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8. Oktober 2010, 01:39 Konzert Music

Review: Junip @ Exil Zürich

meng tian - Manchmal ergibt eine scheinbar konfuse Kombination durchaus Sinn. Doch nur Sinn alleine macht noch keine umhauende Musik oder Live-Performance. Junip überzeugte mit einzigartigem Soundkonzept, hypnotisierte auf unaufdringliche Art das Publikum, liess aber aufgebrodelte Schwingun...

Manchmal ergibt eine scheinbar konfuse Kombination durchaus Sinn. Doch nur Sinn alleine macht noch keine umhauende Musik oder Live-Performance. Junip überzeugte mit einzigartigem Soundkonzept, hypnotisierte auf unaufdringliche Art das Publikum, liess aber aufgebrodelte Schwingungen auch wieder stehen.

Bei der Genre-Zuordnung ihrer Myspace-Seite heisst es Folk-Rock / Healing & EasyListening / Jam Band. Auf dem ersten Blick oder auch beim erstmaligen Hinhören mag das vielleicht konfus klingen, aber wenn man die Biographie der Band betrachtet, macht es durchaus Sinn. Elias Araya (drums), Tobias Winterkorn (organ, synth) und José González (vocals, guitar) waren schon eine Band, lange bevor González’ erstes Solowerk „Veneer“ 2003 internationalen Erfolg feierte. Was sie als Teenage-boys verband, war anfangs die gemeinsame Vorliebe für Hardcore-Punk. Nur verständlich, dass sie auf der Suche nach eigenem Stil in erster Linie als eine Jam Band funktioniert haben und dieses Element auch heute in ihrer Musik beibehalten.

Healing & Easylistening zeigten sie sich schon insofern, wie sie in lockerer Stimmung zufünft auf die Bühne kamen kurz vor neun Uhr auf die Zürcher Exil-Bühne. Ein Raum voller skeptischen, aber zugleich enthusiastischen Indie-Fans jedes Alters, wartete gespannt auf die Live-Umsetzung des Erstlingwerks von Junip – der Band um den geheimnisvoll feinen Singer/Songwriter José González. Und die Band reagiert nicht nur gelassen, sondern auch von Anfang an in ihrer eigenen Ruhe und dem skandinavisch-typischen Zen. Als die erste paar Songs am Ohr vorbeiklangen, musste man einerseits dem Soundmensch des Abends reichlich Credits für den guten Sound geben und andererseits Junips Konzept bewundern, wie sie einen solchen hypnotisierenden, treibenden, aber immer noch feinfühlig vorantastenden Rhythmus taktvoll mit den vielen verschiedenen unklaren, gewollt übersteuerten und reibenden Keyboardsounds verbinden konnten. Die Musik war in ihren intensivsten Momenten nicht schwerliegend, sondern immer leicht, heilend eben.

Und zu dieser Wirkung haben José González’ Gitarrenspiel wie auch Stimme sicherlich viel dazu beigetragen. Hier fügt sich auch das dritte Element Folk-Rock hinzu. Als argentinischer Schwede dürfte er bei der eigenen Identitätssuche in der Musik sicherlich viel Latino-Musik angehört haben, was den südamerikanischen Touch auf der Gitarre verleiht. Dazu kommt, dass er als bekennender Chet-Baker-Fan ebenfalls diese non-chalante Qualität beim Singen besitzt, dass er die emotionalsten Sachen scheinbar nackt und ungeschmückt von sich geben kann. Ob es in ihm auch brodelt wie beim Publikum, ist eine gute Frage wert.

Tatsache ist aber, dass die Wirkung dieser hypnotisierenden Musik nach einer Weile nachlässt, wenn sie nie „auf den Punkt kommt“. Den Fans schien es nicht sonderlich zu stören, riefen sie nach Junips 50-minütigen Show nach mehreren Zugaben. Aber eben, so was ist Geschmacksache: will man in eine bestimmte Stimmung kommen dank der Musik und auf der Welle möglichst lang bleiben oder braucht man irgendwann mal einen erlösenden Punkt, um die Stimmung noch besser geniessen zu können. Eine philosophische Fragestellung nach einem guten und sicher auch inspirierenden Konzert.

Junip Myspace

José González Myspace

Exil Zürich

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