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19. November 2010, 13:35 Konzert Music

Alice Cooper war kopflos in Zürich

Patrick Holenstein - Schock-Rocker Alice Cooper hat am Mittwoch in Zürich gezeigt, wo der Rockhammer hängt. Dabei erfüllte er sämtliche Klischees, pinkelte der Kirche ans Bein und hinterliess ein durchwegs zufriedenes Publikum.

Eine grosse Stoffplane verdeckte kurz nach neun noch die Bühne. Darauf zu sehen: der Kopf von Alice Cooper. Teilweise skelettiert und mit einem Ungetüm von Zylinder auf dem Kopf, aus dem unterschiedliche, metallische Gegenstände ragten. Dann fiel das Tuch und die Show startet. Was ist Alice Cooper noch wert? Die Frage wurde vorgängig von einigen im Raum diskutiert und der eigentlich sehr bodenständige Amerikaner gab die Antwort gleich selbst.

School’s Out als Opener brachte das Volkshaus nämlich in Sekundenbruchteilen zum Kochen. Auf dem Balkon tanzte eine Gruppe junger Frauen ausgelassen zur Kulthymne. Sie stehen wie ein Symbol für einen Aspekt des Abends, nämlich der generationsübergreifenden Musik des Alice Cooper. Wenn man den Blick durch das rappelvolle Volkshaus schweifen liess, zeigte sich, dass ein bunt gemischtes Publikum gekommen war, um ein nostalgisches Rockfest zu feiern. Dass sich die jungen Frauen auf dem Balkon noch lange vor ihrer Planungsphase befanden, als Alice vor fast 40 Jahren zum ersten Mal School’s Out kreischte, zeigt nur, dass seine Musik noch immer Bestand hat und die Jugend von heute zu begeistern vermag.

Den zweiten Aspekt bildet Alice gleich selbst. Hat denn der Protagonist des Abends auch heute noch eine ausreichende Qualität zu bieten? Hat er. Aber nur, weil er sich sehr bewusst ist, dass er seine ganze Show mit viel Ironie angehen muss. So lässt Alice sich nach einer Viertelstunde genüsslich von seiner geliebten Guillotine köpfen, um gleich darauf als eine Art Voodoo-Priester wieder aufzuerstehen und seinen eigenen Kopf demonstrativ in den Händen zu halten. Alice Cooper, der gläubige Christ, spielt sehr gerne mit biblischen Motiven wie der Auferstehung. Er lässt sich in der Show köpfen, hängt sich am Galgen auf, wird von einer modernen Eisernen Jungfrau durchbohrt und kehrt jedes Mal zurück – einmal sogar als Spinne. Natürlich sind solche Seitenhiebe auf die Kirche heute eher amüsant und nicht mehr skandalös. Schön ist es trotzdem, dass Alice Cooper seinen Wurzeln treu geblieben ist.

Bleibt noch die Musik. Man kann Alice Cooper in diesem Punkt nicht viel vorwerfen. Der Ehrendoktor der christlich-liberalen Grand Canyon University in Phoenix hat eine versierte Band um sich geschart. Die Gitarren sägen präzise und messerscharfe Soli, das Schlagzeug gibt hart den Takt an und auch der Chef selbst überzeugt mit seiner Stimme. So hinterlässt Alice Cooper nach 22 Songs, die er in rekordverdächtigen 85 Minuten durchzieht, ein glückliches Publikum. School’s Out schliesst am Ende des Gigs in voller Länge den Kreis zum Beginn und auch die jungen Frauen auf dem Balkon strahlen zufrieden.

Bilder von alicecooper.com / Fotograf: Piggy D.

Kommentare
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Fairythale
Fairythale 19.11.2010 um 21:55
War Super das Konzert!!!