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13. August 2010, 12:46 Music Interview

Von ABBA bis Zappa .... mit Joe Tschudi

Patrick Holenstein - Wie an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal erwähnt, hat die Schweizer Musiklandschaft einige talentierte Songwriter. Einer davon ist Joe Tschudi, der kreative Kopf hinter der Band Maris.

Von ABBA bis Zappa .... mit Joe Tschudi
Maris haben dieses Jahr die Demo Tape Clinic im Rahmen des M4Music-Festivals für sich entscheiden können und sind jetzt dabei, ihr Debütalbum zu promoten. An einem Tag, der eigentlich viel zu sonnig war, um ihn im abgeschlossenen Sitzungszimmer zu verbringen, haben wir Joe Tschudi zum musikalischen Interview gebeten, gemeinsam Musik gehört und darüber gesprochen.

  • Arcade Fire – The Suburbs
  • The Suburbs, (2010)


(Hört konzentriert zu) Ich warte mal noch die Stimme ab. Ah, Ed Harcourt? Wobei, nein, die Stimme passt jetzt nicht mehr.

Es ist eine Band aus Kanada.

(Hört weiter zu) Nein, das sagt mir gerade nichts. Beim ersten Ton hat es extrem nach Ed Harcourt getönt.

Es sind Arcade Fire.

Ah, ok. Das neue Album liegt bei mir zwar herum, aber ich bin leider noch nicht dazu gekommen, reinzuhören.

Aber die Musik deinen Geschmack?

Ja, es geht schon in diese Richtung.


  • Velvet Underground – Venus in Furs
  • Velvet underground und Nico, 1967

(Grinst) Der Song wurde oft für Filme benutzt. Das sind Velvet Underground. Super. Ich hatte zwar nie selber eine Platte der Band, aber irgendwie haben sie mich immer begleitet.

Zählst du die Band zu deinen Einflüssen?

Nein, als Einfluss würde ich Velvet Underground nicht direkt bezeichnen. Ich habe aber immer bewundert, wie extrem eigen der Sound klingt, so unverkennbar nach Velvet Underground. Sie lassen sich nicht so schnell mit anderen vergleichen, finde ich.

Welche Bands würdest du denn als Einfluss nennen?

Ganz am Anfang waren es zum Beispiel Sabadoh oder Lou Barlow und Indie-Rock wie Dinosaur Jr. und Pavement. Mehr und mehr hat mich dann Lou Barlow und sein Songwriting fasziniert. Er hat Alben, die er wirklich mit nur einem Tape aufgenommen hat. Dazu kommen seine Art, Songs zu schreiben, und seine Stimme. Er ist wirklich eine Art Vorbild von mir. Bei ihm ist sehr schön zu beobachten, wie er musikalisch mit der Zeit ruhiger und ruhiger wurde.

Du schreibst ja bei Maris sämtliche Songs. Wie gehst du vor, wenn du schreibst und wie wichtig sind dir Inhalte?

Meist ist es so, dass beim Schreiben Bilder in mir hochkommen. Das können Satzfragmente sein oder Bilder in irgendwelchen Formen. Im Prozess bildet sich langsam eine Geschichte um die Bilder und die versuche ich mit Sätzen zu beschreiben. Wichtig ist sicher, dass die Sätze zusammen mit der Musik gut klingen, aber vor allem probiere ich meine Gefühle einzubringen.


  • Coldplay – Brothers & Sisters
  • (B-Side von Trouble, 1999)

Ich hab eine Ahnung, aber warten wir mal die Stimme ab. Stammt der Song vom ersten Album?

Es ist die B-Seite einer Single aus dem ersten Album.

(Im Song setzt die Stimme ein.) Alles klar, Coldplay. Aber den Song kenne ich nicht.

Weil es eben „nur“ die B-Seite von Trouble ist.

Ja, das erste Album ist wirklich super. Meiner Meinung nach ist Parachutes die beste Platte von Coldplay.

Die neue Scheibe, Viva La Vida, ist aber auch nicht schlecht.

Stimmt, sie haben wieder eine Eigenheit gefunden. Aber trotzdem, auf Parachutes spürst du die Freiheit, die sie als unbekannte Band hatten. Das hört man hier voll. Ich meine, der Druck muss als Band, in der Grössenordnung von Coldplay, extrem sein. Da sind die Produzenten, das Label und nicht zuletzt die Fans, die dich schlussendlich vernichten können. Umso mehr ist es bewundernswert, dass Coldplay noch immer solche starken Songs schreiben.


  • Danger Mouse & Sparklehorse (feat. Flaming Lips) – Revenge
  • (Dark Night of the Soul, 2010)

Genialer Song. Leider ist ja Sparklehorse verstorben. Es müsste das erste Stück auf der Platte sein.

Genau, zusammen mit den Flaming Lips. Du kennst die Platte also?

Ja, ich hör sie im Moment sehr oft. Da bekomme ich direkt Gänsehaut. Wie hiess der Sänger von Sparklehorse schon wieder? (Überlegt) Genau, Mark Linkous war der Sänger. Er hat sich ja kürzlich das Leben genommen. Wirklich ein Supersong. Ich finde die Aufnahmetechnik bei dem Album so spannend. Wie sie die Feinheiten und die ganzen Eigenheiten herausgearbeitet und aufgenommen haben, ist stark. Übrigens war das schon bei Sparklehorse so.


  • Moonlight Mile – Rolling Stones
  • (Sticky Fingers, 1971)

Das müsste ich eigentlich kennen.

Ja, zumindest die Band ist sehr bekannt.

Klingt typisch für die 70er.

Genau, 1971.

(Hört gebannt zu) Geil! Super. Aber ich komm nicht auf die Band.

Es sind die Rolling Stones.

Die Stones? Hoppla.

Der Song zeigt die ruhige Seite der Stones, für die sie weniger bekannt sind.

Sehr geil, klingt cool. Ich kenne den Song nicht und die Stimme klingt für mich auch nicht so nach Mick Jagger.

Heute würde seine Stimme wohl etwas „verbrauchter“ klingen.

Genau, heute wäre es wohl kein Problem.


  • The Sad Riders (feat. Heidi Happy) - Victoria
  • (In the End we always win, 2010)

Das sind doch The Sad Riders?

Genau.

Ich kenne von ihnen vor allem die ruhigen Stücke. Witzig ist, wir sind ja bei der gleichen Agentur, und als wir unser Promotionblatt erstellten, haben wir die Vorlage von The Sad Riders bekommen, darum weiss ich überhaupt, dass es die Band gibt. Aber die sind richtig gut. Wie heisst schon wieder die Hauptband des Sängers?

Chris Wicky singt sonst bei Favez.

Genau. Die nehmen gerade in Wales ihr neues Album auf.

Hoffentlich gibt er trotzdem noch Konzerte mit The Sad Riders.

Ich gehe davon aus. Aber es ist wirklich eine gute Platte, vor allem die ruhigen Songs finde ich super, sehr gefühlvoll und gut produziert.

Kritiker werfen der Platte zwar vor, dass sie etwas zusammengeflickt wirkt.

Naja, man kann natürlich schon kritisieren, dass ein Album nicht immer als Einheit funktioniert, aber für mich ist schlussendlich der Song wichtiger. Der Moment im Stück zählt und dieser hier klingt super.

Wie entstehen eigentlich bei Maris die Aufnahmen?

Die Songs, die auf der aktuellen Platte sind, habe ich alleine geschrieben. Damals habe ich in Barcelona gelebt. 90 % davon habe ich alleine aufgenommen, in einem kleinen Studio, so richtig „homemade“ muss man sich das vorstellen. Bei den Aufnahmen dabei waren nur noch ein langjähriger Musikerkollege am Schlagzeug und ein weiterer Kollege, der das Equipment organisiert und die Hebel bedient hat. Ansonsten lief das ohne fremde Hilfe ab, wir haben einfach alles selbst gemacht. Maris, also die fünf Musiker, die das Projekt heute bilden, haben sich erst nach den Aufnahmen als Band formiert. Wir wollten die Songs live umsetzen, aber das Album ist fast komplett selbstständig aufgenommen.

Ähnlich wie es Sophie Hunger zu Beginn gemacht hat. Vielleicht braucht es diese Leidenschaft.

Ja, das hat sicher etwas. Es ist, wie wenn man sich in der Musik findet und bei den Aufnahmen spürt, dass sie tief aus einem selbst kommt. Ich glaube, Leute, die Erfahrung haben und die im Stande sind, das Beste aus einer Band zu holen, die spüren genau diese Leidenschaft, diese Seele in dir, und vermögen es, sie zu wecken.


  • I Am Kloot – Northern Skies
  • (Sky at night, 2010)

(Pfeift sofort mit) Super. Geile Aufnahme, aber ich kenne die Band nicht.

Die Band heisst I Am Kloot.

Sagt mir nichts.

Sie sind nicht so bekannt. Aber bei manchem löst der Name allein schon Freude aus.

Verständlich, es klingt auch wirklich super. Aber es ist nicht das erste Album?

Nein, die Band gibt es schon über zehn Jahre.

Ok. Die Aufnahme ist wunderschön. Seine Stimme hat ein bisschen etwas vom frühen Dylan. Der Sound wirkt befreit, ein bisschen „indieg“. Die muss ich mir unbedingt merken.


  • David Bowie – See Emily Play
  • (Pinups, 1973)

Zum Schluss ein Cover.

Jaja. Apropos David Bowie. Mir hat es kürzlich den ganzen Keller überschwemmt und ich hatte alle meine Schallplatten dort. Die sind jetzt alle futsch und einige davon waren von David Bowie. Wirklich sehr schade, megaübel.

Pinups, von der See Emily Play stammt, war auch im Keller?

Nein, die war nicht dabei.

Bist du denn Fan von Bowie?

Ich finde ihn super, aber nicht durchs Band. Er hatte in den 80ern eine Phase, in der er mir nicht so gefallen hat, aber er hat mich schon eine recht lange Zeit begleitet. So 12, 13 Jahre.

Der Song ist ja ursprünglich von Pink Floyd. Was hältst du von ihnen?

Das war nie wirklich meine Band. Aber nicht, dass ich sie gehört und schlecht gefunden hätte, meine Prioritäten waren einfach immer woanders. Ich glaube auch, dass es eine Band ist, zu der du früh den Zugang finden musst, damit sie dir ans Herz wachsen kann. Aber vielleicht passiert das bei mir ja noch.

Wie stehst du zu Covers? Spielt ihr live Coverversionen?

Nein, heute nicht mehr. Ich habe schon in anderen Bands gespielt, teilweise mit den gleichen Leuten wie heute, und da kam es schon vor, dass wir gecovert haben. Mittlerweile haben wir jedoch genug eigene Songs. Kürzlich ist mir etwas Witziges passiert. Wir spielen ja den ganzen August jeweils am Dienstag im La Catrina. Bei einem der Konzerte war ein alter Freund im Publikum und der hat mich nachher gefragt, ob wir ein Cover gespielt hätten, er hätte einen Song gekannt. Nach einiger Zeit fanden wir heraus, dass er Out of Control meinte. Weil der Song ab und zu im Radio läuft, hat der Kollege ihn erkannt. Mich hat das sehr gefreut.

Wie sind denn die Reaktionen auf die Konzerte?

Anfangs kamen natürlich viele Freunde. Aber ich bekomme inzwischen auch immer wieder schönes Feedback von Leuten, die im Züri-Tipp den Konzerthinweis gelesen haben und sich spontan dazu entschlossen haben, uns live zu schauen. Auch das La Catrina pusht uns natürlich auf der Homepage. So langsam kommt es ins Rollen.

Ja, Joe, ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir weiterhin viel Spass und viel Erfolg mit Maris.



Netterweise hat Joe gleich noch drei Exemplare der Debüt-CD von Maris, To Date With Face, mitgebracht – selbstverständlich signiert. Diese geben wir sehr gerne an euch weiter. Macht beim Wettbewerb mit!

  • Maris - To Date With Face
  • Im Handel erhältlich.
  • Mehr Informationen zu Maris gibt es auf der bandeigenen Myspace-Seite.



Maris sind im August die Hausband im La Catrina und spielen jeden Dienstag. Kosten tut der Spass nichts. Geht hin und schaut euch Maris live an.



Wer sich für das musikalische Interview mit Ian Constable interessiert, findet es HIER.
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