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5. Juli 2011, 21:59 Kultur

Il Re Pastore am Opernhaus Zürich

Christina Ruloff - Fun in der Oper! Il Re Pastore – ein Jugendwerk Mozarts – bietet zwei Stunden beste Unterhaltung mit Charme, Humor und sogar (Selbst)Ironie. Martina Janková ragt sogar aus einem stimmlich und schauspielerisch hervorragenden Ensemble heraus: Il Re Pastore ist die ideale Sommeroper.

Il Re Pastore am Opernhaus Zürich
Und dabei sind die Voraussetzungen alles andere als ideal: Das Stück handelt vom Aminta, der sein Leben als Schafhirte und Liebhaber der Elisa in Friede und Freiheit geniessen will. Die berühmte Hirtenidylle wird allerdings von Alexander dem Grossen durchkreuzt. Von dem zu Mozarts Zeit aufklärerischen Gerechtigkeitssinn beseelt, möchte er für das eroberte Sidon einen guten Herrscher finden und kürt Aminta zum König. Dass der Schöngeist damit zwei Liebespaare unglücklich macht, entgeht dem Schwärmer natürlich. Wenn nur die Tugend zählt, kann die Liebe doch noch siegen?

Dass der Re Pastore nicht zu einer lächerlichen und anstrengenden Stilübung wird, liegt an drei Faktoren:

Mozart ist (auch im „zarten“ Alter von nur 19 Jahren) ein Genie; dass diese gutgelaunte, heitere und doch musikalisch anspruchsvolle Oper nicht bekannter ist, liegt einzig daran, dass er eben später noch bedeutendere Werke (mit zugänglicheren Libretti) komponiert hat. William Christie, der die Cembalo-Partien auch noch gleich selber spielt, führt das wie so oft glänzende Orchester mit Schwung und viel Liebe zur Musik durch die beiden Akte.

Grischa Asagaroff nimmt die Oper ernst für was sie ist und versucht sie weder zu modernisieren noch mit nicht vorhandem Pseudotiefsinn aufzuladen. Er siedelt sie in einer barocken Parkanlage mit bekannten antiken Statuen an und lässt die Akteure in wunderbaren von barocken Gemälden inspirierten Kostümen auftreten – selten war man so neidisch auf die herrlichen Kleider des Opernhauses wie gestern Abend! So lässt sich das Publikum gerne in diese andere Welt entführen und betrachtet die Charaktere mit der nötigen Ernsthaftigkeit.

Ein tolles Paar: Benjamin Bernheim und Sandra Trattnigg brillieren in ihren kleineren Arien!

Schliesslich verfügt das Opernhaus über ein schlicht fantastisches Ensemble – über fünf herausragende Sänger: Am berühmtesten ist der mexikanische Startenor Rolando Villazon, der als Alexander sichtlich seinen Spass hat, Satyrn mit Trauben füttert und wenn er nicht singt, herumkaspert. Malin Hartelius singt als Elisa wunderbar, ist ganz nebenbei auch noch so attraktiv, reizend und hysterisch, dass man einsieht, warum Aminta nicht von ihr lassen will. Benjamin Bernheim und Sandra Trattnigg brillieren in ihren kleineren Arien und ernten grossen Applaus. Am beeindruckendsten ist aber Martina Janková, die dermassen schön und berührend singt, dass man ihr den ganze Abend zuhören könnte. Und eh einem all der Jubel und Trubel zu viel wird, ist der Spass schon vorbei – die ideale, kleine Sommeroper.

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