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16. Juli 2011, 14:14 Music Festivals

Paul Simon am Live At Sunset

Christina Ruloff - Der Kleine mit der grossen Gitarre: Paul Simons Konzert am Live at Sunset ist so schön und grossartig, dass man alle nur bedauern kann, die nicht anwesend waren. Nach all den Jahren wirkt er sogar noch besser als früher – Stimme und Spielfreude haben kein bisschen nachgelassen!

Paul Simon am Live At Sunset
Wenn man nicht gespannt auf Paul Simon gewartet hätte, man hätte ihn bestimmt übersehen. In Zürich auf der Strasse oder im Tram hätte man schlicht keine Chance, ihn zu erkennen – Hose, blaues weites Hemd, den Hut für später unterm Arm marschiert er als letztes auf die Bühne, total unscheinbar. Und es beschleicht einem starkes Bedauern, dass jemand wie Paul Simon heute wahrscheinlich gar nicht mehr „entdeckt“ würde, weil er es sich auf Postern oder in Werbereklamen nicht sonderlich gut macht. In dem Moment wo er aber zur Gitarre greift, ist plötzlich alles ganz anders und Paul Simon verwandelt sich in eine andere Person – mit seiner sanften, hellen und doch überzeugenden Stimme mutiert er zum grossen Künstler, zu dem Singer/Songwriter der der Musik in all den Jahren so viel gegeben hat und sie wie wenige andere geprägt hat.

Wer geglaubt hat, dass der „nur“ sein neues Album „So Beautiful or So What“ vorstellt und mit ein paar Simon and Garfunkel-Perlen garniert, der hat sich gewaltig getäuscht. Denn aus fünf Jahrzehnten Musik sind ganz offensichtlich unzählige tolle Songs hervorgegangen. Und das Publikum besteht aus begeisterten Fans und Kennern, die jedes Lied glücklich aufnahmen und sich in der zweiten Hälfte des Konzerts gar nicht mehr hinsetzen wollen. Ob „50 Ways to Leave Your Lover“, ob „Diamonds on the Soles of Her Shoes“, ob das Junior Parker-Cover „Mystery Train“ – die durchkomponierte Setliste enthält viele wunderbare Momente, Party- und Tanzlieder, aber auch ruhigere und ernsthafte Passagen. Und auch die neue Platte birgt mit „Dazzling Blue“ oder „The Afterlife“ spannende Stücke.

Paul Simon gehört zu den wenigen Künstlern, denen man den riesigen Gitarrenpark nicht übel nimmt (für jeden Song die passende Gitarre!) – weil man merkt, wie viel Gedanken und Absichten hinter jedem Arrangement stecken; seine tolle Band ist in der Lage die nicht ganz einfachen Ideen des Meisters umzusetzen. Simon geht in seinem Sound richtiggehend auf und will das Publikum auf die zwei Zugaben gar nicht lange warten lassen. Bei „Late in the Evening“ und „Still Crazy After All These Years“ kriegen sich die Fans schon gar nicht mehr ein. Und weil Paul Simon ein freundlicher Mensch ist, erfüllt er auch die innigen Wünsche seiner ältesten Fans und spielt doch noch zwei ganz alte Hits: „Sound of Silence“ ganz ruhig und allein auf der Bühne und das wunderbare „The Only Living Boy in New York“ machen dieses Konzert perfekt.

Kommentare
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canadiana
canadiana 17.07.2011 um 11:30
Auch ich war am LiveAtSunset und es war so schön zu sehen, dass Paul Simon's Musik anscheinend bei allen Altersgruppen starke Gefühle auslösen kann.
Mit dem Konzert ging für mich ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung.
Es war einfach unbeschreiblich schön und stimmungsvoll.
Danke für euren Eintrag hier! Es ist schön, dass ihr Paul Simon mit damit würdigt!