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5. Juli 2011, 00:00 Movie

The Beaver

Gregor Schenker - Schon der Trailer zu diesem Drama um einen Familienvater, der mit der Welt nur noch über eine Handpuppe kommuniziert, war ziemlich bizarr. Aber der fertige Film ist noch einmal eine ganz andere Geschichte …

The Beaver
Gleich zu Beginn wird Walter Black (Mel Gibson), Besitzer einer Spielzeugfirma und Vater zweier Kinder, von seiner Frau Meredith (Jodie Foster) aus dem Haus geworfen, weil er seine Depression weder mit Therapien noch Medikamenten noch Selbsthilfebüchern wegkriegt. Er landet verzweifelt und betrunken in einem Hotel und versucht, Selbstmord zu begehen – aber eine verfilzte Biber-Handpuppe, die er vorher im Müll gefunden hat, hält ihn davon ab. Von dem Moment an ist die Puppe sein Sprachrohr. Frau, Kinder und Angestellte reagieren zunächst irritiert, aber Walters neugewonnene Fähigkeit, sein Leben zu meistern, spricht für sich.
Der einzige, der den Biber nicht akzeptieren will, ist Porter (Anton Yelchin), Walters siebzehnjähriger, rebellischer Sohn. Der verdient sein Geld damit, Arbeiten für seine Mitschüler zu schreiben; als er nun für Norah deren Abschlussrede verfassen soll, verliebt er sich prompt in sie. Die beiden kommen sich allmählich näher, doch dann deckt Porter mit seinen Superhacker-Fähigkeiten ein gut gehütetes Geheimnis in der Vergangenheit des Mädchens auf …

Es ist schwierig, ein berührendes und ernstzunehmendes Familiendrama zu drehen, wenn man von einer absonderlich-schrägen Prämisse ausgeht. Theoretisch wäre es möglich und tatsächlich gibt es ein oder zwei Momente in The Beaver, in denen durchscheint, dass der Film hätte gelingen können. Alles in allem ist er aber in die Binsen gegangen – und zwar so richtig. Ich weiss nicht, ob es am Skript von Drehbuch-Debütant Kyle Killen liegt, oder an der Inszenierung der Schauspielerin und Gelegenheits-Regisseurin Jodie Foster (The Silence of the Lambs), aber das Hauptproblem ist schnell ausgemacht: Gibson mit seiner Handpuppe und dem starken englischen Akzent kann man keine Sekunde lang ernst nehmen. Sein Herumchargieren ist viel zu albern, die Handlung driftet viel zu sehr in die Gefilde des Trashs ab (man muss es wirklich gesehen haben, um es zu glauben) und die Dialoge sowie Charaktere sind viel zu schlecht aus dem Klischeebaukasten für Filmdramen zusammengestümpert.

Der Witz dabei ist, dass Foster diesen grotesken und pseudotiefsinnigen Blödsinn voller eindimensionaler Charaktere mit triefendem Pathos inszeniert und anscheinend der Meinung ist, mindestens den nächsten American Beauty abzuliefern (das Vorbild des Kevin-Spacey-Vehikels ist mehr als offensichtlich). Auch wenn es vereinzelte (und äusserst lahme) Versuche von tragischkomischem Humor gibt, so besteht kein Zweifel daran, dass sämtliche Beteiligten ihren Film todernst nehmen und davon überzeugt sich, Bedeutendes auszusagen – was erst recht in einer Orgie der unfreiwilligen Komik resultiert, in der sie sich ausnahmslos alle lächerlich machen.

Jetzt wäre schon viel erreicht, wenn The Beaver immerhin ein unterhaltsames Lachfest geworden wäre. Foster und Co. machen aber den schweren Fehler, die Hälfte der Laufzeit mit dem Subplot um Walters Sohn Porter zu vertrödeln. Dass ihnen auch zu den Themen Plagiat, Zukunftsangst oder Kindheitstrauma nicht mehr einfällt, als ein paar oberflächliche Phrasen zu dreschen und eine Tiefsinnigkeit herbeizureden, die The Beaver keine Sekunde lang hat, versteht sich von selbst. Fataler ist Folgendes: Angesichts der Tatsache, dass es in dem Film eigentlich um einen psychisch kranken Familienvater geht, der mit seiner Umwelt über eine Handpuppe kommuniziert, interessieren die Probleme der Teenager kein Stück. Wirklich nicht. Jedes Mal, wenn der Jungspund auftaucht, wartet man nur darauf, dass endlich der interessante Teil der Handlung weitergeht. Und das ist extrem frustrierend.
Das Pünktchen auf dem i ist die möchtgegern-originelle Filmmusik von Marcelo Zarvos (Remember Me), die vor allem aufdringlich ist und einem schnell unheimlich auf die Nerven geht.

Alles in allem ist The Beaver also eine einzige Peinlichkeit: Die Ernsthaftigkeit der Inszenierung wird durch die Albernheit der Grundidee und Gibsons Schauspiel unterminiert. Dem Anspruch der Tiefsinnigkeit wird der nur aus Phrasen und Klichees bestehende Film nie gerecht. Und der uninteressante Subplot um Porter zieht die Handlung völlig unnötig in die Länge, bis auch der letzte Rest (unfreiwillige) Komik durch Langeweile abgetötet wird. Mit anderen Worten: Dieser Film ist eine Gesamtkatastrophe biblischen Ausmasses. Ein grosses Hollywooddrama mit grossen Stars, das von Anfang bis Ende für die Tonne ist. So was erlebt man wirklich selten. Ich ziehe meinen Hut.


Bewertung: 1 von 5


  • Titel: The Beaver
  • Land: USA
  • Regie: Jodie Foster
  • Darsteller: Mel Gibson, Jodie Foster, Anton Yelchin
  • Verleih: Ascot Elite
  • Start: 7. Juli 2011
Fotos von Ascot Elite
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