York ist wie ein riesiger Hafen voller Menschen, die sich in der Transit-Phase befinden. Alle sind auf der Suche auf etwas, das sie wirklich brauchen. Das Wissen aber, das noch eine ganze Menge andere Menschen haargenau das Gleiche tun, beruhigt ungemein.

Ich habe nun fertig philosophiert und möchte los zum echten Leben. Zum Geburtstag schenkt mir New York ein Gratis-Konzert von SONIC YOUTH im Prospect Park, Brooklyn. Wie toll ist denn das? Das Leben ist ziemlich gut. Generell gesprochen. Egal wie alt man ist :-)


big apples from the Big Apple Reihe: Übersicht
Meng Tian im Web: Meng-tian.com
Popkredit der Stadt Zürich: Musikeratelier in New York

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